Angriff auf einen Wohnblock

Russische Truppen haben am frühen Samstag kurz nach 5 Uhr Ortszeit ein fünfstöckiges Wohnhaus in Saporischschja mit gelenkten Gleitbomben getroffen. Die nationale Polizei der Ukraine erklärte, es seien fünf gelenkte Gleitbomben auf Wohnviertel der Regionshauptstadt abgeworfen worden, zwei davon hätten Wohngebäude getroffen. Die Zahl der Toten stieg im Laufe des Morgens: von zunächst fünf über 15 nach Angaben des staatlichen Rettungsdienstes bis auf 17 nach Angaben der regionalen Militärverwaltung, auf die sich Ukrainska Prawda beruft. Die jüngste Mitteilung des Staatlichen Katastrophenschutzes (DSNS) nennt 20 Tote, darunter drei Kinder, und 18 Verletzte. Mychajlo Semikin, Leiter der regionalen Militärverwaltung, sagte, Rettungskräfte suchten weiter nach Menschen unter den Trümmern. Eine Frau wurde nach mehr als acht Stunden Verschüttung lebend aus den Trümmern geborgen, und der DSNS erklärte, seine Psychologen hätten 35 Bürger betreut.

Gemeldete Zahl der Toten bei Angriff in Saporischschja nach Quelle (Tote)
Staatlicher Katastrophenschutz (DSNS), jüngste Mitteilung20Regionale Militärverwaltung, laut Ukrainska Prawda17Staatlicher Rettungsdienst, laut AFP15

Dieselabkommen und die Reaktion Kiews

Trump hatte das Dieselabkommen am Freitag nach einem Telefonat mit Wladimir Putin angekündigt. Danach würde Moskau große Mengen Diesel auf die Weltmärkte bringen, im Gegenzug für eine Lockerung der Sanktionen, wie AFP berichtet. Trump sagte, das Abkommen sei nötig, um die Dieselpreise vor den Zwischenwahlen im November zu senken, bei denen die Kraftstoffkosten ein zentrales Wählerthema sind. Selenskyj nannte das Abkommen ein "Geschenk" an den russischen Präsidenten und sagte am Freitag vor Journalisten, es sei "unwürdig für unsere Partner" und eine "schwache Entscheidung". Am Samstag brachte er den Angriff direkt mit der Vereinbarung in Verbindung und sagte, die Ukraine werde auf die Angriffe reagieren.

Heute hat Russland seinen Dank für die Aufhebung der Sanktionen gegen Dieselausfuhren zum Ausdruck gebracht, indem es fünf Gleitbomben auf Wohngebäude in Saporischschja abwarf.

— Wolodymyr Selenskyj

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, die Aufhebung der Sanktionen gegen russischen Diesel helfe, den Krieg des Kremls gegen die Ukraine zu befeuern. Deutschland erklärte, es werde trotz des Abkommens weiter auf neue EU-Sanktionen gegen Russland drängen. Kallas schrieb online:

Jetzt ist nicht die Zeit, den Druck auf Russland zu verringern, und Europa wird das auch nicht tun.

— Kaja Kallas
Zeitleiste: Dieselabkommen und Angriff in Saporischschja
  1. Trump kündigt nach Telefonat mit Wladimir Putin das Dieselabkommen an
  2. Ukrainische und europäische Vertreter führen Gespräche in Miami
  3. Russische Truppen greifen 13 ukrainische Regionen an
  4. Gelenkte Bomben treffen Wohngebäude in Saporischschja
  5. DTEK meldet großflächige Stromausfälle in Kiew

Kreml-Erklärung und Ausfälle in Kiew

Die Erklärung des Kremls zu dem Telefonat am Freitag fiel weit wärmer aus als die Reaktion Kiews. Interfax zitierte den außenpolitischen Berater des Kremls, Juri Uschakow, der das Gespräch "sehr substanziell und freundschaftlich" nannte. Uschakow beschrieb die beiden Staatschefs so:

Keiner wollte der Erste sein, der auflegt.

— Juri Uschakow

DTEK, der größte private Energieversorger des Landes, meldete am Samstag großflächige Stromausfälle in Kiew, die durch russische Angriffe verursacht wurden. Das Unternehmen schrieb auf Telegram, derzeit seien keine Stabilisierungspläne in Kraft. Die Kiewer Metro und die Rolltreppen wurden wegen Ausfällen in externen Kraftwerken vorübergehend eingestellt, zudem wurden in der Hauptstadt Probleme mit der Wasserversorgung gemeldet. AFP-Reporter hörten Detonationen über der Stadt.

Angriffe über Nacht und Diplomatie

In der Nacht von Freitag auf Samstag griffen russische Truppen nach Angaben von RMF24 13 ukrainische Regionen an und beschädigten Wohngebäude, Infrastruktur und Bahnanlagen. Axios berichtete, Steve Witkoff und Jared Kushner erwögen Reisen nach Moskau und Kiew in der kommenden Woche, um einen Friedensvorschlag zu erörtern. Es sei jedoch unklar, wie sich die Spannungen um das Dieselabkommen auf ihre Entscheidungen auswirken könnten. Die Angriffe erfolgten einen Tag nach einem Treffen ukrainischer und europäischer Vertreter in Miami, Teil einer erneuerten diplomatischen Offensive zur Beendigung des Krieges. Die von den USA geführten Bemühungen zur Beendigung des Konflikts, der nunmehr viereinhalb Jahre andauert, bleiben festgefahren, während Moskau seine Bombardierungen in den vergangenen Monaten verstärkt hat.