Ein Kompromiss, der das Gebäude offen hält

Großbritannien erklärte am Donnerstag, sein Konsulat in Ostjerusalem werde in kleinerem Umfang weiterbetrieben und in "UK Mission" umbenannt, nachdem eine von Israel gesetzte Frist von 30 Tagen abgelaufen war. Israel hatte die Schließung des Konsulats und die Abberufung seiner Diplomaten aus der Stadt angeordnet – als Vergeltung für Großbritanniens Plan, Sanktionen gegen israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland zu verhängen, darunter ein Handelsverbot für dort hergestellte Waren. Ein in letzter Minute in der Nacht zum Mittwoch erzielter Pakt, so die Zeitung La Vanguardia, hält das Gebäude offen, beendet jedoch die konsularischen Aufgaben des Konsulats. Der israelische Außenminister Gideon Sa'ar sagte, das Konsulat werde seine Tätigkeit formell einstellen und eine begrenzte Zahl britischer Diplomaten könne in dem Gebäude weiterarbeiten.

Es ist nicht möglich, gegen Israel vorzugehen, ohne dass Israel die entsprechenden Maßnahmen ergreift. Wir wollten diesen Punkt nicht erreichen.

— Gideon Sa'ar

Personal und Beschilderung vor Ort

Über Nacht entfernten Arbeiter eine Plakette mit der Aufschrift "British Consulate General" sowie ein Schild der Konsularabteilung, während Reuters-Journalisten sahen, dass die britische Flagge weiterhin über dem Gebäude wehte. Laut La Vanguardia bleiben sieben Diplomaten in dem Gebäude und können keine konsularischen Aufgaben wahrnehmen. EL PAÍS berichtet, dass 20 Diplomaten, darunter der Generalkonsul, Jerusalem verlassen haben. Reuters-Quellen zufolge betrifft die Schließungsanordnung rund 30 britische Diplomaten sowie deren Familienangehörige. Die britische Botschaft in Tel Aviv, die die Beziehungen zur israelischen Regierung wahrnimmt, ist von der Anordnung nicht betroffen.

Diplomaten am Konsulat in Jerusalem nach spanischen Berichten (Diplomaten)
Im Gebäude verblieben7Ausreisend, einschließlich Generalkonsul20

Großbritanniens Nahost-Minister Stephen Doughty sagte gegenüber Sky News, die Gespräche mit der israelischen Regierung liefen weiter und London bedauere Israels Vorgehen in der Konsulatsfrage zutiefst. Er sagte, das Gebäude bleibe offen und die Arbeit in Jerusalem müsse fortgesetzt werden.

Unser Gebäude bleibt offen, unsere Mitarbeiter leisten weiterhin wichtige Arbeit.

— Stephen Doughty

Die Sanktionen hinter der Anordnung

Außenminister Ed Miliband hatte die erweiterten Siedlungssanktionen im vergangenen Monat angekündigt, abgestimmt mit zehn weiteren Ländern, darunter Frankreich und Kanada, wie La Vanguardia berichtet. Das Paket ermöglicht Sanktionen gegen jene, die Siedlungen bauen oder finanzieren, verbietet den Handel mit Siedlungswaren und beschränkt einige Waffenexporte. Israel hat bislang keine Maßnahmen gegen Frankreich oder Kanada ergriffen. Die Vereinten Nationen und die meisten Länder betrachten die Siedlungen nach internationalem Recht als illegal – eine Position, die Israel bestreitet. Israel bereitet sich auf die für den 27. Oktober angesetzten Parlamentswahlen vor, und Benjamin Netanyahu befindet sich im Wahlkampf.

Status, Präzedenzfall und wie es weitergeht

Das Konsulat in Scheich Dscharrah besteht nach Angaben der Nationalbibliothek von Israel seit etwa 1839, als das Gebiet Teil des Osmanischen Reiches war. Seine Diplomaten bilden ein unabhängiges Team, das direkt nach London berichtet und nicht an die Botschaft in Tel Aviv. Großbritannien hatte erwogen, als Reaktion auf eine Schließung israelische Diplomaten aus London auszuweisen, und Miliband hat erklärt, Großbritannien erkenne Israels rechtliche Befugnis zur Schließung des Gebäudes nicht an. Miliband sagte, Großbritannien habe in den vergangenen Wochen eine Reihe von Mitarbeitern und Familien abgezogen und werde nun daran arbeiten, seine Präsenz wieder aufzubauen.

Wir werden in den kommenden Monaten daran arbeiten, unsere Präsenz wieder aufzubauen, und wir werden keine Gegenmaßnahmen ergreifen, solange solche Gespräche laufen und glaubwürdig sind.

— Ed Miliband
Wichtige Etappen im Konsulatsstreit
  1. Israel fordert Großbritannien auf, das Konsulat in Ostjerusalem innerhalb von 30 Tagen zu schließen
  2. In letzter Minute wird ein Pakt erzielt, der das Gebäude mit reduziertem Personal offen hält
  3. Die Frist von 30 Tagen läuft ab und das Konsulat wird in eine UK-Mission umbenannt

Daniel Seidemann, ein israelischer Anwalt und Experte für die Geopolitik Jerusalems, bewertete die Vereinbarung als die beste unter mehreren Optionen, die Großbritannien zur Verfügung standen.

Die Vereinbarung, die Großbritannien mit Israel erzielt hat, war wahrscheinlich die optimale unter mehreren Optionen, die noch schlechter gewesen wären. Ich mache also niemandem einen Vorwurf, aber das ist weit von einem Sieg entfernt.

— Daniel Seidemann

Eine Quelle bezeichnete die Vereinbarung als vorübergehenden "Waffenstillstand", und die Verhandlungen über den Status des Konsulats und seines Personals könnten wieder aufgenommen werden, sollte Israel in drei Wochen eine neue Führung bekommen.