Gewalt im Zentrum von Tirana

Die Studentenproteste in Tirana sind am Dienstag, dem 13. Oktober, gewaltsam eskaliert, und die Unruhen setzten sich am Mittwoch, dem 14. Oktober, fort. Am Mittwoch warfen Protestierende Steine und Molotowcocktails, steckten auf dem zentralen Platz Plastikbänke und Mülltonnen in Brand und legten ein Feuer im Gebäude des Bildungsministeriums. Die Flammen griffen auf Bäume in einigen hundert Metern Entfernung über, während eine Filiale der Raiffeisen Bank nahe dem Ministerium angegriffen wurde, deren Fenster zerstört und Rauchbomben hineingeworfen wurden. Die Polizei antwortete mit Wasserwerfern und Tränengas und drängte die Menge zurück, um den Feuerwehrleuten einen Weg zu bahnen. Albanische Medien berichteten, die Proteste hätten sich auf Universitäten in Elbasan und Shkodër ausgeweitet.

Die Zusammenstöße vom Dienstag und der Brand im Ministerium

Am Dienstag versammelten sich mehrere hundert Menschen vor dem Bildungsministerium und forderten bessere Bedingungen an den Universitäten sowie den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Die Polizei erklärte, Protestierende hätten anschließend die Türen des Rathauses aufgebrochen, im Inneren Feuer gelegt und weitere Gebäude beschädigt. Am Mittwoch kletterten nach Angaben von AFP-Journalisten zwei Demonstranten auf eine Mauer des Ministeriums und warfen Leuchtkörper hinein, woraufhin bald dichter schwarzer Rauch aus einem Fenster drang, bevor die Feuerwehr den Brand löschte. Männer zertrümmerten zudem Fenster der Bank und setzten Dokumente in Brand, während ein offenbar leeres Gebäude brannte.

Schlüsseldaten der albanischen Studenten- und Flamingo-Proteste
  1. Beginn der regierungsfeindlichen Proteste gegen ein geplantes Resortprojekt
  2. Hunderte versammeln sich vor dem Bildungsministerium, Protestierende dringen ins Rathaus ein
  3. Gebäude des Bildungsministeriums in Brand gesetzt und eine Bankfiliale angegriffen

Festnahmen, Verletzte und Suspendierungen

Die Polizei gab 16 Festnahmen im Zusammenhang mit der Gewalt vom Dienstag bekannt. Ein früherer Bericht nannte 23 festgenommene Protestierende, ein späterer mindestens 20 in Gewahrsam genommene Personen. Die Polizei erklärte, die Einsatzkräfte seien am Dienstag ständiger Gewalt ausgesetzt gewesen, darunter Steinwürfe, Feuerwerkskörper und Molotowcocktails aus maskierten Gruppen. Das Gesundheitsministerium teilte mit, sechs Polizeibeamte, acht Protestierende, drei Journalisten und zwei Passanten seien an diesem Tag medizinisch versorgt worden, teils wegen der Folgen von Tränengas.

Medizinische Versorgung nach den Protesten vom Dienstag, nach Gruppen (Personen)
Polizeibeamte6Protestierende8Journalisten3Passanten2

Berichten zufolge wurden fünf Beamte suspendiert, und es wird behauptet, die Polizei habe auch Unbeteiligte ins Visier genommen und unverhältnismäßige Gewalt eingesetzt.

Reaktion von Regierung und EU

Vize-Ministerpräsidentin Albana Koçiu verurteilte die Gewalt auf Facebook und schrieb:

Protestieren ist ein legitimes Recht, aber es darf nicht als Vorwand für Gewalt, die Zerstörung der Stadt oder hässliche Auseinandersetzungen mitten auf der Straße dienen.

— Albana Koçiu

Sie forderte Studierende und jeden ehrlichen Bürger auf, sich von Vandalismus zu distanzieren. Die Polizei warnte, Teilnehmende, die rechtswidrige Handlungen begingen, müssten mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die EU-Delegation in Tirana äußerte sich besorgt über die "gewaltsame Eskalation", rief alle Seiten zur Ruhe auf und verlangte zügige Untersuchungen der Berichte über übermäßige Polizeigewalt gegen Demonstranten und Journalisten. Albanien ist EU-Beitrittskandidat, und erst diese Woche wurde ein weiteres Verhandlungskapitel vorläufig abgeschlossen.

Der Hintergrund der "Flamingo-Revolution"

Die Unruhen gehen auf eine Bewegung zurück, die als "Flamingo-Revolution" bekannt ist und Ende Mai gegen ein geplantes Luxusresort in einem geschützten Küstengebiet im Süden Albaniens begann. Das Projekt wird von Jared Kushner unterstützt, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, und ist in Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Besar Likmeta, Redakteur beim Balkan Investigative Reporting Network in Albanien, sagte gegenüber Al Jazeera, der jüngste Protest sei nach vier Monaten täglicher Kundgebungen auf den Hauptstraßen der Hauptstadt erfolgt. Edi Rama, der seit 2013 regiert und im Mai 2025 eine vierte Amtszeit gewonnen hat, sieht sich wachsender Unzufriedenheit über vermutete Korruption unter führenden Amtsträgern gegenüber. Die Studierenden nennen die Bedingungen an den Universitäten, die Studiengebühren, die schwache finanzielle Unterstützung und die Berufsaussichten nach dem Abschluss als Gründe.