Eine inszenierte Erklärung in Fuenlabrada

Pedro Sánchez richtete am Samstag, 17. Oktober, bei einer PSOE-Veranstaltung in Fuenlabrada eine öffentliche Liebeserklärung an seine Frau Begoña Gómez. Gómez saß in der ersten Reihe, und La Razón beschreibt eine Inszenierung aus Eröffnungsvideo, roten T-Shirts, Wahlkampfslogans, choreografiertem Tanz und wiederholten stehenden Ovationen, bei der rund 3.000 Anwesende im Gleichklang applaudierten. Die Sitzung des Bundesvorstands selbst dauerte etwa eine Stunde, und die anschließende Kundgebung geriet nach derselben Darstellung noch theatralischer. Sánchez, der zuvor einstimmig zum PSOE-Kandidaten gekürt worden war, nutzte die Veranstaltung, um den Wahlkampf für die Wahl am 29N zu eröffnen.

Was Sánchez sagte

Sánchez sagte dem Publikum, seine Gegner hätten versucht, die Partei mit allen Mitteln zu zerschlagen, und das Gegenteil erreicht. Den Richter Peinado nannte er bei dieser Bemerkung nicht, und er sagte seinen Anhängern, die Partei sei stärker denn je.

Sie haben versucht, uns mit allen Mitteln zu zerschlagen, und genau das Gegenteil erreicht. Heute sind wir geeinter und stärker denn je.

— Pedro Sánchez

Die Rede endete mit den Worten „te quiero“, gerichtet an Gómez, die in der ersten Reihe saß.

Kommentatoren uneins über die Inszenierung

Die Kommentare in der spanischen Presse werten den Moment überwiegend als inszeniert. Ein Meinungsbeitrag von El Confidencial zitiert eine Kolumne von Juan Diego Madueño in El Mundo, die warnte, öffentliche Zuneigung könne am Ende für sieben Stimmen verkauft werden – eine Anspielung auf die Zahlen der Wahl vom 23. Juli 2023. Eine weitere Kolumne in El Mundo beschreibt Gómez als bedrängt und von Richter Peinado untersucht und schreibt, Sánchez konstruiere eine Romanze. Die Kolumnisten von ABC urteilen schärfer: Juan Manuel de Prada argumentiert, die moderne Demokratie sei zu einer Bühne für billige Emotionen geworden, und Jesús García Calero nennt den Kuss vorsätzliches politisches Theater. Die Kolumne von La Razón bezeichnet die Veranstaltung als Remake von „French Kiss“ und listet Punkte auf, die die Inszenierung ihrer Darstellung nach nicht löst – darunter der Rücktritt von Montse Mínguez wegen eines Skandals um die Firma ihres Partners, die Schikanen gegen Richter Biedma und die Verfahren um Ábalos und Cerdán. Eine Kolumne von eldiario.es erwartet, dass die Erklärung die Stammwähler der Partei erfreuen wird, insbesondere die über 60-Jährigen.

Das Underdog-Argument

Der Politikwissenschaftler Manu Mostaza bewertete den Moment bei LaSexta als positiv für den PSOE-Wahlkampf.

Das ist gut gemacht. Sánchez wirkt wie ein sehr kalter Mensch, und das vermenschlicht die Figur.

— Manu Mostaza

Er warnte jedoch, die Taktik könne einen schwachen, sentimentalen Anführer zeigen, der um Sympathie bittet – ein Underdog-Effekt. LaSexta berichtet, die PP habe mit Memes reagiert, darunter Bilder von Sánchez, der Ábalos küsst, sowie von ihm und seiner Frau hinter Gittern.

Was offenbleibt

Der Wahlkampf für die Wahl am 29N begann mit dieser Veranstaltung, und die Kolumnen sind sich uneins, ob die emotionale Rahmung bis zum Wahltag tragen wird. Die frühere Ministerin María Jesús Montero, wie ABC sie nennt, fungierte laut La Razón als Moderatorin der Veranstaltung. Die von den Kommentatoren aufgeführten ungelösten Fälle bleiben von der Inszenierung getrennt, und die Artikel nennen kein Ergebnis für sie.