Der Diebstahl in Issoire

In der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober 2026 entfernten Diebe den Bronzeeinband des Buches L'Apocalypse aus einem privaten Zentrum für zeitgenössische Kunst in Issoire im Département Puy-de-Dôme in Zentralfrankreich. Die gestohlene Skulptur von Salvador Dalí wiegt 150 Kilogramm und ist mit Edelsteinen, Muscheln und einer zentralen Christusfigur mit goldenen Gabeln verziert. Christian Karoutzos, Restaurator und Besitzer der Galerie, entdeckte den Diebstahl am Montagmorgen, als er ein aufgebrochenes Eingangstor vorfand. Das Innere des Buches mit seinen 150 illustrierten Pergamentseiten blieb unversehrt, weil die ungebundenen Blätter separat aufbewahrt und ausgestellt wurden. Karoutzos berichtete, die Buchstruktur sei bei dem Einbruch beschädigt worden, und bezeichnete den Verlust als Schlag gegen das nationale Erbe.

Sie haben in der vergangenen Nacht Frankreich ermordet, sie haben das französische Kulturerbe ermordet.

— Christian Karoutzos

Konzeption und künstlerischer Maßstab

Der 210 Kilogramm schwere Band wurde zwischen 1958 und 1961 von dem auvergnatischen Kunstverleger Joseph Forêt konzipiert und als Gesamtwerk auf Grundlage der biblischen Offenbarung des Johannes angelegt. Das Projekt vereinte 14 bedeutende Künstler des 20. Jahrhunderts; sieben Maler schufen je drei Originalwerke, darunter Salvador Dalí, Bernard Buffet, Georges Mathieu, Leonor Fini, Léonard Foujita, Pierre-Yves Trémois und Ossip Zadkine. Sieben Autoren steuerten Kommentare und Essays bei, darunter Jean Cocteau, Jean Giono, Emil Cioran, Jean Rostand, Daniel-Rops, Jean Guitton und Ernst Jünger. Die Herstellung des Monumentalwerks erforderte die Zusammenarbeit von 25 Handwerkswerkstätten, 2.000 Stunden Kalligrafie für 95.000 handgeschriebene Zeichen und 550 mit Blattgold illuminierte Buchstaben. Die 150 Pergamentblätter wurden aus 300.000 Schaffellen ausgewählt und erstrecken sich vollständig ausgelegt über 150 Meter.

Gewichtsverteilung von L'Apocalypse (kg)
Bronzeeinband150Gesamtband210

Provenienz und Rettung

Zwischen 1961 und 1972 reiste L'Apocalypse für fast 150 öffentliche Ausstellungen um die Welt, bevor sie in der Schweiz in einem privaten Depot eingelagert wurde. Später erwarben japanische Käufer den Band, die das Werk zerlegen und einzelne Bestandteile bei einer Auktion veräußern wollten. Karoutzos kaufte das gesamte Werk 2003, um seine Zersplitterung zu verhindern, und brauchte zehn Jahre, um den Kauf abzubezahlen. Zum Zeitpunkt seiner Entstehung wurde das Buch auf zwei Millionen Francs (304.898 Euro) beziehungsweise 100 Millionen alte Francs geschätzt und galt damit als das teuerste Buch der Welt. Karoutzos hatte in seinem Zentrum in Issoire bis zum Herbst 2026 eine Ausstellung des Einbands und ausgewählter Pergamentblätter geplant.

Wichtige Meilensteine von L'Apocalypse
  1. Verleger Joseph Forêt schafft den Band mit 14 Künstlern und Autoren
  2. Das Buch reist zu fast 150 Ausstellungen weltweit, bevor es in ein Schweizer Depot kommt
  3. Der Restaurator Christian Karoutzos kauft das Werk, um eine stückweise Versteigerung in Japan zu verhindern
  4. Diebe stehlen den 150 Kilogramm schweren Bronzeeinband aus dem Kunstzentrum in Issoire

Ermittlungen und Museumssicherheit

Die Staatsanwaltschaft in Clermont-Ferrand eröffnete ein Ermittlungsverfahren und stufte das Stück als einzigartiges Werk von außergewöhnlichem Wert ein. Die Ermittlungsabteilung der Gendarmerie in Clermont-Ferrand übernahm die Untersuchung, um zu klären, wie die Diebe das schwere Objekt aus der Galerie am Rand von Issoire entfernen konnten. Bertrand Barraud, Bürgermeister von Issoire, nannte den Verlust unschätzbar und bestätigte, dass weitere Kunstwerke von geringerem Wert in dem privaten Museum verblieben sind. Der Einbruch reiht sich in frühere Sicherheitsvorfälle an französischen Kulturstätten ein, darunter der Diebstahl des Torques von Vix Ende Juli und frühere Verluste im Jacques-Chirac-Museum – und das trotz 33 vom Staat angekündigter Sicherheitsmaßnahmen für Museen.