Ein Haftbefehl des Bundesstaates Florida

Floridas Generalstaatsanwalt James Uthmeier gab am Montag, 19. Oktober bekannt, dass ein Haftbefehl des Bundesstaates gegen Raúl Castro, den früheren Präsidenten Kubas, erlassen worden sei. Der Haftbefehl wirft Castro Verschwörung zum Mord ersten Grades vor – wegen des Abschusses zweier ziviler Flugzeuge der Organisation Brothers to the Rescue, einer in Miami ansässigen Vereinigung kubanischer Exilanten, am 24. Februar 1996. Vier Menschen starben bei diesem Angriff, drei von ihnen US-Bürger. Ein Richter in Miami unterzeichnete den Haftbefehl am Freitag, 16. Oktober. Das Verfahren des Bundesstaates stützt sich zu großen Teilen auf eine im Mai erhobene Bundesanklage, die Mord und die Zerstörung eines Luftfahrzeugs umfasst. Florida hatte seine Ermittlungen im März wieder aufgenommen, drei Jahrzehnte nach dem Angriff; Castro ist inzwischen 95 Jahre alt.

Schlüsseldaten im Fall des Haftbefehls gegen Castro
  1. Kubanische Kampfjets schießen zwei Flugzeuge von Brothers to the Rescue ab, vier Menschen sterben
  2. Florida nimmt seine Ermittlungen zu Castros Rolle wieder auf
  3. Bundesanklage erhebt Vorwürfe gegen Castro wegen Mordes und der Zerstörung eines Luftfahrzeugs
  4. Ein Richter in Miami unterzeichnet den Haftbefehl des Bundesstaates Florida
  5. Generalstaatsanwalt James Uthmeier gibt den Haftbefehl bekannt

Was die Ermittler vorwerfen

Der Haftbefehl beschreibt Castro als denjenigen, der in der Befehlskette, die den Abschuss autorisierte, die letzten Entscheidungen traf. Die Ermittler gehen zudem davon aus, dass in Florida operierende kubanische Spione Informationen über die Flüge der Gruppe sammelten und nach Havanna weitergaben – Daten, die den Abschuss nach ihrer Darstellung ermöglicht haben könnten. Brothers to the Rescue suchte auf dem Meer nach Kubanern, die versuchten, per Boot nach Florida zu gelangen; laut den Gerichtsunterlagen wurden die beiden Flugzeuge von kubanischen Kampfjets über internationalen Gewässern abgeschossen. Ein drittes Flugzeug mit dem Anführer der Gruppe, José Basulto, entkam nur knapp. Zum Zeitpunkt des Angriffs war Castro Minister der Revolutionären Streitkräfte (FAR) – das Amt, das er als Verteidigungsminister Kubas innehatte.

Havannas Position und der Streit um den Ort

Kubas Regierung argumentierte damals, die Flugzeuge seien über kubanischen Hoheitsgewässern getroffen worden. Die US-Behörden und die Vereinten Nationen halten dagegen, dass sich der Vorfall in internationalen Gewässern ereignete; dieser Streit über den Ort ist nie beigelegt worden. Uthmeier sagte, der Bundesstaat werde nicht aufhören, Rechenschaft für die Toten zu verlangen. Jason Reding Quiñones, Bundesstaatsanwalt für den südlichen Bezirk Floridas, erklärte, die Bundesregierung stehe an der Seite Floridas und verfolge Gerechtigkeit für die vier beim Abschuss Getöteten. Der Haftbefehl des Bundesstaates ist nach der Bundesanklage im Mai der zweite rechtliche Schritt gegen Castro in diesem Jahr.

Wachsender Druck der USA auf Havanna

Die neue Anklage fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen Havanna und Washington. Die USA haben seit Januar eine Ölblockade gegen Kuba verhängt, und Venezuela hat keine Öllieferungen mehr auf die Insel geschickt, nachdem eine US-Militäroperation dort dessen Anführer Nicolás Maduro gefasst hatte. Donald Trump bezeichnete Kuba in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung Ende September als gescheiterten Staat und sagte, er erwarte, dass Kuba zu einer Einigung komme; eine militärische Intervention sei nicht nötig. El Mundo bringt den Fall mit neuen Maßnahmen gegen Personen aus dem Umfeld der kubanischen Regierung und verschärften Sanktionen in Verbindung – in einer Zeit tiefer Wirtschaftskrise auf der Insel.