Ein Anruf bei Selenskyj am Montag

Papst Leo XIV. hat am Montag, 19. Oktober, telefonisch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen, wie das Presseamt des Vatikans in einer Erklärung mitteilte. Der Heilige Vater brachte die Lage in Oleschky zur Sprache, einer Stadt in der Region Cherson unter russischer Besatzung, und verwies auf eine Bitte um eine humanitäre Waffenruhe, die bereits an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichtet worden war. Er hoffe, dass die Zusammenarbeit beider Seiten es ermögliche, Lebensmittel und medizinische Hilfsgüter in die Stadt zu bringen. Die Erklärung formulierte zudem den Wunsch des Papstes nach einer sicheren und freiwilligen Evakuierung der Zivilbevölkerung. Im selben Gespräch bekräftigte der Papst das Engagement des Heiligen Stuhls für Dialog und Frieden.

Die Lage in Oleschky

Die ukrainischen Behörden hatten vor dem Anruf gewarnt, die Lage in der Stadt sei tragisch. Sie erklärten, etwa 2.000 Menschen seien noch dort, darunter 50 Kinder, ohne Zugang zu Nahrung oder Wasser. Oleschky liegt rund 4 km von Cherson entfernt am linken Ufer des Dnipro, das Russland besetzt hält. Berichten zufolge sind die Zufahrtsstraßen in die Stadt vermint, und russische Drohnen sind dort ständig im Einsatz, was es den Bewohnern erschwert, die Stadt zu verlassen. In italienischen Berichten heißt es, die Stadt stehe seit 2022 unter russischer Besatzung, und der Appell für einen Korridor erfolge, während die Bewohner weiterhin von Nachschub abgeschnitten seien.

Das frühere Gespräch mit Putin

Der Papst hatte die Angelegenheit bereits am Freitag, 16. Oktober, direkt gegenüber Putin zur Sprache gebracht, während er sich noch in der Gemelli-Klinik befand. In diesem Gespräch bat er um eine Waffenruhe, die Hilfslieferungen und eine sichere Evakuierung der Bewohner ermöglichen sollte. Berichte unter Berufung auf den Kreml besagen, Putin habe den Vorschlag wohlwollend aufgenommen. Der Anruf bei Selenskyj erfolgte drei Tage später, womit es innerhalb einer Woche der zweite päpstliche Appell zu Oleschky ist. Auch spanischsprachige Berichte bezeichnen das Gespräch mit Putin als jenes, in dem der Papst Oleschky erstmals ansprach.

Was der Appell von beiden Seiten verlangt

Die Erklärung des Vatikans forderte beide Seiten zur Zusammenarbeit auf, ohne einen einzelnen Schritt zu benennen. Diese Zusammenarbeit wurde als Weg zu Nahrung, Medikamenten und Evakuierung für die Zivilisten dargestellt. Der Heilige Stuhl präsentierte den Appell als Teil seines weiterreichenden Einsatzes für Dialog und Frieden. Die Artikel berichten von keiner Reaktion aus Kiew oder Moskau auf den Anruf vom Montag, und eine Vereinbarung über eine Waffenruhe wird zum Zeitpunkt der Erklärung nicht gemeldet.