Konzernchef scheidet mit sofortiger Wirkung aus
Lindt & Sprüngli hat am Montag, 19. Oktober 2026, mitgeteilt, dass Konzernchef Adalbert Lechner den Schweizer Schokoladenhersteller mit sofortiger Wirkung verlässt. Gründe für den Abgang nannte das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht. Lechner, 65, war 33 Jahre für den Konzern tätig und stand ihm seit 2022 vor – eine Zeit, in der Lindt mit schwacher Nachfrage zu kämpfen hatte. Der Abgang erfolgte weniger als einen Monat, nachdem das Unternehmen seine Prognose zum zweiten Mal in diesem Jahr gesenkt hatte.
Übergangsführung und Nachfolge
Dieter Weisskopf, 71, übernimmt mit sofortiger Wirkung interimistisch die operative Führung. Er leitete den Konzern von 2016 bis 2022, war zuvor Finanzchef und sitzt derzeit als Vizepräsident im Verwaltungsrat. Ein dauerhafter Nachfolger soll spätestens im zweiten Quartal 2027 benannt werden. Der Verwaltungsrat erklärte, das Unternehmen brauche eine neue operative Führung, um zu einem stetigen, starken Wachstum zurückzukehren und seine Marktchancen weltweit besser zu nutzen.
Es braucht eine neue operative Führung, um zu einem stetigen, starken Wachstum zurückzukehren und die Marktchancen weltweit zu nutzen.
Höhere Preise, schwächere Mengen
Die Absatzprobleme rühren von kräftigen Preiserhöhungen her, die der Hersteller wegen höherer Kakaokosten eingeführt hatte. Die Preise stiegen im ersten Halbjahr 2026 um durchschnittlich 11,8 Prozent, während die verkauften Mengen deutlich zurückgingen. Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich reagierten empfindlicher auf die Aufschläge als vom Unternehmen erwartet. Im Sommer begann Lindt, einige Produkte wieder zu niedrigeren Preisen anzubieten, und setzt stärker auf kleinere Packungen. Zudem machte das Unternehmen die Hitze in Europa während des Sommers für das schwache Geschäft verantwortlich.
Prognosesenkung und Aktienkurs
Ende September senkte Lindt seine Umsatzprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr. Nun erwartet das Unternehmen für 2026 ein organisches Wachstum von 0 bis 2 Prozent. Zu welchem ursprünglichen Ziel die Senkung erfolgte, wird unterschiedlich berichtet: Das Handelsblatt nennt 6 bis 8 Prozent, Le Temps und 20 Minuten nennen 4 bis 6 Prozent. Der Aktienkurs fiel nach der Senkung deutlich. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 25 Prozent ihres Werts verloren und liegt fast 40 Prozent unter ihrem Höchststand vom vergangenen Sommer.
- Zweite Senkung der Umsatzprognose in diesem Jahr, auf 0 bis 2 Prozent organisches Wachstum
- Abgang von Lechner bekannt gegeben, Dieter Weisskopf übernimmt interimistisch
- Ali Kulein übernimmt die Deutschland-Führung, Fabian Reinhardt übernimmt Österreich
- Zieltermin für die Benennung eines dauerhaften Konzernchefs
Ausblick und personelle Veränderungen in den Regionen
Weisskopf will sich zunächst auf das Europageschäft konzentrieren, die Investitionen in die Marken erhöhen und die Rentabilität verbessern. Das Geschäft in Nordamerika und Asien läuft spürbar besser. Auch in Deutschland gibt es einen Führungswechsel: Der Deutschland-Chef Michal Spiller verlässt das Unternehmen nach 23 Jahren. Ali Kulein, derzeit Österreich-Chef, folgt ihm am 26. Oktober nach, und Fabian Reinhardt, derzeit Leiter des weltweiten Vertriebs, soll im selben Zug die Österreich-Position übernehmen. Die Suche nach einem dauerhaften Konzernchef hat bereits begonnen.