Ein zweiter Stimmrechtsberater stellt sich gegen den Plan

Glass Lewis, der zweite große Stimmrechtsberater, hat den Aktionären von Monte dei Paschi di Siena (Mps) empfohlen, gegen den Abwehrplan zu stimmen, den Vorstandschef Luigi Lovaglio als Reaktion auf das öffentliche Kauf- und Umtauschangebot (Opas) von Intesa Sanpaolo aufgestellt hat. Seine Empfehlung betrifft die beiden Umtauschangebote auf Banco BPM und Banca Generali, die außerordentliche Dividende von 4 Milliarden Euro, den Erwerb der Generali-Beteiligung, die derzeit über Mediobanca gehalten wird, sowie eine Kapitalherabsetzung. Glass Lewis unterstützt die Fusion mit Mediobanca und die weitergehende Unternehmensreorganisation. Seine Ablehnung des Erwerbs der Generali-Beteiligung fällt schärfer aus als die von ISS, die diesen Punkt befürwortet hatte. Stimmrechtsberater stellen sich üblicherweise auf die Seite der Unternehmen, deren Anträge sie prüfen, was diese Ablehnung ungewöhnlich macht. Der rund 40-seitige Bericht heißt, die Hindernisse für die Vorschläge von Mps erschienen erheblich größer als die, mit denen sich das Angebot von Intesa konfrontiert sehe, und die Erklärungen der Bank gingen inhaltlich nicht darauf ein.

Empfehlungen der Stimmrechtsberater vor der Mps-Versammlung
  1. ISS empfiehlt, gegen die Mps-Angebote und die Dividende von 4 Milliarden Euro zu stimmen
  2. Glass Lewis gibt dieselbe Empfehlung zu den Angeboten und der Dividende ab
  3. Die Aktionäre von Mps stimmen in der Versammlung ab

Gespaltenes Board und Widerstand der Aktionäre

Das Board von Mps ist über den Plan gespalten. In der Sitzung am Montag, dem 12. Oktober, äußerten sechs Boardmitglieder offen Widerspruch gegen die Linie des Vorstandschefs, und einige forderten seinen Rücktritt, wie aus Berichten über die Sitzung hervorgeht. Delfin, Caltagirone und Benetton haben zugesagt, in der Versammlung gegen Lovaglio zu stimmen, und zusammen mit kleineren Aktionären liegen ihre Anteile laut il Giornale bei mehr als 33 % des Kapitals. Mps-Verwaltungsratschef Cesare Bisoni hatte zuvor erklärt, er vertraue auf den Plan des Vorstandschefs. Einen Tag nach jener Board-Sitzung sagte Bisoni, das Board habe sich nicht gespalten, sondern mit Mehrheit über eine kritische Erklärung zu Preis und Synergien der Angebote von Intesa abgestimmt.

Das Board hat sich nicht gespalten, sondern mit Mehrheit geäußert.

— Cesare Bisoni

Bei der Marktaufsicht Consob sind fast 60 Beschwerden eingegangen, die jüngste am 13. Oktober von Intesa Sanpaolo. Lovaglio erwägt Berichten zufolge die Generali-Beteiligungen der Aktionäre, die sich seinem Plan widersetzen, und laut Finanzkreisen will er Intesa vor der Versammlung eine letzte Niederlage zufügen.

Die Risiken, die die Stimmrechtsberater anführen

ISS, das seine Empfehlung am 13. Oktober abgab, argumentiert, dass die beiden gleichzeitigen Übernahmen das Ausführungsrisiko erhöhten, während die Integration von Mediobanca noch laufe. Es verweist zudem auf das Fehlen einer Due Diligence und einer vorherigen Vereinbarung mit den Referenzaktionären der beiden Zielbanken sowie auf die Unsicherheit über die Forderung des Boards, die Bedingungen des Projekts zu ändern. ISS erklärt, ein solches Geschäft werde am besten von einem Board und einem Management geführt, die als Einheit handelten – eine Voraussetzung, die derzeit nicht gegeben sei. Laut La Stampa würde die vorgeschlagene Kapitalherabsetzung Lovaglio 10 Milliarden Euro an Rücklagen zum Ausgeben verschaffen. Die Dividende von 4 Milliarden Euro setzt sich laut il Giornale aus Generali-Aktien im Wert von 3 Milliarden Euro und 1 Milliarde Euro in bar zusammen.

Bestandteile der außerordentlichen Dividende von 4 Milliarden Euro (Mrd. Euro)
Generali-Aktien3Bargeld1

Marktreaktion und wie es weitergeht

Die Aktie von Mps stieg an der Piazza Affari um 0,45 % auf 11,2 Euro und lag damit laut Il Messaggero etwa auf dem Niveau des Angebots von Intesa. Die Empfehlung von ISS ist keine automatische Unterstützung für das Angebot von Intesa, das die Stimmrechtsberater zu gegebener Zeit bewerten werden. Kepler hält es für sehr schwierig, dass Mps die für die Zustimmung zu den Angeboten auf Banco BPM und Banca Generali nötige Zweidrittelmehrheit erreicht, angesichts der erklärten Abstimmungsabsichten von Delfin und der Gruppe Caltagirone. Die Versammlung ist für den 29. Oktober angesetzt, und die Annahmefrist für das Angebot von Intesa soll im November beginnen.