Gehaltsstopp bis 2030 geplant

Volkswagen will die Bezüge vieler seiner rund 600.000 Beschäftigten weltweit bis 2030 einfrieren, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf interne Dokumente, die für das globale Topmanagement des Konzerns vorbereitet wurden. Die Zeitung erklärte, sie habe Einsicht in die Unterlagen gehabt, die unter Verhandlungsleitlinien, die ab dem vierten Quartal gelten sollen, einen „Gehaltsstopp bis 2030“ beschreiben. Volkswagen teilte der Zeitung mit, man äußere sich nicht zu „solchen Spekulationen“, und die anstehende Verhandlungsrunde sei der Ort, um interne Regelungen jeder Art zu besprechen. Wirtschaftsforscher erwarten in diesem und im kommenden Jahr Preissteigerungen von rund 3 Prozent, ein mehrjähriger Stopp könnte für die betroffenen Beschäftigten daher einen realen Einkommensverlust von bis zu 10 Prozent bedeuten.

Einschnitte über die Löhne hinaus

Laut der Zeitung ist der Lohnstopp Teil des Umbaus „Group Target Picture“ unter Vorstandschef Oliver Blume. Die Dokumente verlangen zudem eine niedrigere variable Vergütung, höhere Produktivität, mehr Zeitflexibilität und weiteren Stellenabbau und begründen die Maßnahmen mit der „kritischen Lage des VW-Konzerns“. Vier Werke werden als am Abgrund stehend beschrieben: Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm. Tagesspiegel und Rzeczpospolita nennen mögliche Schließungen zwischen 2031 und 2034. Der Aufsichtsrat beschloss Anfang September, weltweit in den kommenden Jahren weitere 50.000 Stellen zu streichen, zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000; Berichte nennen insgesamt bis zu 100.000 wegfallende Stellen.

Meilensteine beim VW-Sparkurs
  1. Der Aufsichtsrat beschließt, weltweit weitere 50.000 Stellen zu streichen
  2. Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge
  3. Neue Verhandlungsleitlinien mit einem Gehaltsstopp bis 2030 sollen gelten
  4. Streiks in der Metallindustrie werden möglich
  5. Streiks bei Volkswagen werden möglich

Belegschaft und das Sparpaket von 2024

Berichte beziffern die Belegschaft von Volkswagen auf rund 600.000 weltweit und 275.000 in Deutschland. Von den deutschen Beschäftigten hätten 130.000 Tarifbeschäftigte bereits auf eine im Sparpaket 2024 vereinbarte Lohnerhöhung von 5,5 Prozent verzichtet, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Ende September habe das Unternehmen zudem fast alle Tarifverträge gekündigt, so die Berliner Zeitung. Volkswagen stehe unter Druck durch US-Zölle, Schwächen bei Audi und Porsche sowie Probleme im China-Geschäft, schreibt die Zeitung.

Volkswagen-Belegschaft nach Geltungsbereich (Beschäftigte)
Weltweit600.000Deutschland, gesamt275.000Deutschland, Haustarif130.000

Reaktion der Gewerkschaft

Die IG Metall fordert in der jetzt beginnenden Tarifrunde bei Volkswagen 5 Prozent mehr Geld. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sagte der Süddeutschen Zeitung, der Vorstand müsse seine Hausaufgaben machen.

Wenn der unfaire Wettbewerb aus China und den USA nicht gestoppt wird und der Vorstand seine Hausaufgaben nicht macht, helfen alle Personaleinsparungen nichts.

— Daniela Cavallo

Laut dem Bericht sind Streiks in der Metallindustrie ab November und bei Volkswagen ab Januar möglich. Niedersachsens Verhandlungsführer Thorsten Gröger hat solche Aktionen bereits angekündigt. Volkswagen hat den Plan nicht bestätigt; die Zahlen stammen aus internen Papieren, die der Zeitung vorliegen, nicht aus einem veröffentlichten Unternehmensdokument.