Partei verteidigt die Regeln
Aserbaidschans regierende Partei Neues Aserbaidschan (YAP) verteidigte am Dienstag, dem 13. Oktober, die neuen Schulkleidungsregeln und forderte ihren engen Verbündeten Türkei auf, sich aus den inneren Angelegenheiten des Landes herauszuhalten. Das Ministerkabinett hatte am 21. September ein Dekret gebilligt, das Schülern Kleidung untersagt, die von der offiziellen Schuluniform abweicht oder mit dem säkularen Charakter der staatlichen Bildung kollidiert. Eine separate Maßnahme für Lehrkräfte folgte am 6. Oktober, und am 12. Oktober begannen in Bakuer Schulen Kontrollen zur Einhaltung. Der Text erwähnt das Kopftuch nie, doch Berichten zufolge wurde Schülern und Lehrkräften, die eines tragen, der Zutritt verweigert, und Lehrkräfte sagten gegenüber BBC Azerbaijani, Schulleitungen in Baku und Sumgait hätten sie aufgefordert, das Kopftuch abzulegen oder ihre Stelle aufzugeben. Die Behörden haben nicht veröffentlicht, wie die Regel angewandt wird, einschließlich der Frage, ob ein Schüler in Nicht-Uniform-Kleidung noch am Unterricht teilnehmen darf.
Proteste und Festnahmen
Die Proteste begannen am 10. Oktober, nachdem die Behörden angekündigt hatten, dass die Schulleitungen die Kleidung von Schülern und Lehrkräften überwachen würden. RFI berichtet, dass Schüler in Balakhany, einem Vorort von Baku, protestierten, nachdem ein Mädchen mit Kopftuch vom Unterricht abgewiesen worden war. Als die Kontrollen am 12. Oktober in Baku begannen, kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Schulpersonal. Das Innenministerium erklärte, 37 Personen seien wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen worden, und am 13. Oktober meldete es sieben weitere Festnahmen, darunter fünf Schüler der 10. und 11. Klasse, die der Organisation von Brandstiftung verdächtigt werden. Aktivisten, zitiert vom Caucasian Knot, bezifferten die Zahl der am 12. Oktober Festgenommenen auf mehr als 200, eine Angabe, die auch einige offizielle Medien ohne Quellenangabe wiederholten. Berichte beschreiben zudem, dass ein Auto eines Schuldirektors im Bezirk Garadagh in Brand gesetzt wurde und unbekannte Personen am 13. Oktober in Bina Steine auf eine Schule warfen und zwei Schüler verletzten.
- Ministerkabinett billigt Dekret über säkulare Schülerkleidung
- Dieselben Kleidungsregeln auf Lehrkräfte ausgeweitet
- Inhaftierter Journalist Polad Aslanov beginnt Hungerstreik zur Unterstützung kopftuchtragender Schüler
- Proteste beginnen, nachdem Schulleitungen angewiesen wurden, die Kleidung zu überwachen
- Kleidungsvorschrift-Kontrollen beginnen in Bakuer Schulen; Innenministerium meldet 37 Festgenommene
- Innenministerium meldet sieben weitere Festnahmen, fünf davon Schüler, die der Brandstiftung verdächtigt werden
Online-Zugang
Nutzer in Aserbaidschan berichteten von Schwierigkeiten, Instagram und TikTok zu erreichen, und einige meldeten auch langsame YouTube- und Gmail-Anmeldungen. BBC Persian überprüfte dies mit eigenen Kontakten und stellte fest, dass nur einer von acht TikTok öffnen konnte. Die Behörden haben weder eine Sperre bestätigt noch eine Störung erklärt. Die Zugangsprobleme nähren Spekulationen, die Regierung habe die Internetnutzung während der Proteste eingeschränkt, doch keine Quelle hat dies belegt. Der Caucasian Knot berichtete von denselben Zugangsschwierigkeiten.
Türkei und der politische Streit
Oktay Saral, ein Berater von Präsident Recep Tayyip Erdogan, schrieb am Montag auf X, es sei "inakzeptabel", aserbaidschanischen Schülern, die Kopftuch tragen, die Bildung zu verweigern. Er fügte einen direkten Appell hinzu, der hier zitiert wird:
Ein Kopftuch ist kein Hindernis; es ist eine Anforderung des religiösen Glaubens.
Er bat Aserbaidschan zudem, die Maßnahme so schnell wie möglich rückgängig zu machen. Auch AKP-Abgeordnete kritisierten die Regeln, darunter Müfit Aydın aus Bursa, der ein Ende der Praxis forderte, und Parteisprecher Ömer Çelik sagte am 7. Oktober, die beiden Länder würden nicht zulassen, dass politische Spannungen zwischen ihnen entstehen. Am Dienstag verurteilte die YAP Sarals Äußerungen als "populistisch und unverantwortlich" und warnte, sie könnten den Beziehungen schaden. Die Partei wies darauf hin, dass auch die Türkei verfassungsrechtlich säkular sei, und berief sich auf das Prinzip "eine Nation, zwei Staaten", um jede Einmischung in Aserbaidschans innere Angelegenheiten zurückzuweisen. Demonstranten versammelten sich vor dem aserbaidschanischen Konsulat in Istanbul, und ANSA berichtet, Präsident Ilham Aliyev habe die Proteste kritisiert, ohne die Türkei zu nennen, und gefordert, dass nichts die Lebensweise des Landes beeinträchtigen dürfe. Ankara hat offiziell nicht reagiert.
Hintergrund und weiterer Kontext
Aserbaidschans Verfassung trennt Religion und Staat und garantiert die Religionsfreiheit; die Bevölkerung ist überwiegend muslimisch, wobei der Anteil je nach Quelle differiert: BBC Persian nennt mehr als 90 %, während ANSA etwa 96 % angibt. BBC Azerbaijani erinnert daran, dass eine ähnliche Schuluniform-Regelung im Jahr 2010 zwischen 2010 und 2012 zu Protesten führte und die Regierung damals zurückruderte. İlkin Hasanov vom BBC Azerbaijani Service argumentiert, die Regierung sei nach ihrem Sieg im Zweiten Karabach-Krieg 2020 nun stärker. Polad Aslanov, ein Journalist, der eine 16-jährige Haftstrafe verbüßt, begann am 8. Oktober einen Hungerstreik und fordert Schutz für seine Tochter und andere Schülerinnen mit Kopftuch. Eine Änderung des Allgemeinen Bildungsgesetzes im Juli hatte bereits den säkularen Charakter der Bildung betont.