Insolvenzgeld bewilligt

Die Bundesagentur für Arbeit hat am Dienstag, 13. Oktober 2026 entschieden, dass die Beschäftigten der Warenhauskette Galeria Insolvenzgeld erhalten. Die Kette hatte am 2. Oktober beim Amtsgericht Düsseldorf wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet – ihre vierte Anmeldung innerhalb von sechs Jahren. Das Gericht ordnete das vorläufige Verfahren an, und die 83 Filialen bleiben vorerst geöffnet. Die Behörde erklärte:

Nach intensiver Prüfung des komplexen Sachverhalts besteht nach der geltenden Rechtslage grundsätzlich ein Anspruch auf Insolvenzgeld.

— Bundesagentur für Arbeit

Das Insolvenzgeld wird erst ausgezahlt, wenn das förmliche Verfahren eröffnet wird, was in der Regel etwa drei Monate dauert. Bis dahin finanziert eine Bank die Zahlungen vor, damit die Löhne pünktlich auf den Konten der Beschäftigten eingehen. Die Behörde hatte die Entscheidung tagelang abgewogen und mehrfach Unterlagen beim Verwalter angefordert, wie aus dpa-Informationen hervorgeht, die der Bayerische Rundfunk zitiert.

Meilensteine der Galeria-Insolvenz im Jahr 2026
  1. Liquiditätsengpass lässt die Junigehälter kurzzeitig unsicher werden, bevor ein Kredit von Gordon Brothers über 140 Millionen Euro greift
  2. Galeria meldet beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz an
  3. Die Bundesagentur für Arbeit bewilligt Insolvenzgeld
  4. Ende des Zeitraums, in dem Lieferanten im Rahmen der Gordon-Brothers-Regelung aus laufenden Verkäufen bezahlt werden

Beschäftigte und Lohnsumme

Die Angaben der Medien unterscheiden sich. Der Bayerische Rundfunk berichtet, das Insolvenzgeld werde an 9.650 von insgesamt 11.250 Beschäftigten ausgezahlt, weil ein separates Insolvenzverfahren einen Teil der Belegschaft erfasst, darunter die Gastronomie- und Food-Sparten. Andere Medien nennen eine Belegschaft von etwa 12.000. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi arbeiten rund 150 Beschäftigte in der Filiale Wiesbaden. Die gesamten Monatslöhne für alle 11.250 Beschäftigten liegen demnach bei knapp 25 Millionen Euro. Die Beschäftigten erhielten ihr Septembergehalt zuletzt Ende des Monats, sodass die nächsten Zahlungen vom Insolvenzgeld abhängen.

Galeria-Beschäftigte und Abdeckung durch das Insolvenzgeld (Oktober 2026) (Beschäftigte)
Beschäftigte insgesamt11.250Vom Insolvenzgeld erfasst9.650

Gordon Brothers und die Kreditlinie

Das Handelsblatt berichtet, dass Gordon Brothers, ein in Boston gegründetes Unternehmen, das sich auf Unternehmensfinanzierungen in Sondersituationen spezialisiert hat, zum wichtigsten Gläubiger von Galeria geworden ist. Seine Kreditvergabe läuft weitgehend von London aus und ist durch die Warenbestände der Kette besichert, sodass sich die Kreditlinie mit dem Wert des Lagerbestands bewegt. Die WirtschaftsWoche berichtet, dass ein Kredit des Unternehmens über 140 Millionen Euro im Juni eine neue Insolvenz verhindert habe, doch ein Großteil davon habe unmittelbar ein Darlehen von Bain Capital zurückgezahlt und Schulden bei Vermietern beglichen. Das Handelsblatt berichtet zudem, Gordon Brothers habe zugestimmt, dass Lieferanten und Dienstleister bis Mitte Oktober aus laufenden Verkäufen bezahlt werden. Wie viel Geld zwischen den beiden Unternehmen geflossen ist, ist nicht bekannt.

Lieferanten fordern Ware zurück

Einige Lieferanten machen Eigentum an Waren geltend, für die sie nicht bezahlt wurden. Beim Eigentumsvorbehalt bleiben gelieferte Waren bis zur Bezahlung Eigentum des Lieferanten, sodass Hersteller sie vom Verwalter zurückverlangen können. In einer Berliner Filiale sind Regale mit Playmobil-Spielzeug, Geox-Schuhen, Schreibwaren und Hundespielzeug mit Schildern abgesperrt, die besagen, dass die Waren vorübergehend vom Verkauf ausgenommen sind. Die Bild berichtet, Lieferanten wollten die Erlöse aus diesen Waren aus der allgemeinen Insolvenzmasse heraushalten. Personen aus dem Umfeld des vorläufigen Insolvenzverwalters Frank Kebekus sagten, einige Hersteller hätten Eigentum geltend gemacht und den Verkauf untersagt, und eine vertragliche Regelung könne die Erlöse bestimmter Marken aus der Masse heraushalten. Playmobil wollte sich zu operativen Details nicht äußern.

Wiesbaden und die weitere Zukunft

In Wiesbaden bleiben rund 150 Beschäftigte im letzten Warenhaus der Landeshauptstadt am Mauritiusplatz. Joachim Will, Analyst für Einzelhandelsstandorte bei der Ecostra GmbH, hält das Warenhauskonzept nicht mehr für tragfähig und nennt eine weitere Leerstand "ein schwerer Schlag für Wiesbaden". Das frühere Galeria-Gebäude in der Kirchgasse steht seit 2023 leer, ohne neuen Investor. Will argumentiert, dass dort eine sinnvolle Nutzung mit Besucherfrequenz weiterhin möglich bleibe. Verwalter Kebekus hat drei Monate Zeit, über die Zukunft der Kette zu entscheiden, und welche der 83 Filialen schließen wird, ist noch offen. Ein Handelsblatt-Kommentar argumentiert, die Bewilligung gewinne nur Zeit und ändere nichts an den schlechten Aussichten der Kette.