Ein Jahr danach

Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas trat am 10. Oktober 2025 in Kraft, nachdem beide Seiten einen Vorschlag der Vereinigten Staaten zur Zukunft des Küstenstreifens angenommen hatten. Ein Jahr später hat die zweite Phase noch nicht begonnen, und es gibt keine direkten Kontakte zwischen den Parteien, wie Europa Press berichtet. Das Gesundheitsministerium in Gaza zählte seit der Waffenruhe mehr als 1.470 getötete Palästinenser, etwa vier pro Tag, und mehr als 5.100 Verletzte. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Quelle und Datum. Tagesschau nennt mehr als 1.400 Tote im vergangenen Jahr, La Vanguardia mindestens 1.400, darunter 300 Kinder, und die Vereinten Nationen verzeichneten unter Berufung auf Ministeriumsdaten 1.431 bis zum 30. September gemeldete Todesfälle.

Schlüsseldaten der Gaza-Waffenruhe und des weiteren Konflikts
  1. Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas tritt in Kraft
  2. Vereinigte Staaten und Israel beginnen Krieg gegen den Iran
  3. Trump erklärt, die Hamas werde ihre Waffen übergeben, wenn Israel sich aus Gaza zurückzieht
  4. Israelische Wahlen angesetzt

Tötungen und die Gelbe Linie

EL PAÍS berichtete, die Zählung des Ministeriums habe am Freitag 1.477 Tote ergeben, darunter 308 Minderjährige und 154 Frauen, sowie 5.205 Verletzte. Die israelische Armee gibt die Ziele ihrer Angriffe inzwischen nur noch selten bekannt, so die Zeitung. Vergangene Woche sagte der Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Shlomi Binder, von den rund 4.000 der 6.000 Gazaner, die beim Hamas-Angriff vom Oktober 2023 nach Israel gelangt seien, seien getötet worden – nicht alle von ihnen Militante. Bei einem Bombenangriff in der Woche zuvor wurden zwei christliche Zivilisten getötet, woraufhin Papst Leo XIV. dem Pfarrer der einzigen katholischen Gemeinde in Gaza, der Heiligen-Familien-Kirche, ein Kondolenzschreiben schickte.

Seit der Waffenruhe getötete Palästinenser, Gesundheitsministerium Gaza, Freitag (Personen)
Getötet1.477Darunter Minderjährige308Darunter Frauen154

Europa Press berichtet, die Gelbe Linie, an die sich die israelischen Streitkräfte nach dem Abkommen zurückgezogen hatten, sei von etwa 51 Prozent des Streifens auf mehr als 60 Prozent gewachsen, und Netanyahu habe erklärt, sie werde bestehen bleiben, bis die Hamas entwaffnet sei. La Vanguardia nennt eine andere Zahl und schreibt, die israelischen Streitkräfte hielten inzwischen etwa 65 Prozent des Gazastreifens, Netanyahus Ziel seien 70 Prozent. Ärzte ohne Grenzen beschrieb die Linie drastischer.

Die Gelbe Linie ist zu einem Mechanismus der Einkesselung und der ethnischen Säuberung geworden.

— Amande Bazerolle

Gespräche stocken wegen Entwaffnung

Trumps 20-Punkte-Plan schuf zwei Gremien unter Führung des Board of Peace, um den Prozess zu steuern, doch die politischen Gespräche bleiben festgefahren. Im Juli kündigte Trump an, die Hamas werde ihre Waffen übergeben, sofern sich Israel aus Gaza zurückziehe. Tel Aviv hat diese Bedingung abgelehnt und erklärt zugleich, weiter vorzurücken, so La Vanguardia. El Periódico beschreibt die Blockade: Die Hamas knüpft die Waffengespräche an Garantien für einen israelischen Rückzug, während Israel die vollständige Entwaffnung verlangt, bevor es seine Truppen abzieht. Die Hamas kontrolliert weiterhin einen Teil des Streifens, und die Übergabe der Regierungsgewalt an eine palästinensische Übergangsverwaltung hat nicht stattgefunden. EL PAÍS berichtet, der Board of Peace habe vergangenen Monat einen strategischen Sechsmonatsplan und 2.450 Millionen Dollar für den Wiederaufbau angekündigt.

Regionalkrieg und Israels Wahl

El Periódico zufolge hat der am 28. Februar 2026 von den Vereinigten Staaten und Israel begonnene Krieg gegen den Iran die Prioritäten der Region verschoben. Die Hisbollah trat zur Unterstützung Teherans in den Konflikt ein, und Israel startete eine neue Offensive im Libanon mit Bodeneinsätzen und Bombardierungen. Israel wählt am 27. Oktober, und derselbe Kommentar heißt, Netanyahu müsse für die Sicherheitsversäumnisse des 7. Oktober und für das Fehlen einer dauerhaften Lösung in Gaza Rechenschaft ablegen.

Leben in den Notunterkünften

Tagesschau berichtet, laut den Vereinten Nationen lebten etwa 1,5 Millionen Menschen in Gaza in Zelten oder Notunterkünften. Der Chirurg Murad Asaliyya von Ärzte ohne Grenzen, der die medizinischen Aktivitäten im Feldkrankenhaus der Organisation in Deir al-Balah leitet, beschrieb die Wunden, die sein Team noch immer behandelt.

In unserem Krankenhaus erhalten wir weiterhin Menschen mit Kriegsverletzungen. Im vergangenen Monat haben wir mehrere Amputationen durchgeführt, viele davon bei Kindern.

— Murad Asaliyya

Die Geschäftsführerin von Save the Children, Inger Ashing, erklärte in einer Stellungnahme von rund 100 NGOs, die Waffenruhe existiere „nur auf dem Papier“.

Eine Waffenruhe ergibt keinen Sinn, wenn weiterhin Kinder getötet werden und Familien ihr Leben noch immer nicht wieder aufbauen können.

— Inger Ashing