Die Abstimmung am Montag

Die Einwohnerinnen und Einwohner Albertas stimmen am Montag, 19. Oktober, in einem unverbindlichen Referendum darüber ab, ob die westliche Provinz Teil Kanadas bleiben oder das rechtliche Verfahren für ein künftiges verbindliches Referendum über die Abspaltung einleiten soll. Angestoßen wurde die Abstimmung von Premierministerin Danielle Smith, nachdem ein Gericht ein geplantes Bürgerreferendum aus verfassungsrechtlichen Gründen gestoppt hatte, wie N-tv berichtet. Smith hatte die Frage im Mai angekündigt und erklärt, es sei Zeit für eine Abstimmung, um die Wünsche der Menschen in Alberta zu erfahren. Auf dem Stimmzettel stehen zudem neun weitere unverbindliche Fragen zu Themen wie Einwanderung, Zugang zu Provinzleistungen einschließlich Bildung, Sozialhilfe und Gesundheitsversorgung sowie Anforderungen an die Wähleridentifikation.

Weg zur Abstimmung über Albertas Abspaltungsreferendum
  1. Premierministerin Danielle Smith kündigt die unverbindliche Abstimmung an
  2. Stay Free Alberta unter der Führung von Mitch Sylvestre sammelt mehr als 300.000 Unterschriften für ein separatistisches Referendum
  3. Die Einwohner Albertas stimmen darüber ab, in Kanada zu bleiben oder das rechtliche Verfahren für ein verbindliches Referendum einzuleiten

Was ein Ja bedeuten würde

Eine Stimme für die zweite Option würde Alberta nicht zu einem unabhängigen Staat machen. Sie würde den rechtlichen Weg zu einem späteren verbindlichen Referendum eröffnen, und jede Provinz, die einen Austritt versuchen wollte, müsste zunächst mit der Bundesregierung in Ottawa, mit anderen Provinzen und mit den in und um Alberta lebenden Indigenen Völkern verhandeln. Einige separatistische Organisatoren haben diesen Unterschied genutzt, um Menschen zur Teilnahme an dem Referendum zu bewegen, auch wenn sie keine Unabhängigkeit wollen. Jared Wesley, Politikwissenschaftler an der University of Alberta, sagte, strategisch denkende Separatisten hätten diese Mehrdeutigkeit genutzt, um Ottawa die Botschaft zu senden, dass die Menschen in Alberta gehört werden müssten. Gegenüber Al Jazeera sagte er, diese Botschaft könne bei manchen Wählern ankommen.

Umfragen und die separatistische Bewegung

Die Umfragen nennen unterschiedliche Zahlen. SAPO zitiert Erhebungen, denen zufolge etwa 70 % der Einwohner in Kanada bleiben wollen, 20 % die Unabhängigkeit befürworten und 10 % unentschieden sind. El Mundo zitiert eine Umfrage, in der etwa 70 % keinen Austritt wünschen und 25 % die Unabhängigkeit befürworten würden. Al Jazeera berichtet, vier von fünf Menschen in der Provinz wollten, dass Alberta Teil Kanadas bleibt. Cory Morgan, Gründer der Interessengruppe Pathway to Independence, setzt sich seit mehr als 25 Jahren für die Unabhängigkeit Albertas ein und erklärte, er werde das Ergebnis der Abstimmung akzeptieren.

Ich würde den Willen der Wähler respektieren. Wenn sie entschieden haben, dass es noch nicht an der Zeit ist, diesen Weg zu gehen, dann ist das eben so.

— Cory Morgan

Morgan fügte hinzu, er werde unabhängig vom Ergebnis weiter für sein Anliegen eintreten. Anfang dieses Jahres sammelte die von Mitch Sylvestre geführte Bewegung Stay Free Alberta mehr als 300.000 Unterschriften für ein separatistisches Referendum, und laut SAPO war Smith von einer kleinen Gruppe von Separatisten unter Druck gesetzt worden, eine solche Abstimmung anzusetzen.

Reaktionen in Ottawa und Washington

Premierminister Mark Carney rief die Unterstützer der kanadischen Einheit zur Teilnahme an der Abstimmung auf und schrieb auf X, das Ergebnis betreffe die Zukunft des Landes. Die Welt berichtet, Smith, Carney und beide großen politischen Parteien des Landes hätten sich wiederholt gegen eine Abspaltung ausgesprochen. Derselbe Bericht nennt Unterstützung für die Unabhängigkeitsbewegung aus der Regierung des US-Präsidenten Donald Trump. SAPO gibt die Bevölkerung Albertas mit etwa vier Millionen an, während N-tv und Die Welt sie mit etwa fünf Millionen beziffern.

Wie es weitergeht

Die BBC erwartet einen Sieg der Befürworter des Verbleibs. Die Ergebnisse werden zeigen, ob eine Mehrheit für den Verbleib in Kanada stimmt oder den rechtlichen Weg zu einem verbindlichen Referendum eröffnen will. Selbst eine Mehrheit für die zweite Option würde nicht sofort einen unabhängigen Staat schaffen, da das Verfahren eine künftige verbindliche Abstimmung und Verhandlungen mit Ottawa erfordern würde.