Zweite Nacht der Ausschreitungen im Zentrum von Mailand

Gruppen junger Menschen, in Grüppchen von 10 oder 20 Personen aufgeteilt und überwiegend in Schwarz gekleidet, einige mit verdecktem Gesicht, versammelten sich am Sonntag, dem 18. Oktober, auf der Piazza Duomo, bevor sie sich in den Straßen des Zentrums verteilten. Die schwersten Schäden entstanden in der Via Torino, wo Schaufenster eingeschlagen, Mülltonnen, Roller, Fahrräder und Straßenmöbel auf die Fahrbahn geworfen und die Außentische und Sonnenschirme von Bars herausgezogen und zerstört wurden. Ein Carrefour-Supermarkt wurde aufgebrochen und geplündert; die Gruppe zog mit Flaschen Alkohol davon und warf Lebensmittel auf die Straße. Tische und Stühle wurden gegen das Schaufenster des Footlocker-Ladens geschleudert, auch das Schaufenster des Champions-Geschäfts in derselben Straße wurde getroffen. Viele Geschäfte ließen ihre Rollläden herunter, während Polizisten in Schutzausrüstung auf dem Platz Wache standen.

Ladenschließungen und Ausschreitungen in Mailand und Bologna, 17. Oktober
  1. Geschäfte in Bolognas zentralen Straßen stellen den Betrieb ab 15:00 Uhr ein
  2. Mailänder Geschäfte werden angewiesen, um 17:00 Uhr zu schließen
  3. Die Ausschreitungen in Mailand enden nach Polizeiangaben gegen 22:30 Uhr
  4. Erneute Ausschreitungen in der Via Torino, Carrefour geplündert, 50 Personen zur Identifizierung vorgeführt

Der Marsch vom 17. Oktober und die Festnahmen

Der von der Bewegung Italia in Piazza organisierte Marsch am Samstag, dem 17. Oktober, zog nach Angaben von Adnkronos rund 5.000 Menschen in Mailand an. Die Questura, die Mailänder Polizeidirektion, erklärte, mindestens 2.000 sehr junge Menschen seien an der Gewalt beteiligt gewesen, die in der Nähe der Via Broletto mit einem Hagel geworfener Gegenstände begann und sich dann auf Barrikaden, Brände und Angriffe auf Beamte ausweitete. Die Polizei reagierte mit Vorstößen und Tränengas. Ein Carabinieri-Fahrzeug wurde mit Eisenstangen angegriffen und schwer beschädigt, in einem Geschäft wurde das Sicherheitspersonal attackiert. Die Ausschreitungen endeten gegen 22:30 Uhr, als 72 Personen zur Polizeidienststelle in der Via Fatebenefratelli gebracht und 16 von ihnen festgenommen wurden. Das Jugendgericht teilte Adnkronos mit, dass 11 der Vorgeführten minderjährig seien, darunter ein Mädchen, und dass ihnen Verwüstung, schwere Körperverletzung und Widerstand gegen einen Amtsträger vorgeworfen werde.

Polizeiangaben aus Mailand zu den Ausschreitungen vom 17. Oktober (Personen)
Zur Polizeidienststelle gebracht72Festgenommen16Minderjährige unter den Vorgeführten11

Schadensschätzungen

Der Generalsekretär von Confcommercio Milano, Marco Barbieri, sagte, die erste Schätzung für das Stadtzentrum übersteige 500.000 Euro, wobei sowohl Schäden als auch entgangene Einnahmen nach der Anordnung, die Geschäfte um 17:00 Uhr zu schließen, eingerechnet seien. In Bologna bezifferte Confcommercio den Schaden auf mindestens 500.000 Euro, ohne entgangene Umsätze, und erklärte, Geschäfte in der Via Indipendenza, der Via Matteotti, angrenzenden Straßen in Bolognina und im Bereich Galleria 2 agosto hätten den Betrieb ab 15:00 Uhr am 17. Oktober eingestellt. Confcommercio beziffert die Summe für Mailand und Bologna zusammen auf 1 Million Euro. Am 18. Oktober sagte Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala zu Sky TG24, die Stadt versuche, die Schäden zu erfassen, damit Betroffene entschädigt werden könnten.

Was ich zu tun versuche, ist, die Schäden für die Stadt zu erfassen, denn wer Schaden erlitten hat, sollte entschädigt werden.

— Giuseppe Sala
Schadensschätzungen von Confcommercio für die Ausschreitungen vom 17. Oktober (EUR)
Mailänder Stadtzentrum (über, inkl. entgangener Einnahmen)500.000Bologna (mindestens, ohne entgangene Umsätze)500.000

Politische Reaktionen und der Aufruf in Bologna

Die Kundgebung vom 17. Oktober in Bologna wurde von einer Gruppe namens „Carrelli vuoti“ einberufen, die Kollektive und antagonistische Gruppen wie Cua, Crash und Plat auf der Piazza Minghetti gegen die steigenden Lebenshaltungskosten zusammenbrachte. Wie bekannt wurde, schlossen sich der Gruppe anschließend zahlreiche junge Menschen an, überwiegend Minderjährige und nach Angaben angeblich ausländischer Herkunft, nachdem sie über eigens eingerichtete Telegram-Gruppen aufgerufen worden waren, mit dem erklärten Ziel, die Unruhen in Frankreich nachzuahmen. Der AVS-Politiker Nicola Fratoianni stellte infrage, wer hinter dem Aufruf „Italia in piazza“ stehe, und sagte, die Antwort auf Gewalt brauche mehr als eine Erklärung.

Wir müssen Fragen stellen, denn sonst riskiert selbst die rechte und notwendige Distanzierung von Gewalt, nicht auszureichen, um eine Antwort zu organisieren.

— Nicola Fratoianni

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat angesichts der Zusammenstöße für Montag, den 19. Oktober, ein Treffen zur öffentlichen Ordnung einberufen. Die Polizei identifizierte in den Städten, in denen Märsche von „Italia in piazza“ stattfanden, 197 Personen und brachte sie zur Polizeidienststelle.