Erste Preisrückgänge an deutschen Zapfsäulen

Am 1. Oktober 2026 führte Deutschland eine befristete Senkung der Kraftstoffsteuern ein, um die Preise an den Zapfsäulen bis Ende Dezember zu senken. Die Maßnahme kostet rund 2,5 Milliarden Euro, finanziert je zur Hälfte vom Bund und den Bundesländern. Die Regelung senkt die Energiesteuer um 14 Cent pro Liter, wodurch zusätzlich drei Cent Mehrwertsteuer entfallen – eine erwartete Gesamtsenkung von 17 Cent pro Liter. Nach Angaben des ADAC sanken die bundesweiten Durchschnittspreise am Donnerstag um rund 13 Cent, wobei Super E10 auf 2,114 Euro pro Liter und Diesel auf 2,262 Euro pro Liter fiel.

Durchschnittliche deutsche Kraftstoffpreise vor und nach der Steuersenkung (€/l)
Super E10 (Sonntag)2,29Super E10 (Donnerstag)2,11Diesel (Sonntag)2,44Diesel (Donnerstag)2,26

Globale Ölpreise begrenzen die Entlastung

Die Bewegungen am Rohölmarkt begrenzen weiterhin das Ausmaß der Entlastung der Verbraucher in ganz Europa. Am Montag stieg Brent um mehr als drei Prozent auf 107,51 Dollar pro Barrel, während West Texas Intermediate nach der Ablehnung eines vorgeschlagenen Abkommens mit Iran durch US-Präsident Donald Trump 95,16 Dollar pro Barrel erreichte. Heizöl erreichte laut der Handelsplattform Heizoel24 169,01 Euro pro 100 Liter. Manuel Frondel, Energieexperte am RWI-Institut in Essen, erklärte, die europäischen Bestände an Diesel, Benzin und Kerosin lägen weiterhin rund 20 Prozent unter dem Normalniveau, was verhindere, dass die Preise an den Zapfsäulen unter zwei Euro pro Liter fallen.

Diesmal wird es aber wohl nicht für Kraftstoffpreise unter zwei Euro reichen; Benzin und Diesel sind heute deutlich teurer als damals.

— Manuel Frondel

Grenzpendler und tägliche Preisverschiebungen

Die niedrigeren deutschen Preise veranlassten Autofahrer aus den Nachbarländern, zum Tanken über die Grenze zu fahren. In der nordrhein-westfälischen Grenzgemeinde Wyler reisten niederländische Autofahrer an, um ihre Tanks zu füllen und Konsumgüter zu kaufen, die in den Niederlanden höheren Verbrauchs- und Mehrwertsteuern unterliegen. Tankstellenleiter Wolfgang Osterkamp bemerkte eine erhöhte Kundenfrequenz, besonders um die Mittagszeit. Daten der Plattform Tankerkönig, über die die Tagesschau berichtete, zeigten, dass Kraftstoff in den Morgenstunden am günstigsten ist, bevor die Preise nach 12:00 Uhr um etwa 20 Cent pro Liter steigen.

Ich bin extra hierher gefahren. Ich habe auch genau bis heute gewartet.

— Jan Geutjes

Branchenkritik und geplante Preisobergrenze 2027

Die Politik steht bei Transportunternehmen und Verbraucherschützern in der Kritik. Der Deutsche Speditions- und Logistikverband erklärte, kurzfristige Steuersenkungen verursachten über vertragliche Kraftstoffpreisklauseln Schwankungen der Frachtraten, ohne die breiteren strukturellen Kostensteigerungen zu lösen. DSLV-Präsident Axel Plaß forderte den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für schwere Lkw statt einer Abhängigkeit von befristeten Entlastungen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger von der CDU verteidigte die Subvention als notwendige Hilfe für Pendler und Unternehmen. Das Bundesministerium für Wirtschaft bereitet einen Gesetzentwurf für eine förmliche Kraftstoffpreisobergrenze vor, nach dem Vorbild von Systemen in Luxemburg und Belgien, die spätestens Anfang 2027 zusammen mit direkten Entlastungszahlungen in Kraft treten soll.

Das Geld fehlt an anderen Stellen und droht zu einem Unternehmensrabatt zu werden, denn wir sehen, dass es nicht wirklich eins zu eins an die Verbraucher weitergegeben wird.

— Ramona Pop
Zeitplan der deutschen Kraftstoffentlastung
  1. Senkung der Energiesteuer um 14 Cent pro Liter tritt bundesweit in Kraft
  2. Geplantes Auslaufen des befristeten Tankrabatts
  3. Geplante Einführung einer gesetzlichen Kraftstoffpreisobergrenze