Der britische Fall
Die britische Regierung hat bestätigt, dass eine britische Person in der Demokratischen Republik Kongo positiv auf Ebola getestet wurde – der erste bestätigte Fall mit Beteiligung einer britischen Person im aktuellen Ausbruch. Ein Reuters vorliegendes offizielles Dokument beschreibt die erkrankte Person als Gesundheitskraft, die von einer humanitären Organisation in das Land entsandt wurde; ihre Identität wurde nicht bekannt gegeben. Die Person befindet sich in stabilem Zustand und soll am 4. oder 5. November in Großbritannien eintreffen, wo ein Spezialkrankenwagen sie in eine Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionskrankheiten bringt. In einer per E-Mail an Reuters übermittelten Erklärung sagte ein Regierungssprecher:
Eine britische Person, die sich derzeit in der DR Kongo aufhält, wurde positiv auf Ebola getestet.
Risikobewertung in Großbritannien
Die Behörden erklären, das Risiko für die Bevölkerung bleibe gering; dem Dokument zufolge rechnen sie nicht mit erheblichen Folgen für die öffentliche Gesundheit oder mit Beeinträchtigungen von Reise- und Handelsverkehr. Die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency hat seit 1976 nur vier bestätigte Ebola-Fälle in Großbritannien registriert, drei davon betrafen Gesundheitskräfte, die beim Ausbruch in Westafrika 2014 bis 2015 im Einsatz waren. Der National Health Service verfügt über Verfahren für Verdachtsfälle und bestätigte Infektionen. Die WHO verwies die Fragen von Reuters zu der erkrankten Person an die britischen Behörden und erklärte zugleich, sie habe auf Bitte von Partnerorganisationen und Regierungen mehrere medizinische Evakuierungen unterstützt. Auch mehrere weitere Personen aus anderen Teilen Europas haben sich in diesem Ausbruch infiziert.
Ausbruchszahlen und der Erregerstamm
Der Ausbruch geht auf den Bundibugyo-Stamm zurück, für den – anders als beim Zaire-Stamm – kein zugelassener Impfstoff und keine zugelassene Behandlung existiert. Die afrikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (Africa CDC) meldeten 10.444 bestätigte Fälle und bezeichneten dies als den am schnellsten wachsenden Ausbruch in der Geschichte der DR Kongo. Die Angaben zu den Todeszahlen weichen je nach Bericht ab: Al Jazeera nannte mehr als 5.300 Tote, die meisten davon in der DR Kongo, während The Guardian bis Ende Oktober von fast 5.000 Toten berichtete. Auch die gemeldeten Sterblichkeitsraten schwanken: 50 Prozent bei Al Jazeera, bis zu 40 Prozent laut The Independent und 48,6 Prozent Ende Oktober laut BBC. Kenia hat neun Fälle gemeldet, darunter zwei Todesfälle, und die WHO zählt einen bestätigten Fall in Nigeria. Die wichtigsten datierten Etappen aus den Quellen sind unten dargestellt.
- Ausbruch beginnt in der DR Kongo, gemeldeter Beginn im Mai
- Frankreich meldet den ersten bestätigten Fall im Zusammenhang mit dem Ausbruch – eine Ärztin oder ein Arzt, die bzw. der von einem humanitären Einsatz zurückkehrte
- Eine Studie mit dem Impfstoff Ervebo beginnt, und die Schweiz evakuiert eine erkrankte Person aus Nigeria
- WHO-Expertengruppen empfehlen die Aufnahme von zwei Impfstoffstudien für Bundibugyo
- Die britische Regierung bestätigt, dass eine britische Person in der DR Kongo positiv auf Ebola getestet wurde
- Die erkrankte Person soll Großbritannien erreichen und in eine Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionskrankheiten gebracht werden
Impfstoffstudien und Reisebeschränkungen
Am 2. November 2026 empfahlen WHO-Expertengruppen, zwei weitere Impfstoffstudien für den Bundibugyo-Stamm aufzunehmen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte, eine im Oktober begonnene Studie habe Ervebo verwendet, das für den Zaire-Stamm zugelassen, aber nicht für Bundibugyo entwickelt sei. Die neuen Kandidaten sind speziell für Bundibugyo entwickelt; Ergebnisse werden für Anfang 2027 erwartet. Geleitet werden die Studien vom Nationalen Institut für biomedizinische Forschung der DR Kongo, unterstützt von der WHO und weiteren Partnern. Tedros sagte:
Impfstoffe sind wirkungsvolle Instrumente, aber sie ersetzen nicht die bewährten Maßnahmen, die jetzt Leben retten können.
Tedros forderte die Länder zudem auf, Reisebeschränkungen aufzuheben, da diese eine transparente Berichterstattung behindern könnten:
Solche Beschränkungen bestrafen Länder dafür, dass sie das Richtige tun, schaffen Fehlanreize für Transparenz und schaden der Bekämpfung.
Die WHO erklärte, sie unterstütze alle Nachbarländer der DR Kongo dabei, sich auf Fälle vorzubereiten, die über Grenzen hinweg übergreifen könnten.