Traktoren und Demonstranten erreichen das Zentrum von Barcelona
Landwirte aus ganz Katalonien strömten am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, ins Zentrum von Barcelona zu einem Protest, den die Gewerkschaft Unió de Pagesos (UP) anführte. Die Gewerkschaft bezifferte die Teilnehmerzahl auf etwa 1.000 Landwirte und 200 Traktoren, während Europa Press über rund 400 Demonstranten berichtete. Die Traktoren starteten ab 5.00 Uhr von Sammelpunkten in der gesamten Region und erreichten ab 12.30 Uhr die Regierungsdelegation in der calle Mallorca. Die Demonstranten verbrannten mehrere Strohballen vor dem Landwirtschaftsministerium an der Gran Via, ließen ihre Traktoren dann auf der Via Laietana stehen und gingen zur Plaça de Sant Jaume, die sie gegen 15.20 Uhr erreichten.
- Traktoren starten von Sammelpunkten in ganz Katalonien
- Traktoren erreichen die Regierungsdelegation in der calle Mallorca
- Demonstranten erreichen die Plaça de Sant Jaume
Die Forderungen der Gewerkschaft
Die UP fordert eine Strukturreform des Agrarsektors, und ihre nationale Koordinatorin Raquel Serrat erklärte gegenüber den Behörden, der Sektor brauche strukturelle Maßnahmen statt Flickwerk. Zu den Forderungen an die spanische Regierung und die Generalitat gehört eine Soforthilfe von 17.000 Euro für von Klimaereignissen betroffene Betriebe, und zwar für professionelle Betriebe mit mindestens einer landwirtschaftlichen Arbeitseinheit (UTA). Die Gewerkschaft verlangt zudem Maßnahmen gegen die kriegsbedingt steigenden Betriebsmittelkosten, gegen den aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerb von außerhalb der EU sowie gegen klimabedingte Produktionsausfälle und Viehseuchen. La Vanguardia berichtet, der Protest richte sich auch gegen das im Januar ratifizierte Mercosur-Abkommen und gegen höhere Preise für Kraftstoff und Düngemittel im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten. Serrat warnte, die geopolitische Lage und häufiger auftretende Klimaschocks setzten den Sektor und die Gesellschaft einer großen Unsicherheit aus. Asaja, die sich der Mobilisierung zusammen mit dem Genossenschaftsverband FCAC und der Bewegung Revolta Pagesa anschloss, bezifferte den allgemeinen Kostenanstieg auf 30 %. Von La Vanguardia zitierte Landwirte geben den Anstieg der Produktionskosten seit Beginn des Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Iran mit 30 % an. Der am selben Tag veröffentlichte Verbraucherpreisindex für September wies einen Anstieg des Dieselpreises um 34,3 % und des Benzinpreises um 27,5 % aus.
Gespräche mit der Generalitat und Brüssel
Die Generalitat hatte angeboten, Vertreter der UP nach dem Marsch zu empfangen, doch Gewerkschaftskreise erklärten gegenüber Europa Press, das Treffen werde am Mittwoch nicht stattfinden und beide Seiten würden in den kommenden Tagen und Wochen verhandeln. Serrat sagte, entscheidend sei nun, dass die Verhandlungen in den kommenden Wochen vorankommen. In Brüssel traf der katalanische Präsident Salvador Illa mit Eric Sargiacomo zusammen, dem Vizepräsidenten des Landwirtschaftsausschusses des Europäischen Parlaments, und forderte, dass die Gemeinsame Agrarpolitik 2028–2034 keine Kürzungen erfährt und Europa die außerordentliche Hilfe bei fallenden Preisen verstärkt. Illa lehnte zudem ab, die GAP in einen einzigen Fonds zu überführen, und verlangte, dass die Regionen bei ihrer Ausgestaltung eine echte Rolle spielen. Er traf außerdem Teresa Ribera, die Erste Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, und bat die EU nach Angaben von El Periódico, alle ihre Ressourcen für das Wohnungswesen zu mobilisieren. Vor Journalisten sagte Illa:
Wir arbeiten an diesem Hilfspaket, und es ist sehr wichtig, dass der europäische Kontingenzfonds mobilisiert wird, der genau für diese Situationen vorgesehen ist.
Asaja-Präsident Pere Roquer sagte, die Generalitat biete sehr gute Worte, aber wenige Lösungen, und warf dem spanischen Staat vor, gar nichts anzubieten.
Verkehr und politischer Hintergrund
Der Servei Català de Trànsit meldete Staus über etwa sechs Kilometer auf der B-23 in Richtung Barcelona zwischen Sant Joan Despí und Molins de Rei. La Vanguardia merkte an, der Protest sei zahlenmäßig kleiner gewesen als frühere, habe aber dennoch erhebliche Verkehrsbehinderungen verursacht, während die Stadt sich von Regen, Problemen bei Rodalies und Zwischenfällen im Hochgeschwindigkeitsverkehr erholte. Die Angaben zum Startpunkt der Traktoren gehen auseinander: Die UP sprach von Abfahrten aus sieben Zonen Kataloniens, während EL PAÍS acht Startpunkte auflistete. Eine am Mittwoch veröffentlichte CEO-Umfrage sah die PSC weiterhin auf Platz eins, zeigte aber wachsende Abnutzungserscheinungen, wobei ERC und Aliança Catalana um den zweiten Platz konkurrieren. Illa sagte, die Umfragen seien ein Ansporn, weiterzuarbeiten, und argumentierte, Parteien, die magische Lösungen versprächen, scheiterten, wenn sie sie umsetzen müssten – nach Darstellung von El Periódico eine verdeckte Anspielung auf die Partei von Sílvia Orriols.