Ein Streit, der seit etwa einer Woche läuft

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat US-Präsident Donald Trump in einem Interview mit Bloomberg beschuldigt, die Ukraine zur Kapitulation vor Russland zu drängen. Die Anschuldigung verschärft eine Konfrontation zwischen den beiden Staatschefs, die etwa eine Woche zuvor begonnen hatte. Selenskyj sagte zudem, er hoffe, dass sich die Beziehungen zu Washington nach den Zwischenwahlen verbessern würden. Trump hatte am Samstag, dem 17. Oktober, erwartete Sanktionen gegen Russlands Energiewirtschaft ausgesetzt und zuvor erneute ukrainische Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur als Schande bezeichnet.

Ein Patriot-Raketen-Angebot im Tausch gegen eine Raffinerie-Pause

Selenskyj schlug vor, dass die Ukraine aufhört, russische Raffinerien anzugreifen – einen Schritt, den Trump gefordert hat, um die hohen Dieselpreise in den Vereinigten Staaten zu senken –, und dafür mehr Patriot-Luftabwehrraketen erhält. Im Bloomberg-Interview sagte er, die Ukraine werde die russische Dieselproduktion nicht ins Visier nehmen, wenn sie Raketen zum Schutz der eigenen Anlagen erhalte. Er fügte hinzu, Washington wolle, dass die Ukraine die Dieselwerke überhaupt nicht mehr treffe, und warnte, die Ukraine könne von etwas abgeschnitten werden, falls sie weiter angreife, ohne zu präzisieren, wovon. Nach dem von Trump vorgeschlagenen Energie-Waffenstillstand würde die Ukraine russische Raffinerien verschonen, während Russland seine Angriffe auf das ukrainische Energiesystem fortsetzte. Washington soll damit gedroht haben, die Ukraine von Geheimdienstinformationen abzuschneiden, falls sie sich weigere.

Geheimnisaustausch und der Starshield-Streit

Selenskyj sagte in der NBC-Sendung Meet the Press, die Vereinigten Staaten hätten den Austausch von Geheimdienstinformationen nach einer Pause wieder aufgenommen. Er sei dankbar, sagte er, und die Ukraine habe die Warninformationen während dreier Tage ballistischer Raketenangriffe nicht erhalten. Selenskyj argumentierte, nur die Vereinigten Staaten verfügten über die Geheimdienstinformationen, die der Ukraine mitteilten, wann Russland ballistische Raketen abfeuere.

Es war für eine gewisse Zeit blockiert. Und dann wurde es von amerikanischer Seite wieder freigegeben.

— Wolodymyr Selenskyj

Selenskyj bezeichnete zudem eine offizielle amerikanische Annäherung an Russland als schweren Fehler und sagte, die Ukraine könne eine solche Wende nicht überleben. Kiew hat separat über Geschwindigkeitsbegrenzungen des Satellitendienstes Starshield berichtet, einer militärischen Version von Starlink, die von Elon Musks SpaceX bereitgestellt wird. Die Ukraine erklärte, die Geschwindigkeitsbegrenzung mache es nahezu unmöglich, Russlands verbesserte düsengetriebene Langstreckendrohnen abzufangen. Musk sagte, etwaige Einschränkungen lägen in der Verantwortung der US-Regierung, und das Weiße Haus wies diese Haltung zurück. Finanzminister Scott Bessent nannte Selenskyj in einem NBC-Interview am Sonntag „sehr leichtsinnig“, während Marco Rubio sagte, die Ukraine sei derzeit von Starshield ausgeschlossen.

Gesandte, Gespräche in Florida und die Antwort des Kremls

Selenskyj sagte am Sonntag, dem 18. Oktober, auf X, er habe mit den Gesandten des amerikanischen Präsidenten, Steve Witkoff und Jared Kushner, gesprochen, und viel hänge von der US-Position ab. Er sagte, die Ukraine stehe in nahezu ununterbrochenem Austausch mit ihren US-Partnern, im Mittelpunkt stünden die Ergebnisse der Gespräche in Florida und die nächsten Schritte. Der Krieg müsse beendet werden, und er hoffe, dass Gespräche mit Washington in dieser Woche stattfinden könnten. Witkoff und Kushner hatten der ukrainischen Delegation eine Woche zuvor in Florida gesagt, Trumps Diesel-Deal mit Putin solle den Kreml zu Zugeständnissen bewegen. Der Kreml erklärte, es werde keine Zugeständnisse geben und Russland beschränke seine Ansprüche in der Ukraine nicht auf den Donbass.

Schlüsseldaten im US-Ukraine-Streit, Oktober 2026
  1. Berichten zufolge erhält die Ukraine keine vollständigen Geheimdienstinformationen
  2. Trump setzt erwartete Sanktionen gegen Russlands Energiewirtschaft aus
  3. Selenskyj spricht mit den Gesandten Witkoff und Kushner und wirft Trump vor, auf Kapitulation zu drängen