Gipfeldebatte über Spaniens Migrationspolitik

Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder trafen sich am Freitag, dem 16. Oktober 2026, in Brüssel zu einem zweitägigen Gipfel, bei dem die Migration die Agenda bestimmte. Spaniens außerordentliche Regularisierung irregulärer Migranten, die im Frühjahr 2026 durchgeführt wurde, stieß bei mehreren Regierungen auf Kritik, die warnten, sie könne weitere irreguläre Ankünfte begünstigen. Ursula von der Leyen sagte, solche Entscheidungen fielen in die nationale Zuständigkeit, könnten aber grenzüberschreitende Auswirkungen haben, weshalb Koordinierung und enge Zusammenarbeit im Schengen-Raum wichtig seien. Auf einer Pressekonferenz nach dem Gipfel sagte sie, die Kommission sei bereit, die Stärkung eines bestehenden Mechanismus für den Informationsaustausch über nationale Migrationsentscheidungen mit grenzüberschreitenden Folgen zu unterstützen, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Sie bezeichnete Migration als europäische Herausforderung, die europäische Lösungen erfordere.

Ein Frühstück vor dem Gipfel – ohne Spanien

Vor dem Gipfel richteten Giorgia Meloni, Mette Frederiksen und der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten ein Frühstück zur Migration aus, an dem 18 Länder ohne Spanien sowie von der Leyen teilnahmen. Friedrich Merz, der deutsche Bundeskanzler, gehörte zu den Staats- und Regierungschefs, die die Notwendigkeit verteidigten, dass die EU Asylverfahren in Krisen wie der in Ceuta im Juli aussetzen kann, oder wenn Drittstaaten Migration als Instrument einsetzen. Meloni erklärte in einer Botschaft in den sozialen Medien, sie habe die Notwendigkeit hoher Wachsamkeit an den EU-Außengrenzen betont und dabei auf die jüngsten Ereignisse in Ceuta verwiesen. Deutschland, Österreich, Dänemark, Griechenland und die Niederlande arbeiten bereits gemeinsam an den ersten externalisierten Abschiebezentren in Nicht-EU-Ländern, ohne das Gastland zu nennen. Innerhalb des Gipfels bemühten sich Meloni und Frederiksen um Formulierungen, mit denen Brüssel aufgefordert werden sollte, Maßnahmen zu prüfen, die die Koordinierung erleichtern könnten, wenn Mitgliedstaaten nationale Maßnahmen mit Auswirkungen auf Partner ergreifen.

Schlüsseldaten im Ceuta-Migrationsstreit
  1. Massenhafte Einreise von Migranten nach Ceuta
  2. Spanien führt eine außerordentliche Regularisierung irregulärer Migranten durch
  3. Frühstück von 18 Ländern ohne Spanien, ausgerichtet von Meloni und Frederiksen
  4. Staats- und Regierungschefs verabschieden Schlussfolgerungen, die die besondere Situation von Ceuta und Melilla anerkennen

Frederiksens Vorstoß und weitere Kritik

LaSexta berichtete, Frederiksen sei nach einem Gespräch mit Meloni vor Beginn der Sitzung direkt zu Sánchez' Platz gegangen und habe die Kommission aufgefordert, ohne Spanien namentlich zu nennen, ein Land zu prüfen, das das Gegenteil der anderen Mitglieder tue, wo Menschen illegal einreisten und dann legal bleiben dürften. Derselbe Bericht besagte, Sánchez habe Diskrepanzen eingeräumt, aber die Notwendigkeit einer Meinungsvielfalt in Europa betont. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš beschuldigte einige Politiker, ohne Spaniens Führung direkt zu nennen, sie seien bereit, die Bevölkerung auszutauschen, um ihre Posten zu behalten, und warnte, sein Land müsse möglicherweise seine Grenzen gegen Migranten aus anderen westeuropäischen Staaten verstärken. Auch Österreich und Dänemark kritisierten Spaniens Migrationspolitik auf dem Gipfel. Emmanuel Macron bat die anderen Mitgliedstaaten, Solidarität mit Spanien zu zeigen, sagte, Frankreich habe den nach der Ceuta-Krise von 22 Ländern unterzeichneten Brief nicht unterzeichnet, bezeichnete das Geschehene als Informationsangriff, dankte Marokko für seine Zusammenarbeit und bat die Staats- und Regierungschefs, den Streit nicht zu politisieren.

Blockierter Text und die Ceuta-Schlussfolgerungen

El Mundo berichtete, Italien, Dänemark und Polen hätten auf einen deutlich schärferen Migrationstext gedrängt, der Maßnahmen kritisiere, die irreguläre Ankünfte begünstigten, wie Spaniens Massenregularisierung, und der Entwurf habe breite Unterstützung in vielen Ländern gehabt. Nach diplomatischen Quellen, die El Mundo zitierte, weigerte sich Sánchez, einen Hinweis auf diesen Prozess aufzunehmen, und Frankreich und Portugal hätten ihn anschließend unterstützt. Die endgültigen Schlussfolgerungen anerkennen tatsächlich die besondere Situation von Ceuta und Melilla, die der Text als die einzige Landgrenze der EU zu Afrika bezeichnet, und drücken Solidarität und Unterstützung mit Spanien wegen der massenhaften Einreise von Migranten nach Ceuta am 30. und 31. Juli 2026 aus. Sie begrüßen zudem die finanzielle und operative Unterstützung, die die EU Spanien gewährt. Sánchez sagte auf der Pressekonferenz, es bleibe viel zu tun, bezeichnete den mit diesen Schlussfolgerungen erreichten politischen Schritt aber als wichtig.

Europa ist heute präsenter in Ceuta und Melilla als je zuvor, denn beide Städte sind auch Europa.

— Pedro Sánchez

Sánchez präsentierte den Text als Anerkennung sowohl durch die Staats- und Regierungschefs als auch durch die EU-Institutionen, während mehrere Regierungen weiter auf eine härtere Linie drängten.