Sechs Seen in Mérida geschlossen
Die Gesundheitsbehörden des mexikanischen Bundesstaates Yucatán haben sechs künstliche Seen geschlossen, nachdem Wasserproben Naegleria fowleri nachgewiesen hatten – eine winzige Amöbe, die eine seltene und fast immer tödliche Hirninfektion auslösen kann. Die Gesundheitsbeamten untersuchten neun Gewässer in der Stadt Mérida, in sechs davon fand sich die Amöbe. Die Seen liegen in luxuriösen Wohnanlagen und Einkaufszentren, wo sie für Wasserski, Kajakfahren und Stand-up-Paddling genutzt werden, und sind für Freizeitnutzer nicht mehr zugänglich. Die Schließung folgte auf den Tod eines Mannes im September an der Infektion. Eine allgemeine Sperrung natürlicher Badegewässer wurde nicht angeordnet, und die Parks, in denen die Seen liegen, bleiben geöffnet.
Ein Todesfall im September und ein früherer Fall
Ein Mann im Alter von 33 oder 34 Jahren – je nach Bericht – starb im September an einer primären Amöben-Meningoenzephalitis, der Hirninfektion, die durch Naegleria fowleri verursacht wird. Er hatte als Wasserski-Lehrer an einem künstlichen See gearbeitet, in dem die Amöbe später nachgewiesen wurde, und war mehrere Tage im Krankenhaus behandelt worden, bevor er starb. Dies ist der erste bestätigte Todesfall durch die Amöbe in Yucatán. Alle sechs betroffenen Gewässer werden für Freizeitaktivitäten genutzt. Die folgende Zeitleiste stellt den mexikanischen Fall einem tödlichen Fall in den Vereinigten Staaten im August gegenüber.
- Ein achtjähriges Mädchen in Louisiana stirbt nach einer Infektion, die es sich wahrscheinlich beim Schwimmen zugezogen hat
- Das Gesundheitsministerium von Louisiana teilt mit, dass eine Einwohnerin sich wahrscheinlich beim Schwimmen im Lake Claiborne mit der Amöbe infiziert hat
- Ein Mann stirbt in Yucatán nach einer Hirninfektion durch Naegleria fowleri
Behörden mahnen Kontrollen und eine Untersuchung an
Alberto Alcocer, der Gesundheitsminister des Bundesstaates, forderte Einwohner, die mit kontaminiertem Wasser in Berührung gekommen sein könnten, auf, schnell einen Arzt aufzusuchen. In einem Video sagte er, dass der Nachweis der Amöbe in der Umwelt nicht bedeute, dass eine Epidemie existiere, noch dass Menschen, die diese Orte besucht hätten, krank seien. Er erklärte, dass eine Infektion erfolgt, wenn kontaminiertes Wasser in die Nase gelangt, und sagte, die Präventionsmaßnahmen müssten fortgesetzt werden. Die Regionalregierung hat eine Untersuchung gegen die Unternehmen eingeleitet, die den ersten kontaminierten See instand halten und seine Wasserqualität überwachen. Die Behörden planen zudem eine strengere Überwachung der Cenoten, der natürlichen Süßwasserbecken im Kalkstein, die zu den Hauptattraktionen des Bundesstaates gehören.
Ein tödlicher Fall in Louisiana
Im August starb ein achtjähriges Mädchen im US-Bundesstaat Louisiana nach einer Infektion mit Naegleria fowleri. Ihre Familie und die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass sie wahrscheinlich beim Schwimmen in einem See nahe ihrem Zuhause mit dem Erreger in Kontakt gekommen ist. Das Gesundheitsministerium von Louisiana teilte am 19. August mit, dass eine Einwohnerin sich wahrscheinlich beim Schwimmen im Lake Claiborne infiziert habe, der etwa 48 Kilometer nordwestlich von Ruston liegt, der Heimatstadt des Kindes. Die US-Centers for Disease Control and Prevention bezeichnen solche Infektionen als extrem selten, aber fast immer tödlich, und erklären, dass der Erreger nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird.
Wie die Amöbe Menschen infiziert
Das Robert Koch-Institut erklärt, der Erreger sei besonders in subtropischen und tropischen Regionen verbreitet. Er verbreite sich vor allem in warmem Wasser und könne beim Schwimmen über die Nase ins Gehirn gelangen. Einmal dort angekommen, könne er eine Entzündung der Hirnhäute verursachen, die in den meisten Fällen zu Koma und Tod führe. Typische frühe Symptome sind starke Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit und Erbrechen.