Interne Nachrichten als Grundlage
Die Zeitung Folha de S.Paulo berichtete am Freitag, 16. Oktober, Mitarbeiter von Meta hätten intern eingeräumt, während des Wahlkampfs die Instagram-Konten von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva eingeschränkt zu haben. Die Zeitung stützt sich auf interne Kommunikation, die ihr vorliegt. Dem Bericht zufolge wurden den Nutzern auf der Plattform stattdessen das Profil von Lulas Herausforderer Flávio Bolsonaro und dessen WhatsApp-Kanal empfohlen. Meta wies die Vorwürfe politischer Einflussnahme später zurück.
Die Antwort von Meta
Meta erklärte, die in dem Bericht genannten technischen Probleme seien bereits öffentlich bekannt gewesen. Die von Folha zitierten Gespräche hätten nur das Ausmaß dieser Probleme betroffen, nicht eine politische Einflussnahme. Zudem ließen sich alle von Lulas Wahlkampfteam angeführten Vorfälle technisch erklären. In seiner Stellungnahme bezeichnete das Unternehmen jeden Vorwurf, es begünstige eine Seite, als falsch. Lulas Partei erklärt, einige seiner Beiträge seien ohne Teilen-Schaltfläche erschienen, hätten eine geringere Reichweite gehabt oder andere technische Fehler gezeigt, während Beiträge seines Herausforderers deutlich mehr Menschen erreicht hätten.
Beschwerden bei OAS und UN
Lulas Lager kündigte Anfang der Woche an, Beschwerde bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) einzulegen. Am Samstag, 17. Oktober, wandte sich das Wahlkampfteam zudem mit einem beigefügten technischen Bericht an Leopoldo Maldonado, den UN-Sonderberichterstatter für Meinungs- und Meinungsäußerungsfreiheit. In der Eingabe wird Generalstaatsanwalt Paulo Gonet und die Bundespolizei aufgefordert zu prüfen, ob Flávio Bolsonaro wirtschaftliche Vorteile bei der Verbreitung und Produktion von Inhalten durch die Systeme von Meta erhielt, was nach Auffassung des Wahlkampfteams einen Wahlverstoß darstellen würde. Zudem wird um eine Zeugenaussage von Flávio Bolsonaro, dem Schatzmeister des Wahlkampfs und den Brasilien-Direktoren von Meta gebeten sowie darum, interne Kommunikation und Reichweitendaten zu sichern. Als Beispiele genannt werden eine verringerte Reichweite von Lulas Instagram-Profilen, WhatsApp-Suchergebnisse für den Kanal „Ejército de Lula“, die den Kanal „Tropa de Flávio“ vorschlugen, sowie ein KI-Werkzeug von Meta, das die Erstellung von Bildern zur Unterstützung Lulas verweigerte, für den rechtsextremen Kandidaten jedoch zuließ. Das Wahlkampfteam fordert außerdem internationale Rechtshilfe mit den Vereinigten Staaten, um Unterlagen der Muttergesellschaft zu erhalten.
Gerichtliche Anordnung und die Stichwahl
Am Donnerstag, 15. Oktober, ordnete ein Richter des Obersten Wahlgerichts (TSE) an, dass Meta die Reichweite politischer Inhalte beider Kandidaten bis zum Ende des Wahlkampfs nicht ohne sachlichen Grund einschränken darf. Der Richter untersagte Meta AI zudem, bei der Erstellung von Wahlkampfinhalten einen der beiden Kandidaten zu bevorzugen. Bei Verstößen droht ein tägliches Bußgeld von 500.000 Reais, rund 88.000 Euro. Der Richter erklärte außerdem, es gebe bislang keine verlässlichen Belege dafür, dass Meta Inhalte eines Kandidaten gezielt unterdrückt habe.
- Ein TSE-Richter ordnet an, dass Meta die politische Reichweite beider Kandidaten nicht ohne sachlichen Grund einschränken darf
- Folha berichtet, Mitarbeiter von Meta hätten eingeräumt, Lulas Instagram-Konten eingeschränkt zu haben
- Lulas Wahlkampfteam wendet sich mit seiner Beschwerde an den UN-Sonderberichterstatter
- Stichwahl um das Präsidentenamt zwischen Lula und Flávio Bolsonaro
Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt. Lula tritt gegen Flávio Bolsonaro an, den Sohn des verurteilten früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. EL PAÍS berichtet unter Berufung auf Umfragen von einem technischen Gleichstand, bei dem Bolsonaro knapp vorn liegt. Bei den Eingaben des Wahlkampfteams handelt es sich um Vorwürfe, die Meta zurückweist.