Was in Abu Falah geschah
Am Freitag, dem 16. Oktober, griffen maskierte israelische Siedler palästinensische Bauern beim Olivenpflücken in Abu Falah an, einem Dorf östlich von Ramallah im besetzten Westjordanland. Al Jazeera berichtete, etwa 80 Siedler, einige mit Knüppeln bewaffnet, seien auf die Erntehelfer losgegangen, während Haaretz unter Berufung auf Augenzeugen die Zahl mit rund 30 maskierten Siedlern angab, die die Arbeiter zum Verlassen des Ortes aufforderten. Laut Wafa warfen die Angreifer Steine, setzten Steinschleudern ein und zündeten Olivenbäume an, worauf die Palästinenser mit Steinen antworteten. In Videos vom Ort waren Schüsse zu hören, und ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters sah mindestens einen bewaffneten Siedler, der eine Schusswaffe abfeuerte. Haaretz berichtete, israelische Sicherheitskräfte seien anschließend ins Dorf gekommen, hätten aber keinen der Angreifer festgenommen.
- Siedler greifen Bauern beim Olivenpflücken in Abu Falah an und setzen Olivenbäume in Brand
- Israelische Soldaten treffen ein, feuern Tränengas ab und schießen laut einem Augenzeugen einem palästinensischen Mann ins Bein
- Heidi Levine wird nach Schlägen ins Krankenhaus nach Ramallah gebracht
Journalistin und Palästinenser verletzt
Heidi Levine, eine 64-jährige erfahrene Journalistin, die als freiberufliche Fotojournalistin für die Washington Post arbeitet, stürzte während des Angriffs zu Boden und wurde anschließend geschlagen, so Augenzeugen. Ihre Kameras und ihr Telefon wurden bei dem Übergriff weggenommen, berichtete die Washington Post; sie habe eine Schutzweste mit der Aufschrift PRESS getragen. Jasper Nathaniel, ein unabhängiger Journalist, der den Angriff miterlebte, beschrieb ihren Zustand am Boden.
Sie war in sehr, sehr schlechter Verfassung. Sie konnte sich kaum vom Boden erheben.
Levine wurde ins Krankenhaus nach Ramallah gebracht, wo ihr Zustand als stabil beschrieben wurde. Der Rote Halbmond, zitiert von Wafa, teilte mit, eine 63-jährige Frau und ein 40-jähriger Mann seien geschlagen und ins Krankenhaus gebracht worden. Ein Augenzeuge sagte Al Jazeera, ein palästinensischer Mann sei zudem von israelischen Soldaten am Oberschenkel angeschossen worden.
Reaktion des israelischen Militärs
Augenzeugen zufolge trafen israelische Soldaten nach dem Angriff der Siedler in Jeeps ein, feuerten Tränengas ab und schossen auf Palästinenser. Wafa zitierte palästinensische Angaben, wonach Soldaten scharfe Munition und Tränengasgranaten einsetzten, um die Menschen zum Verlassen des Ortes zu zwingen, und dass sowohl Soldaten als auch Siedler scharfe Munition abfeuerten. De Standaard merkte an, es sei unklar, ob die Siedler jemanden angeschossen hätten. Das israelische Militär erklärte gegenüber n-tv, es prüfe die Berichte, während NOS berichtete, die Armee habe bislang nicht auf den Vorfall reagiert. Die Angaben konnten zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht unabhängig überprüft werden.
Olivenernte und weitere Gewalt
Yesh Din, eine israelische Menschenrechtsorganisation, die Siedlergewalt dokumentiert, registrierte in den 18 Tagen bis zum 16. Oktober 486 gewaltsame Angriffe von Siedlern und israelischen Soldaten im gesamten Westjordanland, 234 davon im Zusammenhang mit der Olivenernte. Die Angriffe am Freitag erreichten laut Wafa auch Burka östlich von Ramallah, wo vier Menschen verletzt worden sein sollen, sowie Turmus Ayya, wo Siedler Autos in Brand setzten. Das palästinensische Gesundheitsministerium gibt an, dass seit dem 7. Oktober 2023 mehr als 1.100 Palästinenser im Westjordanland bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Zusammenstößen oder Angriffen getötet wurden, so n-tv. Al Jazeera berichtete, dass Großbritannien und Frankreich Sanktionen gegen den Kauf von Waren aus illegalen Siedlungen angekündigt haben.