Labour hält den Sitz

Sagal Abdi-Wali von der Labour-Partei hat die Sonderwahl am Donnerstag in Holborn and St Pancras gewonnen, dem Wahlkreis, den der frühere Premierminister Keir Starmer aufgegeben hatte. Sie erhielt 12.292 Stimmen, das sind 45 Prozent der abgegebenen Stimmen. Der Grünen-Chef Zack Polanski kam laut AP auf 8.928 Stimmen, knapp unter 33 Prozent; The Independent beziffert Labours Vorsprung auf 3.364 Stimmen. Abdi-Wali, Vorsitzende des Bezirksrats von Camden, kam als Kind als Flüchtling aus Somalia nach Großbritannien und sagte, es sei ihr eine Ehre, einen Ort zu vertreten, der ihr Chancen im Leben eröffnet habe.

Für Menschen, die aussehen wie ich, hoffe ich, dass sie sich an diesem Ort widergespiegelt sehen und wissen, dass auch ihr Weg hierher gehört.

— Sagal Abdi-Wali
Stimmen bei der Nachwahl in Holborn and St Pancras (Stimmen)
Sagal Abdi-Wali (Labour)12.292Zack Polanski (Grüne)8.928

Polanskis Position und der Zionismus-Antrag

Polanski wurde im vergangenen Jahr zum Grünen-Chef gewählt, mit der Maßgabe, dass er einen Sitz im Unterhaus anstreben und sich den fünf Abgeordneten seiner Partei anschließen würde. Eine Führung von außerhalb des Parlaments bringt im britischen Parlamentssystem praktische Schwierigkeiten mit sich. Sein Wahlkampf wurde von der Entscheidung der Grünen Anfang des Monats überschattet, den Zionismus, die politische Bewegung für eine jüdische Heimstatt, als Form von Rassismus einzustufen. Der Antrag befürwortete einen „einzigen demokratischen palästinensischen Staat“ auf dem Gebiet Israels und der palästinensischen Gebiete; er hat die Partei gespalten und Kritik von der Mehrheit der gewählten grünen Mandatsträger auf sich gezogen. Israel nannte den Antrag antisemitisch und verweigerte dem jüdischen Polanski die Einreise. Polanski verpasste die Abstimmung, weil er im Wahlkampf unterwegs war, und sagte der BBC, er hätte versucht, den Antrag aus zwei Gründen zu ändern.

Diese Änderungen fielen durch, und deshalb hätte ich gegen den Antrag gestimmt, weil ich finde, dass es Aspekte darin gibt, die ich nicht für in Ordnung halte.

— Zack Polanski

Der Oberrabbiner Sir Ephraim Mirvis bezeichnete den Antrag als „Bedrohung für britische Juden und für Großbritannien“. Der Barrister Adam Wagner KC sagte, es bestehe ein hohes Risiko, dass der auf der Jahreskonferenz der Grünen verabschiedete Antrag gegen den Equality Act 2010 verstößt.

Rücktrittsforderungen

Innerhalb der Partei wuchs der Druck auf Polanski nach der Nachwahl. Vivien Lichtenstein, Vorsitzende der Jewish Greens, forderte seinen Rücktritt und sagte, er habe einen „großen Fehler“ begangen, als er die Debatte über den Antrag verpasste. Die frühere Parteivorsitzende Caroline Lucas warf ihm ein Führungsversagen vor, und eine hochrangige Grünen-Persönlichkeit sagte dem Independent, die Lage sei „untragbar“. Eine am Freitag durchgeführte Umfrage von YouGov ergab, dass 20 Prozent der Meinung sind, Polanski solle Parteichef bleiben, während 47 Prozent angaben, es nicht zu wissen; jeder dritte Brite findet, er sollte zurücktreten. Unter denjenigen, die 2024 grün gewählt haben, sagten 47 Prozent, er solle bleiben, und 22 Prozent, er solle zurücktreten.

Soll Zack Polanski Grünen-Chef bleiben? (YouGov) (%)
Als Parteichef bleiben20Weiß nicht47

Polanski hat erklärt, er habe nicht die Absicht zurückzutreten. La Vanguardia weist darauf hin, dass die Amtszeit des Grünen-Vorsitzenden zwei Jahre beträgt und er eines davon absolviert hat, und dass sich seine Umfragewerte, die vor sechs Monaten bei etwa 20 Prozent lagen, seither in etwa halbiert haben.

Was das für Labour bedeutet

Das Ergebnis ist ein Erfolg für Premierminister Andy Burnham, der nun sowohl Reform UK als auch die Grünen bei Nachwahlen geschlagen hat. Jonathan Freedland vom Guardian argumentiert, Burnhams Linksruck habe progressive Wähler davon überzeugt, dass sie nicht grün wählen müssten. Der Wahlforscher Peter Kellner sagte, der Sieg habe „der Geschichte getrotzt“, und wies darauf hin, dass der durchschnittliche Stimmenverlust gegen Labour bei solchen Wahlen in den vergangenen fünfzig Jahren 24 Prozent betragen habe. Ein MRP-Modell von Electoral Calculus hatte im Februar vorhergesagt, die Grünen würden den Sitz wahrscheinlich gewinnen, der einst zu den sichersten von Labour zählte. Die Financial Times wertete das Ergebnis als schweren Rückschlag für Polanski, während die Grünen bereits ihre Manöverkritik zum zweiten Platz aufarbeiten.