Eine Zeremonie im Palazzo Vecchio
Sergio Mattarella nahm an der Zeremonie zum 60. Jahrestag im Salone dei 500 des Palazzo Vecchio teil, wo sich das Publikum bei seinem Eintritt erhob und lange applaudierte. Der Saal war mit Mud Angels, Bürgermeistern und Vertretern der Institutionen gefüllt. Vor der Zeremonie überreichte Bürgermeisterin Sara Funaro dem Präsidenten eine vierbändige Ausgabe von Piero Bargellinis „La Splendida storia di Firenze“. Bargellini war während der Flut Bürgermeister und ist Funaros Großvater. Einundachtzig Kinder mit Flaggen der Länder, die Florenz Hilfe geschickt hatten, waren anwesend, und Schulkinder lasen Briefe vor, die nach der Flut an Bargellini geschickt worden waren. Auch ein amerikanischer Mud Angel sollte ursprünglich ein Zeugnis ablegen.
Es ist eine Herausforderung, aber auch eine Pflicht für unsere Institutionen.
Zusammenhalt, Verletzlichkeit und Umwelt
In Florenz sagte Mattarella, die Flut habe Italien verändert und der gesamten Gesellschaft neuen Schwung gegeben. Die Katastrophe habe den Italienern ihre Verletzlichkeit bewusst gemacht, die Notwendigkeit, ihre Gebiete zu schützen, und das fragile Gleichgewicht der Umwelt. Den Schutz der Umwelt und die Sicherheit der Gemeinschaften vor Katastrophen bezeichnete er als gemeinsame Verpflichtung der Institutionen. Mattarella sagte zudem, die Lehre aus der Flut sei bis heute lebendig.
Sechzig Jahre nach der Flut von Florenz wollen wir glauben, dass diese Lehre noch lebendig ist.
Der italienische Präsident sagte, die Zeugen von damals sprächen in die Gegenwart hinein, damit die Menschen wachsam blieben gegenüber ihrer gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft.
Feuerwehr, Mud Angels und die Medaille von 1967
Das toskanische Kommando der Vigili del fuoco erinnerte daran, dass am 4. November 1966 rund 1.400 Feuerwehrleute nach Florenz kamen. Hinzu kamen Kollegen aus anderen Provinzkommandos der Toskana und aus mehreren italienischen Regionen. Mit Booten, Amphibienfahrzeugen und Rettungsgerät führten sie Rettungen und Evakuierungen durch und unterstützten Bewohner, die in ihren Häusern und in überschwemmten Gebieten eingeschlossen waren. Ihr Einsatz erstreckte sich auf die Maremma, das Valdarno, das Casentino und die Ebene von Florenz und umfasste später auch das Abpumpen von Wasser und Schlamm sowie die Bergung von Gebäuden und Kulturgütern. Das nationale Feuerwehrkorps erhielt 1967 die Medaglia d'oro al valor civile. Luigi D'Angelo, Präsident eines lukanischen Vereins in Florenz, sagte, Salvatore Franchino, damals 25 Jahre alt und aus Senise stammend, sei einer der Mud Angels gewesen, die Werke wie Cimabues Kruzifix in Santa Croce retteten. Ein englischsprachiger Bericht stellte zudem fest, dass Jahrzehnte später noch Restaurierungsarbeiten ausstehen.
- Der Arno überschwemmt Florenz, nach einem Bericht sterben 35 Menschen
- Das nationale Feuerwehrkorps erhält die Medaglia d'oro al valor civile
- Kardinal Gualtiero Bassetti hält die Predigt zum 60. Jahrestag
- Prozessionszug von Santa Croce zum Ponte alle Grazie für die Opfer
- Mattarella nimmt an der Zeremonie zum 60. Jahrestag im Salone dei 500 teil
Gedenken in der ganzen Stadt
Kardinal Gualtiero Bassetti hielt die Predigt in der Basilika Santa Croce. Er war 1966 Kaplan in der Pfarrei San Salvi gewesen und erinnerte sich an drei Begebenheiten, darunter die Rettung einer älteren Frau, die im Erdgeschoss an der Piazza San Salvi wohnte. Er dankte den Menschen, die von überall herkamen, um der Stadt zu helfen.
Danke an alle, die von überall herkamen, um uns zu helfen.
Zuvor war ein Prozessionszug von Santa Croce zum Ponte alle Grazie aufgebrochen, wo im Arno ein Kranz zum Gedenken an die Opfer niedergelegt wurde. Bürgermeisterin Sara Funaro nannte die Flut eine Wunde, die noch immer offen sei.
Es ist eine Wunde, die noch immer offen ist, aber auch eine große Lehre.
Funaro sagte, die ersten Mud Angels seien Florentiner gewesen, die auf die Straße gingen, um den Schlamm zu beseitigen, obwohl sie selbst alles verloren hatten. Toskanas Regionalpräsident Eugenio Giani sagte, die Erinnerung an die Flut sei noch lebendig und die Stadt sei durch Mut und Solidarität wieder auferstanden.
Persönliche Erinnerungen an die Flut
Luigi D'Angelo, 1966 ein junger Anwalt, erinnerte sich an fünf Meter Wasser jenseits der Überführung am Viale De Amicis, überall trieben Gegenstände. Die Autos seien in der Nähe des Arno vom Wasser bis zu zwölf oder dreizehn Meter hoch aufgetürmt worden. Die lukanische Gemeinschaft in Florenz organisierte eine Spendenaktion, und ihre jungen Mitglieder halfen in der Biblioteca Nazionale, wo Tausende wertvoller Bände gerettet wurden. Die Schriftstellerin Caterina Guagni hat zudem den Roman „Due angeli del fango“ veröffentlicht, der zwei junge Menschen begleitet, die in den Tagen um die Flut zu Mud Angels werden.