Eine Liebesgeschichte in der 'Ndrangheta
Roberto Savianos neuer Roman Mi amor no muere beruht auf einem echten Fall der 'Ndrangheta, der kalabrischen Mafia. Er folgt Rossella Casini, einer Studentin aus Florenz, die 1977 eine Beziehung mit Francesco Frisina begann, einem jungen Mann aus Kalabrien, dessen Familie Verbindungen zu kriminellen Clans hatte und der damals nichts von diesen Verbindungen wusste. Saviano sagt, der Fall sei in Italien fast vollständig vergessen gewesen, und etwas daran habe ihn so fasziniert, dass er ihn wieder aufleben ließ. Er bezeichnet das Buch als einen Roman, der eine wahre Geschichte erzählt und Kriminalreportage mit Fiktion verbindet. Der Darstellung des Buches zufolge geriet sie in einen offenen Krieg zwischen den Clans Gallico und Condello. Die Gespräche fanden im Instituto Cervantes in Rom statt, wo dessen Direktor Ignacio Peyró Saviano unter starkem Polizeischutz empfing.
Die Tat und der Prozess
Rossella hielt sich in Palmi in Kalabrien bei der Familie ihres Freundes auf. In der Nacht des 22. Februar 1981 soll sie der Darstellung zufolge, die das Buch entwirft, vergewaltigt und anschließend getötet worden sein. Ihre Eltern in Florenz warteten Tag für Tag auf ihre Heimkehr, doch sie kehrte nie zurück. Die plausibelste Hypothese, die in einem Prozess aufgestellt wurde, der ohne Verurteilung endete, lautet, dass ihre Leiche zerstückelt und ins Meer geworfen wurde, damit sie nie gefunden wird. Das Buch verortet die Entsorgung nahe der Insel Olivo. Das erstinstanzliche Urteil erkannte an, was es als monumentale Verantwortung der Familie Frisina bezeichnete, sah die Beweise jedoch als unzureichend an. Saviano beschreibt das Buch als seine Rache für sie, da ihr nie Gerechtigkeit widerfuhr.
- Rossella Casini beginnt eine Beziehung mit Francesco Frisina
- In dieser Nacht soll Rossella der Darstellung des Buches zufolge vergewaltigt und getötet worden sein
- Die italienischen Behörden ordnen nach Drohungen im Zusammenhang mit Gomorra eine dauerhafte Bewachung für Saviano an
Savianos Leben unter Bewachung
Saviano steht seit 2006 unter Polizeischutz, als Gomorra, seine Untersuchung des Geschäfts der Camorra, ihm Morddrohungen des Clans Casalesi einbrachte. Die italienischen Behörden ordneten am 13. Oktober 2006 eine dauerhafte Bewachung für ihn an. Heute bewegt er sich mit zwei gepanzerten Fahrzeugen und sieben Leibwächtern fort, und er sagt, er lebe so seit seinem 27. Lebensjahr. Er ist 47 Jahre alt. Seit 2006 ist ihm das Motorradfahren untersagt, eine Einschränkung, die er gerne aufheben würde. Gegenüber Interviewern sagte er, wenn er zurückgehen könnte, würde er Gomorra nicht schreiben, das sein Leben zerstört habe.
Kapitalismus, Frauen und die Mafia
Saviano argumentiert, die Mafia habe die wirtschaftliche Schlacht bereits gewonnen und der gegenwärtige Kapitalismus sei durch und durch mafiosi geworden. Er beschreibt kriminelles Geld als das zentrale Nervensystem der Wirtschaft und sagt, der kriminelle Kapitalismus sei die Form, die sich durchgesetzt habe. In einem weiteren Interview sagt er, Frauen hätten innerhalb der Mafia einen zentralen Platz, weil sie deren Codes und Regeln weitergäben, und er führt die Tötung Rossellas auf den Willen von Francescos Schwester zurück. Zudem sagt er voraus, dass Verbindungen zwischen der Mafia und der extremen Rechten mit der Zeit ans Licht kommen werden. Die Liebe stellt er in dem Buch als eine Kraft dar, die Rossella dazu treibt, sich der Gefahr zu stellen.
Veröffentlichung in Spanien
Die spanische Ausgabe erscheint bei Alfaguara, wobei auch Ara Llibres als Verlag genannt wird. Das Buch ist Savianos erster Roman bei Alfaguara, und in dem Fall, den es nacherzählt, hat es bislang keine Verurteilung gegeben.
