Der Angriff in Taybeh

Am Samstag, 17. Oktober, haben maskierte Siedler einen Konvoi europäischer Diplomaten in Taybeh angegriffen, einem Dorf östlich von Ramallah im besetzten Westjordanland. Das israelische Armeeradio meldete, zu der Gruppe hätten Diplomaten aus Frankreich, Belgien und Polen gehört, und der Besuch habe mit der Olivenernte in der Region zusammengefallen. Laut dem Sender umringten sieben maskierte Siedler ein Fahrzeug, verlangten Ausweisdokumente und zerschlugen ein Fenster eines Wagens des belgischen Konsulats. Die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete unter Berufung auf lokale Quellen, die Angreifer hätten Knüppel getragen; ein in sozialen Netzwerken kursierendes Video zeigt, wie ein Diplomat zu Boden geworfen wird. Bashar Fawadleh, Pfarrer des Lateinischen Patriarchats in Taybeh, bestätigte den Angriff gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur EFE und erklärte, auch Mitglieder der französischen Delegation seien angegriffen worden.

Siedlergewalt und Folgen, 16. bis 17. Oktober 2026
  1. Siedler greifen mehrere palästinensische Dörfer an, setzen Autos und Bäume in Brand und schlagen Bewohner, darunter Heidi Levine
  2. Maskierte Siedler greifen einen Konvoi französischer, belgischer und polnischer Diplomaten in Taybeh an
  3. Die israelische Polizei leitet ein Ermittlungsverfahren ein, die Armee erklärt, der Besuch sei nicht mit ihr abgestimmt gewesen

Ein französischer Bürgermeister vor Ort

Zur französischen Delegation gehörte Bernard Baudoux, der 78-jährige linke Bürgermeister von Aulnoye-Aymeries im Norden Frankreichs. Ein von einem der Diplomaten geteiltes Video zeigt ihn neben einem Auto am Boden liegend, und zwei Diplomaten sowie ein lokaler Zeuge bestätigten gegenüber AFP seine Identität. Ein Diplomat sagte AFP, er schwebe nicht in Lebensgefahr. Belgiens Außenminister Maxime Prevot schrieb in sozialen Netzwerken, ein französischer Bürgermeister sei angegriffen und ein belgisches Fahrzeug beschädigt worden, sein eigenes Team sei in Sicherheit. Prevot fügte hinzu, Belgien werde die Europäische Union weiter zu Sanktionen gegen die Verantwortlichen der Gewalt und deren Unterstützer drängen.

Reaktion von Armee und Polizei

Die israelische Armee verurteilte, was sie eine schwere Gewalttat im Gebiet von Taybeh nannte, bei der diplomatische Vertreter von israelischen Randalierern angegriffen worden seien. Der Besuch des Konsulats sei nicht mit der Armee abgestimmt gewesen, und eine solche Abstimmung sei entscheidend, um Vorfälle dieser Art zu verhindern. Eine erste Prüfung habe ergeben, dass zum Zeitpunkt des Angriffs keine Soldaten vor Ort gewesen seien; alle Umstände würden untersucht. Die israelische Polizei erklärte, sie habe nach Erhalt der Aufnahmen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und das Außenministerium informiert, damit dieses die Opfer ausfindig machen, ihre Aussagen aufnehmen und Verdächtige identifizieren könne. Die Polizei verurteile zudem jede Form von Gewalt und werde dafür sorgen, dass alle Beteiligten zur Rechenschaft gezogen werden.

Heidi Levine und eine breitere Gewaltwelle

Heidi Levine, eine Fotografin der Washington Post, wurde bei einer separaten Welle von Siedlergewalt verletzt. Ihre Tochter sagte der Associated Press, die Spitze ihres linken Fingers sei fast vollständig abgetrennt gewesen, mit einem tiefen Schnitt bis auf den Knochen und einer sichtbaren Sehne; der Finger sei operiert worden. Zudem habe Levine eine Rippenfraktur, Frakturen mehrerer Wirbel und zahlreiche Schnittwunden am ganzen Körper erlitten. Siedler hatten am Freitag, 16. Oktober, mehrere palästinensische Dörfer angegriffen, Autos und Bäume in Brand gesetzt und Bewohner geschlagen, darunter Levine.

Herzogs Entschuldigung und Reaktionen

Israels Präsident Isaac Herzog rief Levine an und entschuldigte sich für das, was sie erlitten habe, wie aus einer Mitteilung des Präsidialamts hervorgeht. Er sagte, das Verhalten der Angreifer sei verachtenswert und repräsentiere weder die Bürger noch die Werte Israels.

Das verachtenswerte Verhalten der Täter dieses Angriffs repräsentiert weder die Bürger noch die Werte des Staates Israel.

— Isaac Herzog

Herzog forderte zudem die Regierung, die Sicherheitsdienste und die Polizei auf, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um gründlich zu ermitteln, die Verantwortlichen zu identifizieren und sie zur Rechenschaft zu ziehen. Auch Israel verurteilte den Angriff und bezeichnete die Beteiligten als gewalttätige Demonstranten. Belgiens Außenminister wiederum brachte die Gewalt mit der seiner Ansicht nach illegalen Siedlungspolitik Israels in Verbindung und erklärte, die Besetzung palästinensischer Gebiete müsse enden.