Stromnetzentgelte steigen bundesweit, deutliche Länderunterschiede

Berechnungen von Verivox auf Basis der veröffentlichten Daten der Netzbetreiber zeigen, dass die Stromnetzentgelte zum Jahreswechsel 2027 bundesweit um durchschnittlich 1,9 Prozent steigen. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden steigt der Durchschnittswert von 428 Euro auf 436 Euro brutto, ein Plus von 8 Euro. Das regionale Bild fällt sehr unterschiedlich aus. Im Saarland steigen die Stromnetzentgelte um 7,8 Prozent oder 38 Euro und damit weit über den Bundesdurchschnitt, während Hessen einen Anstieg von 2,7 Prozent, etwa 12 Euro brutto, verzeichnet. Rheinland-Pfalz bildet die Ausnahme: Hier sinken die Entgelte um 0,7 Prozent oder rund 4 Euro brutto entgegen dem Bundestrend. In den alten Bundesländern dürften die Stromnetzentgelte um durchschnittlich 10 Euro steigen, in den neuen Ländern dagegen um durchschnittlich 3 Euro sinken. Hamburg verzeichnet den stärksten Stromanstieg.

Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, sagte, die regionalen Entgelte hingen von den Kosten für den Bau und Betrieb der lokalen Stromnetze ab.

Wie hoch die Netzentgelte ausfallen, hängt auch von den Kosten für den Ausbau und Betrieb der regionalen Stromnetze ab.

— Thorsten Storck

Storck verwies zudem auf eine politische Änderung: Seit 2025 erhalten Regionen, die viel Wind- und Solarstrom erzeugen, eine Entlastung.

Veränderung der Stromnetzentgelte 2027 nach Region (%) (%)
Deutschland (Bundesdurchschnitt)1,9Hessen2,7Rheinland-Pfalz-0,7Saarland7,8

Gekürzter Bundeszuschuss treibt Übertragungskosten

Hauptursache für die steigenden Entgelte ist laut Verivox ein schrumpfender Bundesanteil an den Kosten der Übertragungsnetze. 2026 stellte der Bund 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit, für 2027 sind 5,525 Milliarden Euro geplant. Das ist ein Rückgang um 15 Prozent, die Kürzung beläuft sich auf knapp eine Milliarde Euro. Die Übertragungsnetzbetreiber legen diese Kosten auf die Betreiber der nachgelagerten Verteilnetze um, und die Aufschläge erscheinen als Netzentgelte auf der Stromrechnung der Haushalte. Trotz der Milliarden an staatlichen Zuschüssen steigt die Belastung durch die Stromnetzentgelte bundesweit also weiter.

Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten (Mrd. Euro) (Mrd. Euro)
20266,52027 (geplant)5,53

Gasnetzentgelte und regionale Unterschiede

Die Gasnetzentgelte dürften bundesweit um etwa 3 Prozent steigen, was Verivox für ein Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden mit 19 Euro pro Jahr beziffert. In Rheinland-Pfalz steigen sie um 4,4 Prozent oder 27 Euro, in Hessen um 3,7 Prozent oder 20 Euro und im Saarland um 2,6 Prozent, ebenfalls 19 Euro. Überdurchschnittliche Anstiege werden in Berlin, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg erwartet, während Sachsen und Thüringen leichte Rückgänge verzeichnen. Verivox führt den Gasanstieg auf den gesunkenen Gasverbrauch in Deutschland seit dem Wegfall des russischen Pipelinegases 2022 zurück, wodurch sich die Netzkosten auf weniger Kilowattstunden verteilen.

Großhandelspreise und erwartete Versorgererhöhungen

Die Großhandelspreise, die seit Beginn des Iran-Kriegs stark gestiegen sind, belasten die Heizkosten der Haushalte stärker. Storck sagte, der Anstieg der Gasnetzentgelte falle im Vergleich zu diesen Sprüngen bei den Großhandelspreisen kaum ins Gewicht. Er erwartet zum Jahreswechsel bundesweite Preiserhöhungen, da die Gasversorger höhere Beschaffungskosten an ihre Kunden weitergeben. Wie hoch diese Erhöhungen ausfallen, hänge vom jeweiligen aktuellen Tarif des Kunden ab.

Sie werden je nach aktuellem Tarif zwischen 10 und 20 Prozent liegen.

— Thorsten Storck

Die Zahlen zeigen, dass Haushalte 2027 mit höheren Netzentgelten rechnen müssen, mit dem stärksten Stromanstieg im Saarland und dem stärksten Gasanstieg in Rheinland-Pfalz.