Staatsanwaltschaft fordert bis zu zwölf Jahre

Staatsanwalt Patricio Ferrari hat am Donnerstag, dem 8. Oktober, zum Auftakt der Plädoyers im Prozess in San Isidro nördlich von Buenos Aires Haftstrafen gefordert. Die schwerste Forderung, zwölf Jahre, richtete sich gegen den Neurochirurgen Leopoldo Luque, Maradonas Leibarzt, der das medizinische Team leitete. Für Nancy Forlini, die medizinische Koordinatorin des Krankenversicherers Swiss Medical, forderte Ferrari nach Angaben von DW, N-tv und Notícias ao Minuto zehn Jahre, während ANSA acht Jahre für sie meldete. Für die Psychiaterin Agustina Cosachov wurden acht Jahre gefordert, für den Psychologen Carlos Díaz fünf und für den Pfleger Ricardo Almirón und dessen Vorgesetzten Mariano Perroni jeweils vier Jahre. Luque, Forlini und Cosachov sind wegen Totschlags mit bedingtem Vorsatz angeklagt, Díaz, Almirón und Perroni wegen fahrlässiger Tötung.

Von der Staatsanwaltschaft geforderte Haftstrafen (Jahre)
Leopoldo Luque12Nancy Forlini10Agustina Cosachov8Carlos Díaz5Ricardo Almirón4Mariano Perroni4

Die Staatsanwaltschaft forderte zudem nach Angaben von DW und Notícias ao Minuto zehn Jahre Berufsverbot für Luque, Forlini und Cosachov. Für den Klinikarzt Pedro Di Spagna, der Maradona nur einmal besuchte, wurde ein Freispruch beantragt.

Die Argumentation der Anklage

Ferrari argumentierte, Maradonas Tod hätte vermieden werden können und die medizinische Versorgung sei unzureichend gewesen. Den Zustand des Patienten beschrieb er in drastischen Worten.

Maradona war kein gesunder Patient, der unerwartet starb, sondern ein Patient mit extrem komplexen medizinischen Problemen.

— Patricio Ferrari

Ferrari bezeichnete Maradona nach dessen Entlassung als medizinische „Zeitbombe“ und sagte, die Behandlung sei von einer chaotischen Organisation geprägt gewesen. Vor den Richtern erklärte er, in dem Haus habe es keine Handschuhe, Kompressen, Infusionen, keinen Erste-Hilfe-Kasten, keinen Defibrillator und keinen Krankenwagen gegeben. Die Staatsanwaltschaft beschrieb die Behandlung als „anarchisch“, mit zwei Verantwortlichen und zwei unabhängigen Informationskanälen. Die Angeklagten hätten das von ihnen geschaffene Risiko gekannt.

Da sie das Risiko vorausgesehen und akzeptiert hätten, hätten sie das Ergebnis mit Gleichgültigkeit herbeigeführt.

— Patricio Ferrari

Chronologie des Jahres 2020 und des Prozesses

Maradona wurde am 11. November 2020 nach einer Operation wegen eines Subduralhämatoms entlassen und in ein Haus in Tigre nördlich von Buenos Aires gebracht. Dort starb er am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren. Die Angaben zur Todesursache gehen auseinander: Mediafax nennt Herzversagen und akutes Lungenödem, N-tv einen Herzinfarkt und DW ein Lungenödem und einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Ein ANSA-Bericht gab den 20. November als Todesdatum an. Zum Prozessauftakt am 14. April hatte Ferrari argumentiert, Maradona habe zwölf Stunden vor seinem Tod zu sterben begonnen.

Schlüsseldaten im Fall Maradona
  1. Maradona wird entlassen und in ein Haus in Tigre gebracht
  2. Maradona stirbt im Alter von 60 Jahren
  3. Prozessbeginn in San Isidro
  4. Staatsanwalt Patricio Ferrari fordert in seinem Plädoyer Haftstrafen

Der Prozess läuft seit etwa sieben Monaten in San Isidro, mit 45 Verhandlungen, 75 Zeugenaussagen und rund hundert aus den Telefonen der Angeklagten ausgelesenen Nachrichten, wie Notícias ao Minuto berichtet. ANSA meldete, der erste Prozess sei nach einem Skandal um einen heimlich von Richterin Julieta Makintach gedrehten Dokumentarfilm annulliert worden. Mediafax berichtet, dass die achte Angeklagte, die Pflegerin Dahiana Gisela Madrid, getrennt vor einer Jury vor Gericht gestellt wird.

Verteidigung und nächste Schritte

Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe, und die Verteidigung weist die Anschuldigungen zurück. Die Plädoyers der Nebenkläger und der Verteidigung sollen nach Angaben von N-tv in den kommenden zwei Wochen folgen. Das Urteil des Gerichts von San Isidro steht noch aus.

Der Kern der Anklage ist angesichts dessen, was im Prozess zutage getreten ist, unangetastet geblieben.

— Patricio Ferrari

Notícias ao Minuto berichtet, die Staatsanwaltschaft habe Luque und Forlini als Hauptverantwortliche bezeichnet. Der Hauptvorwurf sieht nach Angaben von ANSA eine Strafe zwischen acht und 25 Jahren Haft vor.