Bundestag beschließt das Modell

Der Bundestag hat am Freitag, dem 16. Oktober, die Frühstartrente mit den Stimmen der Koalition aus CDU/CSU und SPD verabschiedet. Nach dem Modell zahlt der Staat monatlich 10 Euro auf ein individuelles Sparkonto für jedes Kind im Alter von 6 bis 18 Jahren ein. Eltern oder Großeltern können freiwillig bis zu 6.840 Euro pro Kalenderjahr hinzufügen. Der Gesetzentwurf bedarf noch der Zustimmung des Bundesrates, der Länderkammer, die die 16 Bundesländer vertritt. Zum Startdatum gibt es unterschiedliche Angaben: Eine Version besagt, dass der Anspruch für ab 2020 geborene Kinder mit Rückwirkung zum 1. Januar 2026 gilt, eine andere, dass die Zahlungen 2027 für den Geburtsjahrgang 2020 beginnen.

Wohin das Geld fließt

Kinder sind anspruchsberechtigt, wenn sie eine deutsche Steueridentifikationsnummer besitzen und in Deutschland geboren oder dort rechtmäßig gemeldet sind. Eltern, die kein privates Konto eröffnen, überweisen das Staatsgeld an einen Fonds der Bundesbank, der an den Finanzmärkten investiert wird. Begünstigte können ihre Ersparnisse später in eine private Altersvorsorge übertragen. Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW sagte, das Modell sei für die spätere Altersvorsorge des heutigen Kindes gedacht.

Die Frühstartrente ist für die spätere Altersvorsorge des heutigen Kindes gedacht.

— Ralf Scherfling

Scherfling fügte hinzu, dass ein Kind im Alter zwischen 18 und 35 Jahren einen Vertrag abschließen kann, um das Geld abzurufen. Die Rentenzahlungen beginnen zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr, und die staatlichen Beiträge können nicht früher entnommen werden.

Prognosen und Kosten für den Staat

Finanzminister Lars Klingbeil erklärte in einer Stellungnahme, dass allein die staatlichen Zahlungen bis zum Alter von 65 Jahren auf etwa 53.000 Euro anwachsen könnten, und auf bis zu 160.000 Euro, wenn Eltern oder Großeltern monatlich 20 Euro hinzufügen. Der Staat zahlt nominal 1.440 Euro pro Kind über zwölf Jahre. Die Prognose von 53.000 Euro geht von einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 7% mit Zinseszins aus, und das Ergebnis hängt von der Marktentwicklung über mehrere Jahrzehnte ab. Bereinigt um eine durchschnittliche Inflation von 2% wären die 53.000 Euro in heutiger Kaufkraft etwa 20.000 Euro wert. Die Kosten für den Staat werden für 2027 auf 198 Millionen Euro geschätzt und steigen bis 2030 auf 411 Millionen Euro.

Geschätzte Kosten der Frühstartrente für den Staat (Millionen Euro)
20271982030411

Gebühren und das Argument für kostengünstige Depots

Berechnungen der Verbraucherzentrale NRW zeigen, dass die laufenden Kosten über ein Leben hinweg eine große Rolle spielen. Würde man die staatlichen 1.440 Euro bis zur Rente in einem Standarddepot belassen, könnten sich bei Kosten von etwa 0,2% pro Jahr bis zum Alter von 68 Jahren rund 76.400 Euro ergeben. Bei der maximal zulässigen Höhe von 1% ergibt dieselbe Prognose 48.600 Euro, eine Differenz von rund 27.800 Euro. Diese Prognose geht von einer jährlichen Rendite von 7,5% aus. Standarddepots dürfen vor dem 18. Lebensjahr des Kindes keine Erwerbs- oder Verkaufskosten berechnen, und die laufenden Kosten sind auf 1% pro Jahr begrenzt.

Prognose der Verbraucherzentrale NRW im Alter von 68 Jahren nach laufenden Kosten (Euro)
Etwa 0,2% jährliche Kosten76.4001% jährliche Kosten (Maximum)48.600

Reaktionen aus Politik und Branche

Die Grünen und Die Linke argumentieren, die Maßnahme könnte die soziale Ungleichheit vergrößern. Die Opposition sagt, Kinder aus wohlhabenderen Familien würden weit mehr Kapital anhäufen als jene, die nur den staatlichen Beitrag erhalten. Die Regierung hält dagegen, dass das Modell eine anfängliche Altersvorsorge-Kapitalbasis schafft und die Finanzbildung junger Menschen verbessert. Die Versicherungswirtschaft begrüßte das Gesetz, und Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, sah darin einen Weg, Spar- und Aktienkultur aufzubauen. Verbraucherschützer warnen, dass Kinder ohne eigenes Konto jahrelang von den Leistungen ausgeschlossen bleiben. Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb auf X, Kinder erhielten ab dem 1. Januar Startkapital für ihre Altersvorsorge.