Wie die Proteste gewaltsam wurden
Proteste gegen Wassermangel und die steigenden Lebenshaltungskosten hatten sich schon vor dem Schuss aufgebaut. 20 Minuten berichtet, der Wassermangel habe fast zwei Wochen angedauert, während die BBC den Beginn der friedlichen Proteste auf etwa eine Woche vor der Gewalt datiert. Die Unruhen eskalierten am Freitag, dem 9. Oktober, als die Polizei nach Angaben der BBC eine 27-jährige Frau an einer Straßensperre anschoss; Zeugen sagten gegenüber 20 Minuten, der Beamte habe ohne Vorwarnung geschossen. Europa Press bezeichnet die darauffolgenden Ausschreitungen als die schwerste Unruhewelle seit 25 Jahren. Demonstranten verbrannten Reifen und blockierten Straßen, und Al Jazeera berichtet, dass am Montag, dem 12. Oktober, Demonstranten aus Protest gegen den Schuss dasselbe taten. Bloomberg beschreibt die Ausschreitungen und Plünderungen vom 12. Oktober als die schlimmsten seit 1999, und 20 Minuten berichtet, zwei Supermärkte seien geplündert und mehrere Beamte bei Angriffen auf Polizeistationen verletzt worden.
Ausgangssperre und Schulschließungen
Am Dienstag, dem 13. Oktober, kündigte Premierminister Navin Ramgoolam eine Ausgangssperre an, die nach Angaben von Al Jazeera von 20:30 Uhr bis 6 Uhr gelten sollte. Europa Press berichtet, die Regierung habe sie für Mittwoch, den 14. Oktober, verlängert, wobei die neue Ausgangssperre von 20:30 Uhr bis 05:00 Uhr am Donnerstag, dem 15. Oktober, gelten soll. Ramgoolam machte eine Gruppe verantwortlich, die seiner Aussage nach Hass und Gewalt schüre, und warnte in einer Ansprache an die Nation vor Konsequenzen:
Diejenigen, die diese Taten begangen haben, werden die sehr schweren Konsequenzen tragen müssen, die ihre unpatriotischen Handlungen rechtfertigen.
Die Angaben zum Gebiet der ersten Ausgangssperre gehen auseinander: Europa Press nennt 15 Regionen einschließlich der Hauptstadt Port Louis, während 20 Minuten zehn Verwaltungsregionen beschreibt, die etwa ein Drittel der Insel abdecken. Die Schulen bleiben für den Rest der Woche ab dem 12. Oktober geschlossen, nur Schulen mit internationalen Prüfungen bleiben geöffnet, berichtet Europa Press, und die BBC meldet, dass auch der öffentliche Nahverkehr eingestellt wurde.
- Die Polizei schießt an einer Straßensperre auf eine 27-jährige Frau und verletzt sie
- Demonstranten verbrennen Reifen und blockieren Straßen
- Der Premierminister kündigt eine Ausgangssperre von 20:30 Uhr bis 6 Uhr an
- Die Ausgangssperre wird für Mittwoch- und Donnerstagnacht verlängert
Reaktion der Polizei und Ermittlungen zum Schuss
Die Polizei meldete trotz der Ausgangssperre mehrere Vorfälle in der Nacht und nahm mehrere Personen fest, berichtet die BBC. Am Mittwochmorgen, dem 14. Oktober, erklärte die Polizei, der Verkehr fließe wieder auf der ganzen Insel, und forderte die Einwohner auf, ihre normalen Aktivitäten wieder aufzunehmen. Der Beamte, der geschossen hat, sei festgenommen und in Untersuchungshaft genommen worden, so die BBC, und Europa Press zufolge wurde er formell beschuldigt. Die Polizei erklärt, eine Untersuchung des Schusses laufe, die Umstände blieben unklar. Die 27-jährige Frau sei operiert worden, um eine Kugel zu entfernen, teilte das Gesundheitsministerium nach Angaben von Al Jazeera mit, und 20 Minuten berichtet, sie befinde sich weiterhin im Krankenhaus.
Touristen vor Ort
Eine Frau aus der Westschweiz, die in Grand Baie an der Nordküste Urlaub machte, sagte gegenüber 20 Minuten, Geschäfte und Restaurants seien geschlossen gewesen und ihre Gruppe habe Mühe gehabt, Lebensmittel zu finden. Die Gruppe habe schließlich einen kleinen Laden mit heruntergelassenen Rollläden gefunden und dort Wasser, Brot und Nudeln gekauft. Sie sagte, die Polizei habe die Straßen patrouilliert, um sicherzustellen, dass alle, auch Hotelgäste, vor 20:30 Uhr drinnen seien. Einheimische hätten Touristen gewarnt, ab 18 Uhr von der Straße zu bleiben, sagte sie. Ausländische Botschaften gaben Warnungen heraus, in denen sie ihre Staatsangehörigen zur Vorsicht mahnten, berichtet die BBC, und 20 Minuten zufolge scheint der Flugverkehr vorerst weiterzulaufen.
Ausblick
Das Kabinett soll am Mittwochnachmittag, dem 14. Oktober, zusammenkommen, um die Lage neu zu bewerten und über die nächsten Schritte zu entscheiden, berichtet die BBC. Zoë McCathie, Analystin beim südafrikanischen Unternehmen Signal Risk, sagte der BBC, die Regierung habe zu Beginn des Mangels zusätzliches Wasser an die Haushalte geliefert. Es sei der Regierung gelungen, das Schlimmste der Unruhen einzudämmen, doch in einigen Gebieten könnten die Proteste zurückkehren, sagte sie. Der Wassermangel werde voraussichtlich bis zur Regenzeit im Dezember andauern, sagte sie.
