Ein Fernsehduell eine Woche vor der Stichwahl

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Senator Flávio Bolsonaro trafen am Sonntagabend, 18. Oktober, in den Band-Studios in São Paulo zu ihrem ersten Fernsehduell aufeinander. Lula hatte sich vor der ersten Runde nicht beteiligt; laut EL PAÍS dauerte die Begegnung mehr als zwei Stunden. Beide setzten stärker auf persönliche Angriffe als auf politische Vorschläge, und in den Umfragen lagen die beiden Kandidaten zum Auftakt der letzten Woche gleichauf.

In der ersten Runde am 4. Oktober kam Bolsonaro laut Le Temps und AD auf 47 Prozent der Stimmen, Lula auf 45 Prozent. Der 80-jährige Lula strebt eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit an. Der 45-jährige Bolsonaro ist Senator für die rechtsextreme Liberale Partei (PL).

Wichtige Termine im brasilianischen Präsidentschaftsrennen
  1. Erste Runde: Bolsonaro 47 %, Lula 45 %
  2. Erstes Fernsehduell zwischen Lula und Flávio Bolsonaro in den Band-Studios in São Paulo
  3. Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten

Korruptionsvorwürfe auf beiden Seiten

Lula rückte auf der Bühne von seinem Rivalen ab, um Distanz zu dem zu signalisieren, was er einen Milizionär nannte – eine Anspielung auf angebliche Verbindungen des Senators zu paramilitärischen Gruppen, die die Armenviertel von Rio de Janeiro kontrollieren. Bolsonaro entgegnete, es sei besser, Lula auf Abstand zu halten, damit einem nicht die Geldbörse gestohlen werde, und hielt das auf seine Handfläche geschriebene Wort „korrupt“ hoch.

Lula verlangte wiederholt Aufklärung über eine mögliche Korruptionsermittlung gegen Bolsonaro, auf die der Senator nicht einging. Laut ABC betrifft das Verfahren rund 134 Millionen Reais (23,5 Millionen Euro), die angeblich mit Daniel Vorcaro, dem früheren Eigentümer der Banco Master, ausgehandelt wurden, um den Film „Dark Horse“ über Jair Bolsonaro zu finanzieren, der noch keinen Starttermin hat. Lula sagte zudem, Eduardo Bolsonaro sei in die Vereinigten Staaten geflohen, um gegen Brasilien zu konspirieren.

Bolsonaro konterte mit drei offenen Ermittlungen gegen Lulinha, Fábio Luís Lula da Silva, den ältesten Sohn des Präsidenten, wegen mutmaßlicher Einflussnahme in der Regierung seines Vaters. Vor dem Duell hatte er sich außerdem auf ein Interview gestützt, das der Lobbyist Roberta Luchsinger am Vortag CNN Brasil gegeben hatte und in dem sie mit dem ältesten Sohn in einem mutmaßlichen Fall von Einflussnahme in Verbindung gebracht wird.

Stimmenanteile in der ersten Runde am 4. Oktober 2026 (%)
Flávio Bolsonaro47Lula da Silva45

Beleidigungen und Unterbrechungen auf der Bühne

Lula nannte Bolsonaro einen Clown und einen notorischen Lügner und warf dem Senator vor, das Lügen sei bei ihm Familientradition. Als Bolsonaro die First Lady Janja da Silva als Beispiel für unnötige Staatsausgaben anführte, reagierte Lula mit eigenen Beleidigungen. Bolsonaro sagte zu Lula, Brasilien werde ihn in den Ruhestand schicken, so Le Temps und EL PAÍS.

Lula erklärte, er wolle jede Stimme, auch die des Vaters seines Rivalen, Jair Bolsonaro, der wegen eines versuchten Staatsstreichs eine 27-jährige Haftstrafe verbüßt. Von beiden Seiten des Saals kamen Zwischenrufe und Applaus, und Bolsonaro wurde ausgebuht, nachdem er Lula außerhalb seiner Redezeit unterbrochen hatte. Mehrfach stellte sich Bolsonaro hinter seinen Rivalen, während Lula in die Kamera sprach, und schüttelte ablehnend den Kopf.

Wie es weitergeht

AD beschreibt die Begegnung vom Sonntag als erstes von zwei Duellen. Laut EL PAÍS drängt das Lula-Lager Bolsonaro, zu erklären, wo er Einsparungen von 250.000 Millionen Reais (rund 50.000 Millionen Dollar) im Staatshaushalt finden wolle; Lula brachte diesen Punkt auf der Bühne allerdings nicht direkt zur Sprache. Die Stichwahl ist für Sonntag, 25. Oktober, angesetzt.