Union legt sich Berichten zufolge auf Aigner fest
Berichte von Bild, dem Spiegel und der Süddeutschen Zeitung vom Freitag, 6. November, besagen, dass CDU und CSU Ilse Aigner als ihre Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten aufstellen wollen. Das ARD-Hauptstadtstudio erklärte, über dieselbe Information zu verfügen. Die 61-Jährige ist derzeit Präsidentin des Bayerischen Landtags und war einst Bundeslandwirtschaftsministerin im Kabinett von Angela Merkel. Wird sie gewählt, wäre sie die erste Frau im höchsten Staatsamt Deutschlands und würde Frank-Walter Steinmeier (SPD) nachfolgen, dessen Amtszeit im kommenden Jahr endet. Mehrere Medien, darunter N-tv und DIE WELT, gaben am selben Tag dieselbe Darstellung aus Parteikreisen weiter.
Rückhalt in der CDU
Der Rückhalt für Aigner wuchs im Laufe des Donnerstags, 5. November. Bis zum Nachmittag hatten sieben der 17 CDU-Landesvorsitzenden ihre Unterstützung erklärt, darunter Manuel Hagel, Chef des zweitgrößten Landesverbands in Baden-Württemberg, sowie die drei CDU-Ministerpräsidenten in Ostdeutschland. Laut Handelsblatt unterstützt auch die CSU ihre Kandidatur. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich dafür ausgesprochen, dass eine Frau Staatsoberhaupt werden solle, ohne jemanden zu nennen, und hat seine Position bislang für sich behalten – ebenso wie Hendrik Wüst, der den größten Landesverband in Nordrhein-Westfalen führt. Auf Anfrage des Handelsblatts verwies das Kanzleramt auf die Parteigremien, die am Montag tagen, und wollte die Berichte nicht kommentieren.
Geplanter Zeitplan
Den Berichten zufolge will Merz die Entscheidung am Sonntag, 8. November, bekannt geben. Am Abend soll er das CDU-Präsidium im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin zum Essen empfangen, gemeinsam mit den Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktionen in den Landtagen. Am Montag, 9. November, sollen Präsidium und Bundesvorstand der CDU ihre regulären Sitzungen abhalten und über die Kandidatur beraten. Die Abfolge bedeutet, dass die formalen Beratungen der Partei erst nach der erwarteten Ankündigung am Sonntag stattfinden – ein zeitliches Detail, das die Berichte als bereits getroffene Entscheidung darstellen.
- Sieben von 17 CDU-Landesvorsitzenden unterstützen Aigner bis Donnerstagnachmittag
- Bild, Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung berichten über die Entscheidung der Union für Aigner
- Merz soll die Entscheidung bekannt geben, am Abend Empfang des CDU-Präsidiums
- CDU-Präsidium und Bundesvorstand beraten in ihren regulären Sitzungen über die Kandidatur
- Die Bundesversammlung mit 1.260 Mitgliedern tritt in Berlin zusammen, um das neue Staatsoberhaupt zu wählen
Offene Fragen in der Berichterstattung
Die Berichte unterscheiden sich darin, wer hinter der Nominierung steht. N-tv erklärte unter Berufung auf Parteikreise, Union und SPD wollten Aigner gemeinsam vorschlagen, während der von DIE WELT verbreitete Bericht des Spiegel nur die Union nennt. Reuters, zitiert von newsORF, meldete, Aigner habe bereits Rückhalt in SPD und Grünen und hätte bei einer Nominierung gute Chancen, in Schloss Bellevue einzuziehen. Die Bundesversammlung mit 1.260 Mitgliedern tritt am 30. Januar 2027 in Berlin zusammen, um die Nachfolge zu wählen. Ein von N-tv veröffentlichtes Porträt merkt an, dass Aigner jahrzehntelange Erfahrung in der Landes- und Bundespolitik hat und als Ministerin Kritik ausgesetzt war.
