Podcast-Äußerungen zum Überfall 1939
Der amerikanische Kommentator Tucker Carlson sah sich nach Äußerungen in einem Podcast-Gespräch mit dem ehemaligen britischen Kabinettsminister Jacob Rees-Mogg, das am 2. Oktober 2026 veröffentlicht wurde, diplomatischer Kritik ausgesetzt. In der Sendung argumentierte Carlson, Adolf Hitlers Entscheidung, im September 1939 in Polen einzumarschieren, habe eine legitime Rechtfertigung gehabt, und berief sich dabei auf deutsche Behauptungen, 15 % Polens seien zuvor deutsches, im Vertrag von Versailles abgetretenes Territorium gewesen. Carlson hielt daran fest, Hitlers territoriale Argumente seien faktisch zutreffend, stellte die britische Intervention zugunsten Polens infrage und erklärte, London habe sein Empire für einen Konflikt geopfert, der keinen nationalen Nutzen geboten habe. Rees-Mogg wies die Behauptung während der Diskussion zurück und bezeichnete die britische Beteiligung als notwendigen Kampf gegen die Tyrannei; er wies darauf hin, dass Preußen zuvor an Teilungen Polens beteiligt gewesen sei.
- Tucker Carlson veröffentlicht Podcast-Episode mit dem ehemaligen britischen Minister Jacob Rees-Mogg
- Polnische Botschaft in Washington veröffentlicht offenen Brief mit der Forderung nach öffentlichem Widerruf und Entschuldigung
- US-Botschafter Tom Rose, polnische Parlamentarier und das IPN geben förmliche Verurteilungen ab
Diplomatische Reaktion aus Washington und Warschau
Die Äußerungen lösten Reaktionen der diplomatischen Vertretungen in beiden Hauptstädten aus. Am 5. Oktober 2026 veröffentlichte Bogdan Klich, Geschäftsträger der polnischen Botschaft in Washington, in den sozialen Medien einen offenen Brief an Carlson. Klich erklärte, Carlson habe sich als Apologet Adolf Hitlers betätigt, warf ihm die Verzerrung der dokumentierten Geschichte vor und forderte einen sofortigen öffentlichen Widerruf und eine Entschuldigung. Klich erklärte, die Rechtfertigung des Überfalls von 1939 beleidige die Millionen Opfer des Nationalsozialismus, darunter Hunderttausende amerikanische Soldaten, die bei der Befreiung Europas getötet oder verwundet wurden.
Nazipropaganda kann nicht unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit rehabilitiert werden, und die Meinungsfreiheit darf nicht dazu missbraucht werden, das Andenken der Opfer des Zweiten Weltkriegs zu schänden.
Verurteilung durch den US-Botschafter
Am 6. Oktober 2026 veröffentlichte der US-Botschafter in Polen, Tom Rose, auf X eine Erklärung, in der er Carlsons Interpretation des Zweiten Weltkriegs verurteilte. Rose bezeichnete Carlson als gefährlichen Demagogen, der moralische Unterscheidungen auszulöschen versuche, indem er Aggressoren zu Opfern und Demokratien zu Bösewichten mache. Der polnische Außenminister und stellvertretende Ministerpräsident Radosław Sikorski dankte Rose öffentlich für die Erklärung.
Die Geschichte so umzuschreiben, dass Nazideutschland als Opfer und Polen, die Nation, die Hitler überfiel, besetzte, terrorisierte und zu vernichten suchte, als Täter dargestellt wird, ist eine bewusste Zerstörung der moralischen Wahrheit und eine groteske Beleidigung einer Nation, die einen Blutzoll zahlte, der in den Annalen menschlicher Verbrechen seinesgleichen sucht.
Polnische politische und institutionelle Reaktion
Das polnische Institut für Nationales Gedenken (IPN) gab am 6. Oktober 2026 eine offizielle Erklärung heraus, in der es darlegte, dass Polen Opfer eines unprovozierten Angriffs sowohl Nazideutschlands als auch der Sowjetunion gewesen sei. Das IPN wies darauf hin, dass Deutschland vor dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 Österreich annektiert und die Tschechoslowakei zerschlagen habe, gefolgt von der Unterzeichnung des geheimen Molotow-Ribbentrop-Protokolls am 23. August 1939, das die Aufteilung polnischen Territoriums vorsah. Im polnischen Parlament wies Sejm-Marschall Włodzimierz Czarzasty während einer Pressekonferenz am Dienstag den historischen Revisionismus zurück. Abgeordnete mehrerer Fraktionen, darunter Adrian Witczak von der Bürgerkoalition und Adam Luboński von Polska 2050, kritisierten Carlson in landesweit ausgestrahlten Debatten und verwiesen auf sein Interview mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Februar 2024 und sein Gespräch mit dem ehemaligen polnischen Präsidenten Andrzej Duda aus dem Jahr 2021.
