Cluster nach monatelangem Stillstand eröffnet

Die Europäische Union hat am Dienstag, dem 13. Oktober, zwei neue Verhandlungscluster mit der Ukraine und Moldau eröffnet, einen Tag nachdem alle 27 Mitgliedstaaten den Schritt am Montag, dem 12. Oktober, gebilligt hatten. Die neuen Cluster betreffen den Binnenmarkt (Cluster 2) sowie Wettbewerbsfähigkeit und inklusives Wachstum (Cluster 3). Die Beitrittsverhandlungen sind in 35 Kapitel gegliedert, die in sechs Clustern zusammengefasst sind; Ungarn hatte die beiden neuen Cluster monatelang blockiert und sich viermal dagegen ausgesprochen, zuletzt am 8. September. Moldaus Verhandlungen sind an die der Ukraine gekoppelt, sodass der Stillstand bei Kyjiws Gesprächen auch Chisinau aufhielt, das am 3. März 2022 einen EU-Beitritt beantragt hatte. Die Blockade fiel in die Regierungszeit von Viktor Orbán.

Schritte zur Eröffnung der Cluster 2 und 3
  1. Ungarns letzte Weigerung, die Cluster 2 und 3 zu eröffnen
  2. Alle 27 Mitgliedstaaten billigen die Eröffnung der beiden Cluster
  3. Die EU eröffnet die beiden Cluster mit der Ukraine und Moldau offiziell

Was die neuen Cluster umfassen

Cluster 2 umfasst den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Arbeitnehmern und Kapital sowie EU-Vorschriften zu Wettbewerb, Finanzdienstleistungen, Gesellschaftsrecht und Verbraucherschutz. Cluster 3 beinhaltet Steuern, Wirtschafts- und Währungspolitik, Industrie, digitale Transformation, Beschäftigung, Bildung, Forschung und Zoll. Ein Bericht zählt neun Kapitel im Binnenmarkt-Cluster und acht im Wettbewerbsfähigkeits-Cluster. Moldaus stellvertretende Ministerpräsidentin Cristina Gherasimov sagte auf einer Pressekonferenz, die Kapitel befassten sich mit Produktsicherheit, Arbeitnehmerrechten, Bildungsqualität und der Sicherheit digitaler Dienste, die Bürger nutzen. Für Unternehmen brächten die Reformen einfachere Verfahren und Zugang zu einem größeren Kundenkreis.

Kapitel in den beiden neu eröffneten Clustern (Kapitel)
Cluster 2, Binnenmarkt9Cluster 3, Wettbewerbsfähigkeit und inklusives Wachstum8

Minderheitengesetz ebnet den Weg

Wenige Stunden, nachdem die Ukraine ein Gesetz zur Bildung von Minderheiten verabschiedet hatte, das Ungarn im Gegenzug für die Aufhebung seines Vetos gefordert hatte, folgte die Einigung der EU. Das ukrainische Parlament hatte zudem ein Gesetz zum Schutz der Rechte nationaler Minderheiten verabschiedet und damit ein wichtiges Hindernis für eine Mitgliedschaft beseitigt. Der Status der ungarischen Minderheit in der Westukraine hatte Spannungen mit Budapest ausgelöst, das Kyjiws Antrag blockierte, der wenige Tage nach dem groß angelegten russischen Einmarsch im Februar 2022 gestellt worden war. Irlands Staatsminister für europäische Angelegenheiten und Verteidigung, Thomas Byrne, sagte, einige Mitgliedstaaten brächten weiterhin Fragen vor, die geklärt werden müssten, und sein Team arbeite mit der Ukraine und der Kommission zusammen, um jede einzelne zu beantworten. Der stellvertretende ukrainische Ministerpräsident Vsevolod Chențov sagte, Kyjiw sei den für einen Beitritt nötigen Reformen voll verpflichtet und wolle sie so schnell wie möglich umsetzen.

Verbleibende Cluster und Zeitplan

Zwei Cluster sind noch nicht eröffnet, die PAP als Klima und Landwirtschaft auflistet. Byrne sagte, die irische Ratspräsidentschaft wolle alle verbleibenden Gruppen vor Ende ihrer Amtszeit eröffnen. Kommissarin Marta Kos sagte, sie erwarte, dass beide Länder die verbleibenden zwei Cluster noch vor Jahresende eröffnen, und merkte an, dass die Aussichten zu Jahresbeginn anders gewesen seien. Das Handelsblatt berichtet, dass ein Abschluss der Gespräche mit der Ukraine nicht vor dem nächsten Jahrzehnt zu erwarten sei und dass Experten das Land bei der Korruptionsbekämpfung weit von EU-Standards entfernt sehen. Montenegro mit rund 620.000 Einwohnern ist unter den Kandidaten am weitesten fortgeschritten und könnte seine Gespräche bis Ende 2026 abschließen, wenn es sein Reformtempo hält.

Wie es weitergeht

Jeder Schritt erfordert Einstimmigkeit unter den 27 Mitgliedstaaten, und auch die endgültige Entscheidung über eine Mitgliedschaft braucht diese. Am Abend des Donnerstag, 15. Oktober, treffen sich die EU-Staats- und Regierungschefs zu ihrem Herbstgipfel, bei dem die Erweiterung auf der Tagesordnung steht. Beiden Ländern fehlen noch zwei ihrer sechs Cluster, und die Kommission hat sich für sie ein Ziel bis Jahresende gesetzt.