Partys in Studentenverbindungen ausgesetzt und neue Schutzmaßnahmen
Am Dienstag, dem 13. Oktober, kündigte die Cornell University an, dass alle Partys und gesellschaftlichen Veranstaltungen in Häusern von Studentenverbindungen des Interfraternity Council für den Rest des Studienjahres ausgesetzt werden. Präsident Michael Kotlikoff erklärte in einer Stellungnahme, jede Verbindung, die das Verbot breche, müsse mit einer sofortigen Notfall-Suspendierung rechnen. Die Universität wird Ermittler für sexuelle Übergriffe in ihre Campus-Polizei aufnehmen und zusätzliches Personal im Cornell Office of Civil Rights einstellen. Auch Strafermittler der New York State Police sollen Vorwürfe auf dem Campus untersuchen. Kotlikoff versprach zudem, mit Studierenden und Lehrenden an sichereren sozialen Alternativen zur Partykultur der Verbindungen zu arbeiten.
Die Berichte über die Dauer des Verbots gehen auseinander. Die Deutsche Welle schreibt, es gelte bis zum Ende des Studienjahres 2026/2027, während tagesschau berichtet, es dauere bis Mitte Mai. Ein Vorschlag sieht vor, die Umsetzung der Empfehlungen zu beschleunigen, die eine Arbeitsgruppe der Universität im März zum Thema sexuelle Übergriffe vorgelegt hat. Anfang Oktober hatte Kotlikoff der früheren US-Vize-Justizministerin Sally Yates die Aufgabe einer unabhängigen Überprüfung der Hochschulpolitik zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs übertragen.
Die Vorwürfe und der Fall von 2024
Im Zentrum des Falls steht eine ehemalige Studentin, die den Namen „Jane Doe“ verwendet. Sie sagt, in der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober 2024 im Haus der Verbindung Chi Phi Alkohol getrunken und dazu gedrängt worden zu sein, Ketamin zu schnupfen. Unter dem Einfluss beider Substanzen sei sie stundenlang von sieben Mitgliedern der Verbindung gruppenvergewaltigt worden. Die Verbindung ist laut The Independent inzwischen aufgelöst.
Im September 2026 reichte sie eine Zivilklage gegen die sieben Männer, zwei Verbindungen und die Universität ein. Die örtliche Staatsanwaltschaft entschied, keine Anklage zu erheben, und keiner der Männer wurde strafrechtlich beschuldigt. Alle bestreiten ein Fehlverhalten. Laut tagesschau wandte sich Jane Doe vor etwa zwei Jahren an die Campus-Polizei, und nur zwei der sieben Männer mussten Cornell verlassen, während sie selbst die Universität verließ.
- Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in einem Chi-Phi-Haus, Nacht vom 19. auf den 20. Oktober
- Präsidial-Arbeitsgruppe zu sexuellen Übergriffen eingerichtet
- Arbeitsgruppe der Universität legt Empfehlungen zu sexuellen Übergriffen vor
- Klage unter dem Namen Jane Doe eingereicht
- Cornell setzt Partys in Studentenverbindungen aus und stellt Ermittler für sexuelle Übergriffe ein
Kotlikoff räumt ein, davon gewusst zu haben
In einem am Dienstag, dem 13. Oktober, veröffentlichten Interview mit der New York Times räumte Kotlikoff ein, dass er 2024 wusste, dass eine Studentin gemeldet hatte, in einer Verbindung gruppenvergewaltigt worden zu sein, aber nie nachgefasst habe. Er habe nicht erfahren, ob einer der beschuldigten Männer bestraft wurde, und er habe nicht gewusst, dass sie Cornell verlassen hatte, bis sie im September ihre Klage einreichte.
Dass Jane Doe in Cornell erlebt hat, was sie erlebt hat, tut mir persönlich leid.
Kotlikoff sagte, er werde nicht zurücktreten, obwohl das Vertrauen in seine Führung gelitten habe und einige seinen Rücktritt gefordert hätten. Er verwies auf eine Präsidial-Arbeitsgruppe zu sexuellen Übergriffen, die er im Februar 2025 eingerichtet hatte, und sagte, sie habe in diesem Jahr für alle neuen Studierenden eine Orientierungsschulung zu sexuellen Übergriffen und Zivilcourage eingeführt.
Proteste und Kritik
Laut tagesschau versammelten sich etwa 1.000 Demonstrierende im Stadtzentrum von Ithaca, viele von ihnen aus anderen Universitätsstädten. Die Demonstrierenden forderten sofortige Veränderungen. Maishay Causey, Studentin und Mitglied des Studierendenparlaments, sagte, die Universitätsleitung habe das in sie gesetzte Vertrauen ignoriert, und sie prophezeite, dass die Studierenden bald ihr eigenes Misstrauen zum Ausdruck bringen würden. Professorin Julia Chang sagte, die Maßnahmen gingen nicht weit genug.
In Kotlikoffs Stellungnahme zu dem Fall heißt es: „Es ist klar, dass Frauen auf unserem Campus weiterhin infrage stellen, ob sie sicher sind.“
Trump und die politische Dimension
Die NZZ berichtet, US-Präsident Donald Trump habe Sympathie für die Studierenden geäußert. Die Zeitung bringt sein Engagement mit seinem früheren Streit mit der New Yorker Staatsanwältin Letitia James in Verbindung, die ihn zwei Jahre zuvor in einem Betrugsfall haftbar gemacht hatte und nun die „Cornell 7“ untersucht.