Entschuldigung, doch der Plan ist zurückgezogen
Bei der Sitzung des FIFA-Rats am Donnerstag, dem 15. Oktober, in Zürich hat sich Gianni Infantino für die Fehler entschuldigt, die bei der Steuerung und Kommunikation des Vorschlags Forward Enterprise (FFE) gemacht wurden. Der Plan hätte Anteile an den kommerziellen Rechten der Weltmeisterschaft an private Investoren verkauft. Die FIFA erklärte in einer Stellungnahme, der Vorschlag sei endgültig zurückgezogen und könne in keiner Form erneut vorgelegt werden. Infantino sagte vor dem Rat, Ziel sei gewesen, mehr Investitionen in den Fußball zu lenken, stets vorbehaltlich der Zustimmung des Rats und der Mitgliedsverbände. Er räumte zudem ein, die Exekutivmitglieder nicht über den Plan informiert zu haben.
- Die Times berichtet über Infantinos Plan, Minderheitsanteile an private Investoren zu verkaufen
- Infantino lässt den Plan fallen, nachdem drei Kontinentalkonföderationen ihn ablehnen
- Der FIFA-Rat tagt in Zürich, Infantino entschuldigt sich und der Plan wird endgültig zurückgezogen
- Nächste Ratssitzung in Doha, bei der die Empfehlung zum Friedenspreis fällig ist
Nach der Sitzung betonte Infantino, der Plan sei nie zu einer Entscheidung geworden.
Aber wichtig ist zu bedenken, dass es ein Vorschlag war, also keineswegs eine beschlossene Sache.
Externe Anwälte informierten den Rat über den rechtlichen Hintergrund des Projekts, doch die Details bleiben wegen laufender Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten vertraulich. Der Plan war erstmals in einem Bericht der Times am 28. Juli aufgetaucht, dem zufolge Infantino ein Unternehmen wollte, das die kommerziellen Interessen der FIFA-Wettbewerbe einschließlich der Weltmeisterschaft verwaltet, wobei eine Minderheitsbeteiligung für private Investoren offen sein sollte. Leitinvestor sollte Thrive sein, eine von Josh Kushner gegründete Firma, dem Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn. Infantino ließ den Plan am 1. August fallen, nachdem drei Kontinentalkonföderationen ihn abgelehnt hatten.
UEFA hält den Druck aufrecht
Debbie Hewitt, Vorsitzende des englischen Fußballverbands und FIFA-Vizepräsidentin, bezeichnete die dreieinhalbstündige Sitzung als sehr offen. Sie sagte, die Mitglieder hätten keine Antworten auf ihre konkreten Fragen erhalten, und Infantino sei nicht geeignet, Präsident zu sein, solange er sie nicht beantworte und die FFE-Dokumente nicht offenlege. Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), sagte nach der Sitzung, das Ziel sei, eine andere Person an der Spitze der FIFA zu sehen.
Das ist das Ziel, dass wir eine andere Person an der Spitze der FIFA sehen möchten.
Bei einem UEFA-Treffen eine Woche zuvor in Berlin unterstützten laut Deutsche Welle alle Mitgliedsverbände außer Aserbaidschan die Ablösung Infantinos. Die nächste FIFA-Präsidentschaftswahl ist für März 2027 in Rabat, Marokko, angesetzt, die Nominierungen schließen am 18. November. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat eine Kandidatur ausgeschlossen, und Nasser Al-Khelaifi steht nicht zur Verfügung. Victor Montagliani soll kein Interesse haben, während britische Medien Arsène Wenger und Michele Kang ins Spiel gebracht haben, ohne dass dies bestätigt oder dementiert wurde. Infantino will sich zur Wiederwahl stellen und hat die Unterstützung der afrikanischen, südamerikanischen und eines Großteils der ozeanischen Verbände, während die asiatischen Vertreter gespalten sind. Die UEFA will sich vor dem 17. November erneut treffen.
Balogun-Urteil und der Friedenspreis
Eine Sperre von einem Spiel für den US-Angreifer Folarin Balogun wurde während der letzten Weltmeisterschaft ausgesetzt, sodass er das Achtelfinalspiel gegen Belgien bestreiten konnte. Europa Press berichtete, die Aussetzung sei auf einen Anruf Trumps bei Infantino zurückgegangen. Der FIFA-Rechtsausschuss wird seine Disziplinarverfahren überprüfen, Ergebnisse sollen bei der Ratssitzung im Dezember vorliegen. Der Guardian berichtet, mehrere Ratsmitglieder hätten die Abschaffung des Friedenspreises gefordert, während andere ihn entpolitisieren wollen. Der Ausschuss für soziale Verantwortung soll vor der Ratssitzung am 16. Dezember in Doha eine Empfehlung abgeben. Trump erhielt die Auszeichnung bei der Auslosung der Männer-Weltmeisterschaft im Dezember 2025 in Washington, und das Auswahlverfahren wurde nie öffentlich gemacht. Artikel zwei der FIFA-Statuten verbietet politische oder staatliche Einflussnahme auf den Fußball.
Der Überschussplan hinter dem Angebot
Das Angebot stützt sich auf ein Überschussprogramm, das einen Teil der FIFA-Reserven nutzen würde, um die für 2027 bis 2030 geplante Finanzierung mehr als zu verdoppeln. Europa Press gibt die sich ergebende Gesamtsumme mit 6.350 Millionen Dollar an, während ANSA in einem Artikel 6,25 Milliarden Dollar und in einem anderen 6,35 Milliarden Dollar nennt. Die Überschussprognose ist noch nicht geprüft. Nach dem Plan erhielte jeder der 211 Verbände 25 Millionen Dollar, und Infantino sagte, in seinen zehn Jahren als Präsident sei die Summe pro Verband von 1 Million Dollar auf dieses Niveau gestiegen.
