Solo-Attacke am Mozjanca

Die niederländische Radrennfahrerin Demi Vollering hat am Samstag, 3. Oktober 2026, das Straßenrennen der Frauen bei den Europameisterschaften im Radsport in Slowenien gewonnen und damit ihren zweiten kontinentalen Titel in Folge gesichert. Die 29-jährige Fahrerin des Teams FDJ-Suez attackierte am Anstieg Mozjanca, als im 130 Kilometer langen Rennen noch 14 bis 15 Kilometer zu fahren waren. Der Anstieg Mozjanca, 2,1 Kilometer lang bei einer durchschnittlichen Steigung von 10,4 Prozent, war das zentrale taktische Schlachtfeld im Finale des Rennens. Vollering beschleunigte im steilsten Abschnitt der Straße direkt an der polnischen Konkurrentin Kasia Niewiadoma vorbei und hielt ihren Vorsprung in der Abfahrt und auf dem Weg nach Ljubljana. Sie fuhr solo über die Ziellinie und sicherte sich die Goldmedaille bei ihrem ersten Renneinsatz im Regenbogentrikot der Weltmeisterin.

Niederländische Teamleistung

Das niederländische Nationalteam bestimmte das Renntempo, um die Lücke für Vollerings entscheidenden Solovorstoß zu schaffen. Die ersten 90 der 130 Kilometer waren relativ flach, sodass das Peloton weitgehend zusammenblieb, bevor der selektive Rundkurs mit den Anstiegen begann. Das niederländische Team erhöhte das Tempo beim ersten Anstieg am Mozjanca und reduzierte das Peloton auf eine ausgewählte Gruppe von rund 20 Fahrerinnen. Beim zweiten und letzten Anstieg am Mozjanca beschleunigten die niederländischen Teamkolleginnen Femke de Vries und Puck Pieterse an der Spitze der dezimierten Gruppe hart und erschöpften Konkurrentinnen wie die französische Fahrerin Juliette Berthet, die wie Vollering für FDJ-Suez fährt. Pieterse lieferte den letzten Anfahrtszug, bevor Vollering attackierte. Pieterse hielt ihr eigenes Tempo und wurde mit sechs Sekunden Rückstand Zweite, während die Schweizerin Marlen Reusser als Dritte die Ziellinie überquerte und Bronze gewann.

Schlüsselphasen des 130 km langen EM-Straßenrennens
  1. Das Peloton fährt auf dem 130 Kilometer langen Kurs durch einen flachen Auftaktabschnitt
  2. Das niederländische Tempo reduziert die Spitzengruppe am 2,1 Kilometer langen Anstieg auf rund 20 Fahrerinnen
  3. Femke de Vries und Puck Pieterse beschleunigen und hängen Rivalinnen an den 10,4 Prozent Steigung ab
  4. Demi Vollering attackiert Kasia Niewiadoma und fährt solo davon
  5. Vollering holt Gold, Puck Pieterse wird mit sechs Sekunden Rückstand Zweite, Marlen Reusser Dritte

Doppelter Titel in einer Saison

Der Sieg am Samstag in Slowenien war Vollerings 16. Erfolg der Radsportsaison 2026 und krönte eine Saison mit Etappenrennen- und Klassikersiegen in Europa und Nordamerika. Nur eine Woche zuvor hatte Vollering in Montreal, Kanada, ihren ersten Weltmeistertitel im Straßenrennen gewonnen. Mit dem Sieg in Ljubljana wurde sie die erste Radrennfahrerin, die im selben Kalenderjahr sowohl den Weltmeistertitel als auch den Europameistertitel im Straßenrennen gewann. Zu ihrer Saison 2026 gehören zudem Gesamtsiege bei der Tour de France und beim Giro d'Italia sowie Erfolge bei der Flandern-Rundfahrt und Lüttich-Bastogne-Lüttich. Während ihr Solovorstoß bei der Weltmeisterschaft in Montreal zwischenzeitlich gestellt wurde, bevor sie doch gewann, blieb ihre Attacke in Slowenien bis zur Ziellinie ungefährdet.

Niederländische Dominanz bei den Europameisterschaften

Vollerings Sieg brachte den Niederlanden die zehnte Goldmedaille in den elf Austragungen des Straßenrennens der Elite-Frauen bei Europameisterschaften. Die niederländischen Fahrerinnen waren in das Rennen gegangen, nachdem sie neun der vorangegangenen zehn Austragungen gewonnen hatten. Vollering hatte den Europameistertitel zuvor bei den Meisterschaften in der französischen Region Ardèche gewonnen, und ihr Sieg in Slowenien macht sie zur ersten Fahrerin in der Geschichte des Wettbewerbs, die ihren Titel in zwei aufeinanderfolgenden Austragungen erfolgreich verteidigte. Lorena Wiebes ist die einzige weitere Fahrerin, die den EM-Titel im Straßenrennen zweimal gewann, 2022 und 2024. Vollering ließ sich beim Überqueren der Ziellinie in Ljubljana Zeit zum Feiern und komplettierte damit einen niederländischen Doppelsieg auf dem Podium an der Seite von Pieterse.