Die Abstimmung am Sonntag

Die serbischen Wählerinnen und Wähler gehen am Sonntag, 25. Oktober, an die Urnen, um die 250 Abgeordneten eines neuen Parlaments zu bestimmen. Die Wahllokale öffnen um 07:00 Uhr und schließen um 20:00 Uhr Ortszeit; SKAI beziffert die Zahl der zur Wahl aufgerufenen Bürgerinnen und Bürger auf 6,45 Millionen. Die Wahl wurde vorgezogen – statt 2027 –, nachdem Aleksandar Vucic am 27. September als Präsident zurückgetreten war, um den Wahlkampf für das Amt des Ministerpräsidenten zu führen. Griechische und italienische Medien beschreiben die Abstimmung als informelles Referendum über seine Herrschaft, die die Artikel je nach Quelle mit zwölf bis 14 Jahren angeben. Vucic führt die Liste Serbien Vereint an, die um die Serbische Fortschrittspartei (SNS) und mehrere kleinere Parteien herum aufgebaut ist.

Schlüsseldaten der Studentenproteste und der Wahl in Serbien
  1. Vordach am Bahnhof von Novi Sad stürzt ein, 16 Menschen sterben
  2. Aleksandar Vucic tritt als Präsident zurück, um den Wahlkampf für das Amt des Ministerpräsidenten zu führen
  3. Die Wahllokale öffnen zur Parlamentswahl
  4. Die Wahllokale schließen

Vom eingestürzten Vordach zur Kandidatenliste

Die Bewegung entstand, nachdem am 1. November 2024 ein Vordach am sanierten Bahnhof von Novi Sad einstürzte und 16 Menschen tötete. Die Protestierenden machten der Regierung Druck, nachdem die offiziellen Ermittlungen nur schleppend vorankamen, und aus den Mahnwachen wurden Märsche gegen Korruption und mangelnde Transparenz. Verkehrsminister Goran Vesic trat zuerst zurück, und der folgende Druck führte laut La Razon zum Rücktritt von Ministerpräsident Milos Vucevic. Die Studentenliste wird von Ilija Srdanovic angeführt, einem Kardiologen und Professor in Novi Sad, und präsentiert sich als führungsloses Bündnis, das aus Vollversammlungen an den Universitäten entstanden ist. Ihre Regeln verbieten es den Studierenden selbst zu kandidieren und schließen frühere Mitglieder der 20 Parteien der Regierungskoalition sowie ehemalige Funktionäre der parlamentarischen Oppositionsparteien aus. Il Sole 24 ORE zählt 250 Kandidatinnen und Kandidaten auf der Liste, darunter Hochschulprofessoren, Anwälte, Landwirte, Ärzte, Aktivistinnen und Aktivisten der Zivilgesellschaft sowie Unternehmer.

Umfragen und die Angst vor einem angefochtenen Ergebnis

Griechische Medien berichten, dass jede Umfrage ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit einem Abstand von höchstens zwei Prozentpunkten zeigt. La Razon beschreibt die Studentenliste in allen Umfragen als Zweitplatzierte, nur kurz hinter der Koalition Serbien Vereint. Von Nafternboriki zitierte Analysten befürchten, dass ein so knapper Abstand angefochten werden und am Tag danach Unruhen auslösen könnte. Katarina Scepanovic, eine 49-jährige Englischlehrerin aus Belgrad und Fünfte auf der Liste, argumentiert, die Umfragen unterschätzten die Studierenden, weil viele Menschen den Meinungsforschern sagen, sie würden Vucic wählen. Sie verlässt sich eigenen Angaben zufolge mehr auf das, was sie während des Wahlkampfs in Städten und Dörfern in ganz Serbien gesehen hat, wo die Menschen genug hätten. To Vima beschreibt die Bewegung als dezentral, ohne eine einzelne herausragende Führungsfigur, und warnt, die Abstimmung berge das Risiko einer Destabilisierung der Region.

Vorwürfe und internationale Beobachtung

Die Regierungspartei bezeichnet die Studierenden griechischen Berichten zufolge als ausländische Agenten, die mit Hilfe ausländischer Geheimdienste den Staat zerschlagen wollten. Die Studierenden werfen den Behörden ihrerseits Stimmenkauf, Erpressung von Wählern, vorbeugende Festnahmen von Aktivistinnen und Aktivisten sowie Einschüchterung von Bürgerinnen und Bürgern vor. Vucic argumentiert seit Monaten, die Bewegung sei eine aus dem Ausland gesteuerte Operation, die über die Opposition laufe, und im März sagte er, nichts, was die Regierung tue, werde den Studierenden genügen, weil ihr Ziel eine Farbenrevolution sei. Die Europäische Union erklärt, sie verfolge die Entwicklung genau und habe gefordert, dass bei der Wahl demokratische Grundsätze eingehalten werden. Internationale Beobachter der EU, der OSZE und des Europarats werden den Wahlprozess überwachen.