Strategische Wende: Wert statt Volumen
Porsche-Chef Michael Leiters hat am Mittwoch im Entwicklungszentrum Weissach zum Capital Markets Day des Sportwagenherstellers einen umfassenden Sanierungsplan namens Sportwagenschmiede 35 vorgestellt. Der deutsche Sportwagenhersteller rückt von hohen Stückzahlen ab und setzt stattdessen auf Profitabilität pro Fahrzeug und Premiummodelle. Der Plan senkt die künftige Gewinnschwelle des Unternehmens auf weniger als 200.000 Fahrzeuge – im vergangenen Jahr wurden 279.449 Auslieferungen verzeichnet. Der Kurswechsel folgt einem Rückgang der Auslieferungen um 10 % im Jahr 2025, getrieben von einem Absatzminus von 26 % in China und Zöllen in den Vereinigten Staaten. Die operative Marge fiel im vergangenen Jahr auf 1,1 %, woraufhin die Muttergesellschaft Volkswagen im September eine Wertminderung von 6 Milliarden Euro auf die Marke verbuchte.
Derzeit liegt der Hauptfokus darauf, Kosten zu senken und das Unternehmen finanziell robuster aufzustellen.
Abbau in der Verwaltung und operative Einsparungen
Um die Profitabilität wiederherzustellen, hat sich Porsche in einer Vereinbarung mit den Gewerkschaften verpflichtet, bis 2035 9.000 Stellen zu streichen. Das Unternehmen will seine Führungspositionen um 40 % reduzieren und die Gesamtbelegschaft mittelfristig um 25 % verkleinern; langfristig ist ein Stellenabbau von 30 % angepeilt. Auch die Forschungs- und Entwicklungsbudgets sollen gekürzt werden; sie erreichen 2026 ihren Höhepunkt und sinken danach schrittweise um bis zu 20 %. Die Ausgaben für Vertrieb und Distribution sinken um 20 %, die Beschaffungskosten für Rohmaterialien um 10 %. Darüber hinaus will Porsche die Garantiekosten durch verbesserte Fertigungsqualität um 45 % senken und bis 2028 ein Mitarbeiteraktienprogramm einführen.
Überarbeitete Produktpalette und Fokus auf Verbrenner
Die überarbeitete Produktstrategie nimmt die unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume gesetzten E-Auto-Ziele zurück. Porsche plant, für jede reine Elektrolinie zwei Verbrenner- oder Plug-in-Hybrid-Modellreihen anzubieten. Die Elektrolimousine Taycan stieß auf nachlassendes Interesse; die Auslieferungen fielen 2025 um 60 %, sodass im ersten Halbjahr 2026 nur noch 6.000 Einheiten verkauft wurden. Der 718 Boxster und der Cayman debütieren 2027 als reine Elektromodelle, bevor 2028 die Produktion startet. Allerdings bringt Porsche 2028 einen B-Segment-SUV mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybrid auf den Markt, der den Macan ergänzen soll; erste Marktbeiträge folgen ab 2029. Zur Portfolioerweiterung gehört zudem ein SUV oberhalb des Cayenne in den Segmenten D und E sowie ein Mittelmotor-Supersportwagen oberhalb des 911, der Konkurrenten wie Ferrari und Lamborghini herausfordern soll.
Der 911 wird niemals elektrisch.
Finanzziele und industrielle Integration
Porsche reduziert die Zahl der Fahrzeugvarianten um 20 % und peilt mittelfristig eine Umsatzrendite zwischen 10 % und 15 % an, mit dem Ziel einer operativen Marge von 15 % und 45 Milliarden Euro Umsatz. Die Cash-Marge soll zwischen 9 % und 12 % liegen, langfristig will das Unternehmen das obere Ende beider Spannen halten. Um die Entwicklungskosten zu senken, weitet Porsche die gemeinsame Plattformentwicklung mit der Schwestermarke Audi aus. Der Hersteller will bis 2030 mindestens ein prägendes Kernfahrzeug pro Jahr auf den Markt bringen und sein Geschäft mit Fahrzeugindividualisierung versechsfachen. Sollten die EU-Emissionsvorschriften sich verschärfen, bevor sich die Klimapolitik ändert, signalisierte die Unternehmensführung die Bereitschaft, Strafzahlungen zu leisten oder CO2-Kompensationszertifikate zu kaufen, um das Verbrennerangebot zu schützen.
- Porsche schließt den Börsengang ab
- Auslieferungen sinken weltweit um 10 %, China-Absatz fällt um 26 %
- CEO Michael Leiters stellt die Strategie Sportwagenschmiede 35 vor
- Elektrische Modelle 718 Boxster und Cayman werden offiziell vorgestellt
- Mitarbeiteraktienprogramm startet und Produktion des B-Segment-SUV beginnt
- Neuer B-Segment-SUV wird ausgeliefert und soll den Umsatz stützen
- Der geplante Abbau von 9.000 Stellen ist abgeschlossen