Kabinett beschließt Übergangsregeln

Am Mittwoch, dem 14. Oktober, hat das Bundeskabinett in Berlin Eckpunkte für Übergangsregeln zur Nutzung sozialer Medien durch Kinder gebilligt, die das Familienministerium erarbeitet hat. Das Papier würde Kindern unter 13 Jahren Plattformen wie TikTok, Snapchat und Instagram verbieten. Diese Plattformen legen in ihren Nutzungsbedingungen bereits ein Mindestalter von 13 Jahren fest, doch die EU-Aufsichtsbehörden in Brüssel haben die schwache Durchsetzung dieser Grenze wiederholt kritisiert. Die Beschränkung soll gelten, bis EU-weite Regeln in Kraft treten. Ausnahmen sollen für Angebote gelten, die nachweislich für Kinder geeignet sind, und Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sollen abgestuften Beschränkungen unterliegen. Da es sich bei dem Text um eine Absichtserklärung und nicht um einen Gesetzentwurf handelt, bleibt offen, wann die Grenzen tatsächlich in Kraft treten würden.

Der EU-Weg und seine Verzögerungen

Die Europäische Kommission hat ihre Pläne im September unter dem Namen EU Kids Act angekündigt. Danach sollen Kinder unter 13 Jahren EU-weit von sozialen Medien ausgeschlossen werden, und Nutzer ab 13 Jahren könnten elternüberwachte Mini-Konten mit eingeschränkten Funktionen und einer Obergrenze von einer Stunde pro Tag nutzen. Das Handelsblatt berichtet, dass nach dem EU-Plan junge Menschen erst ab 15 Jahren eigene Konten eröffnen könnten. Die Zeitung erwartet zudem, dass das Gesetzgebungsverfahren nicht vor 2028 abgeschlossen sein wird. Parlament und Mitgliedstaaten müssen sich noch auf eine gemeinsame Linie einigen. Deutschland kann eigene Regeln aufstellen, aber nur die EU kann im Rahmen ihrer Digitalgesetze verbindliche Altersprüfungen auf großen Plattformen durchsetzen. In Frankreich hat der Verfassungsrat ein Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige gekippt, weil die Richter es für zu allgemein hielten.

Äußerungen der Ministerinnen

Karin Prien (CDU), Bundesfamilienministerin, sagte, sie erwarte eine Regelung auf EU-Ebene im kommenden Jahr, fügte aber hinzu, die Regierung werde nicht darauf warten. Der Kabinettsbeschluss schaffe die Grundlage dafür, dass Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt sicher und selbstbestimmt aufwachsen könnten.

Schutz, Befähigung und Teilhabe sind unser Auftrag.

— Karin Prien

Stefanie Hubig (SPD), Bundesjustizministerin, sagte, soziale Medien in ihrer derzeitigen Funktionsweise täten Kindern und Jugendlichen nicht gut. Sie legte einen Großteil der Verantwortung auf die Plattformen, die die Algorithmen kontrollierten und Milliardenprofite machten, betonte aber, dass auch staatliche Stellen und Eltern junge Menschen besser schützen müssten.

Wir dürfen nicht warten, bis in Brüssel neue Regeln für die großen Plattformen verabschiedet werden.

— Stefanie Hubig

Hubig will zudem im Familienrecht festschreiben, dass Eltern für die Aufsicht über die Mediennutzung ihrer Kinder verantwortlich sind.

Elterliche Verantwortung endet nicht, wenn das Kind vor einem Bildschirm sitzt.

— Stefanie Hubig

Fachliche Grundlage und Risiken

Die Eckpunkte stützen sich auf Empfehlungen einer unabhängigen Sachverständigenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt, die Prien ein Jahr zuvor eingesetzt hatte. Ihre 18 Mitglieder kamen aus Bildungsforschung, Pädagogik, Medizin, Psychologie, Kriminologie, Philosophie und Rechtswissenschaft. Dem Expertengutachten zufolge sind junge Menschen erheblichen Risiken durch soziale Medien, KI und andere digitale Formate ausgesetzt. Dazu zählen Gewalt- und pornografische Inhalte, Hassbotschaften, Desinformation, unrealistische Schönheitsideale, Cybermobbing, sexuelle Belästigung, finanzielle Risiken und übermäßige Nutzung. Das Papier stellt fest, dass bereits jedes vierte Kind problematische Nutzungsmuster in sozialen Netzwerken zeigt, weist aber auch darauf hin, dass Kinder digitale Angebote zum Lernen und zum Austausch nutzen.

Wie es weitergeht

Das Kabinett will noch in diesem Jahr eine Reform des Jugendschutzgesetzes verabschieden. Nach der Kabinettsbilligung muss der Gesetzentwurf Bundestag und Bundesrat passieren, ein Verfahren, das nach Einschätzung der Artikel einige Monate dauern wird. Bis die EU-weiten Grenzen greifen, würden die deutschen Beschränkungen allein auf den nationalen Eckpunkten beruhen. Prien erwartet eine Regelung auf EU-Ebene im kommenden Jahr.

Meilensteine bei den Altersregeln für soziale Medien in Deutschland und der EU
  1. Europäische Kommission stellt ihre Pläne für den EU Kids Act vor
  2. Bundeskabinett beschließt Eckpunkte für Übergangsregeln für unter 13-Jährige
  3. Ziel für einen Kabinettsbeschluss zur Reform des Jugendschutzgesetzes
  4. Karin Prien erwartet eine Regelung auf EU-Ebene
  5. Das Handelsblatt rechnet nicht mit einem Abschluss des EU-Gesetzgebungsverfahrens vor diesem Jahr