Neue Foltervorwürfe

Die Bundesanwaltschaft in Manhattan reichte am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, eine ergänzte Anklageschrift ein, die dem bestehenden Verfahren gegen Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores den Vorwurf der Verschwörung zur Folter hinzufügt. Das Paar ist bereits wegen Drogenhandels angeklagt und hat auf nicht schuldig plädiert. Laut Anklageschrift diente die mutmaßliche Folter dazu, „ihre Gegner einzuschüchtern, zu schikanieren und auszuschalten, unter anderem durch Entführungen“. Die Ankläger beschreiben neun Fälle von Misshandlung gegen in Caracas festgehaltene Personen, darunter Entführungen, körperliche Gewalt, Drohungen gegen Gefangene und ihre Familien sowie erzwungene Demütigungen. Die Anklageschrift führt zudem an, dass ein Teil der Folter aufgezeichnet wurde und dass Maduro und Flores in einigen Fällen persönlich Anweisungen an die Vernehmer gaben. Die Ankläger argumentieren, Flores sei keine passive Beobachterin gewesen, sondern habe am Aufbau des Repressionssystems mitgewirkt.

Die angeführten Fälle

Ein Fall betrifft das Jahr 2013, als Maduro die Verhaftung eines venezolanischen Offiziers anordnete, den er verdächtigte, einen Putsch zu planen. Die Ankläger erklären, Geheimdienstoffiziere hätten den Offizier etwa 20 Mal mit stromführenden Drähten geschockt, seine Hände und Füße gefesselt und ihn mehrere Minuten lang aufgehängt. Ein zweiter Fall stammt aus dem Jahr 2022, als ein Amerikaner, der bei seiner Ankunft in Venezuela festgenommen wurde, beschuldigt wurde, ein Attentat auf Maduro geplant zu haben. In der Anklageschrift heißt es, er sei von Spionageabwehroffizieren geschlagen und an Armen, Beinen und Genitalien mit Stromstößen traktiert worden. Ein weiterer Amerikaner, der 2025 festgenommen wurde, sei Berichten zufolge zwei Tage lang geschlagen worden. RMF24 berichtet, ein weiterer Amerikaner sei während eines Familienbesuchs in Venezuela festgenommen und nach Angaben der Ankläger anschließend in Verhandlungen über einen Gefangenenaustausch mit den Vereinigten Staaten einbezogen worden. Maduros Verteidigung reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage für eine Stellungnahme.

Wichtige Daten im Folterverfahren gegen Maduro und Flores
  1. Maduro ordnet die Verhaftung eines Offiziers an, der eines Putschplans verdächtigt wird
  2. Nach regierungsfeindlichen Protesten kommt es Berichten zufolge zur Folter von Gegnern
  3. Ein bei seiner Ankunft in Venezuela festgenommener Amerikaner, dem ein Mordplan gegen Maduro vorgeworfen wird, wird gefoltert
  4. US-Militär fasst Maduro und Flores in ihrem Haus in Caracas
  5. Ergänzte Anklageschrift fügt den Vorwurf der Folterverschwörung hinzu; Kautionsantrag von Flores abgelehnt
  6. Prozessbeginn in New York angesetzt

Kaution für Flores abgelehnt

Am Donnerstag lehnte Richter Alvin Hellerstein den Antrag der 69-jährigen Flores ab, aus dem Haftzentrum in Brooklyn in ein Haus im Großraum New York mit rund um die Uhr präsentem privatem Sicherheitsdienst verlegt zu werden. Ihre Anwälte erklärten, sie benötige einen herzmedizinischen Eingriff und könne sich außerhalb des Gefängnisses besser erholen; zudem stelle sie keine Gefahr für die Allgemeinheit dar. Sie schlugen vor, dass die venezolanische Regierung, die von den Vereinigten Staaten die Erlaubnis erhalten habe, die Anwaltskosten des Paares zu übernehmen, auch diese Kosten tragen solle. Die Ankläger erklärten, Flores erhalte angemessene medizinische Versorgung und stelle ein „extremes“ Fluchtrisiko dar, einschließlich einer möglichen Einschüchterung von Zeugen. Der Richter sagte, er nehme die Beteuerungen von Flores, nicht zu fliehen, „mit sehr großer Skepsis“ zur Kenntnis. Die Entscheidung von Hellerstein hat keine Auswirkungen auf das Verfahren oder eine mögliche Strafe.

Angesichts der hohen Summen, um die es geht, und all der Kontakte, die Frau Flores zur Regierung Venezuelas und den Menschen, aus denen sie besteht, hat, ist das Risiko ernst.

— Alvin Hellerstein

Reaktionen und Verfahren

Justizminister Todd Blanche äußerte sich auf X zu den neuen Vorwürfen.

Diese zusätzlichen Anklagen spiegeln das Engagement dieser Regierung wider, den Opfern von Folter, Narco-Terrorismus und organisierter Kriminalität Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

— Todd Blanche

Jamie McDonald, Bundesstaatsanwalt in New York, sagte, die Behörde werde Gerechtigkeit für die Opfer von Gewaltverbrechen im Ausland verfolgen.

Wir werden vor nichts haltmachen, um Gerechtigkeit für die Opfer von Gewaltverbrechen zu erreichen, insbesondere für amerikanische Opfer, die im Ausland entsetzliche Behandlung erlitten haben.

— Jamie McDonald

Maduro hat sich selbst als „Kriegsgefangenen“ bezeichnet und erklärt, das US-Militär habe ihn entführt. Er bestreitet die Rechtmäßigkeit der Strafverfolgung und beruft sich dabei auf seine Immunität als Staatsoberhaupt. Der Prozess soll am 1. Juni 2027 in New York beginnen. Reuters berichtet von einer obligatorischen Mindeststrafe von 40 Jahren für Flores im Falle einer Verurteilung, während NOS unter Berufung auf Reuters 50 Jahre angibt. RMF24 berichtet, auf die neuen Anklagen stünden bis zu 20 Jahre Haft und lebenslange Freiheitsstrafe, falls die Folter zum Tod von Opfern geführt habe. Venezuela wird inzwischen von Delcy Rodriguez geführt, Maduros früherer Vizepräsidentin, die die Zusammenarbeit mit Washington verstärkt hat, seit die Razzia im Januar Maduros 13 Jahre an der Macht beendet hat.