Moskaus Zahl
Der russische Vizeministerpräsident für Energie, Alexander Nowak, erklärte am Montag, dem 12. Oktober 2026, in einer im Fernsehen übertragenen Stellungnahme, Russland habe seit 2022 trotz westlicher Sanktionen Energie im Wert von 320,7 Milliarden Dollar an europäische Länder verkauft. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 hätten europäische Länder russisches Öl und Gas im Wert von 21,3 Milliarden Dollar gekauft, sagte er. Nowak erklärte zudem, die russischen Ölexporte könnten bis zum Jahresende wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Die Lieferungen würden in einigen von Sanktionsausnahmen erfassten Bereichen fortgesetzt, so Nowak. Moskaus Summe umfasst keine russischen Kohlenwasserstoffe, die nach einer Verarbeitung in Drittländern wie Indien und der Türkei indirekt nach Europa gelangen; deren Käufe russischen Rohöls sind ebenso wie die Chinas seit 2022 stark gestiegen.
Brüssels niedrigere Zahl
Die Europäische Kommission bezifferte die EU-Ausgaben für russische Energie auf rund 197 Milliarden Euro beziehungsweise 209 Milliarden Dollar bis Juli 2026, gerechnet ab dem Einmarsch in die Ukraine Ende Februar 2022. Kommissionssprecherin Anna-Kaisa Itkonen sagte, ohne die EU-Politik des Verzichts auf russisches Öl und Gas hätte der Block 475 Milliarden Euro – also 278 Milliarden Euro mehr – für russische fossile Brennstoffe ausgegeben. Sie betonte die Richtung:
Entscheidend ist, was langfristig passiert, mit einem sehr klaren Abwärtstrend.
Die beiden Summen decken unterschiedliche Zeiträume und Umfänge ab, und die Zahl der Kommission endet im Juli 2026, sodass beide Seiten nicht dasselbe messen.
Abhängigkeit vom Gas
Russisches Gas machte 2021 45 Prozent der EU-Gasimporte aus, 2025 waren es 12 Prozent. Die EU will im Herbst 2027 endgültig auf russisches Gas verzichten, importiert aber weiterhin Flüssigerdgas (LNG) aus Russland. Die deutsche NGO Urgewald erklärte, die EU habe in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 LNG im Wert von rund 7,88 Milliarden Euro vom russischen Terminal Jamal importiert, verteilt auf 167 Ladungen zwischen Januar und September. Ungarn und die Slowakei verfügen über Ausnahmen, die ihnen den Kauf von russischem, per Pipeline geliefertem Öl erlauben, und Frankreich gehört zu den Ländern, die weiterhin russisches LNG kaufen.
Der Hilfsvergleich
Die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard sagte am 12. Oktober vor ihren EU-Amtskollegen in Luxemburg, die Summe der russischen Importe in die EU seit 2022 – nicht nur Kohlenwasserstoffe – sei höher als die Hilfe, die die EU der Ukraine gewährt habe. Für diese Hilfe nennen Quellen unterschiedliche Zahlen: Ein Bericht beziffert sie seit 2022 auf 228,7 Milliarden Euro, ein anderer auf 218,7 Milliarden Euro (rund 244 Milliarden Dollar). Stenergard argumentierte, die Nutzung eingefrorener russischer Vermögen in der EU würde die gesamte Unterstützung für die Ukraine nahezu verdoppeln, und dies wäre eine echte Veränderung, die die Ukraine brauche.
Washingtons Reaktion
US-Präsident Donald Trump kündigte am Freitag, dem 9. Oktober, eine Vereinbarung mit Wladimir Putin an, wonach Russland Diesel an die Weltmärkte liefern soll, um steigende Preise zu dämpfen. Am Montag, dem 12. Oktober, schrieb Trump auf Truth Social, die EU habe Russland 250 Milliarden Dollar für Energie gezahlt – eine Zahl, die deutlich unter Moskaus 320,7 Milliarden Dollar liegt. US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Sonntag, dem 11. Oktober, die aus seiner Sicht bestehende Heuchelei der Europäer kritisiert und erklärt, sie finanzierten weiterhin Wladimir Putin, während sie den Diesel-Deal ablehnten. Kirill Dmitrijew, Putins Berater für internationale Wirtschaftszusammenarbeit, kritisierte am 12. Oktober ebenfalls EU-Vertreter auf X.
- Trump kündigt einen Diesel-Liefervertrag mit Putin an
- Bessent kritisiert europäische Heuchelei bei der Finanzierung Russlands
- Nowak nennt 320,7 Milliarden Dollar Verkäufe; Trump sagt, die EU habe Russland 250 Milliarden Dollar gezahlt
- Die Kommission nennt eine niedrigere Zahl von rund 197 Milliarden Euro
