Le Pens Plan zur Kürzung der französischen EU-Zahlungen

Marine Le Pen sagte in einem am 14. Oktober veröffentlichten Interview mit der Financial Times, sie werde Frankreichs Zahlungen an die Europäische Union im ersten Jahr um 11 Milliarden Euro kürzen und in den Folgejahren um weitere Dutzende Milliarden. BFMTV nennt für das erste Jahr 11 Milliarden Euro, während POLITICO 11,1 Milliarden Euro als jährliche Kürzung angibt, die ihre Partei vorgeschlagen hat. Das Rassemblement national stellt die Kürzung als Einsparquelle zur Sanierung der öffentlichen Finanzen dar. Le Pen räumte ein, die Debatte werde schwierig, möglicherweise eine Kraftprobe, doch sie und ihre Seite wollten erfolgreich sein. Nach den europäischen Verträgen ist für die Maßnahme die Zustimmung der anderen 26 Mitgliedstaaten erforderlich, was keineswegs gesichert ist, und Berlin gilt als einer der Hauptgegner. Sie will Frankreich auch nicht mehr aus dem Euro führen und argumentiert, die EU nehme in der französischen Wirtschaft einen zu großen Platz ein.

Retailleau will einen Rabatt, ohne Zahl zu nennen

Bruno Retailleau, Vorsitzender der Les Republicains, sprach am 13. Oktober auf dem Competitiveness Summit von POLITICO in Paris und sagte, Frankreich solle einen Rabatt auf seinen EU-Beitrag fordern.

Warum sollten wir mehr beitragen, wenn wir wissen, wie prekär unsere öffentlichen Finanzen sind?

— Bruno Retailleau

Er nannte die Strukturfonds, die in ärmere europäische Regionen fließen, als Bereich, in dem Einsparungen möglich seien, und argumentierte, diese Länder hätten fast aufgeholt. Zudem sagte er, Frankreichs Ausgaben für Verteidigung und nukleare Abschreckung sollten auf seinen Beitrag angerechnet werden, da die vorgelagerte Abschreckung seinen europäischen Nachbarn zugutekomme. Wie hoch ein Rabatt ausfallen solle, sagte er nicht. Retailleau erklärte, er wolle verhandeln, statt einen niedrigeren Beitrag einseitig festzusetzen, wie Le Pen es nach eigenen Angaben tun will. Der frühere Innenminister, der laut POLITICO in den Umfragen hinter Edouard Philippe und Le Pen liegt, warf Emmanuel Macron vor, den EU-Haushalt noch vor Jahresende verabschieden zu wollen. Er argumentierte, ein Präsident ohne Mehrheit in der Nationalversammlung dürfe keinen Haushalt festschreiben, der über sein Mandat hinausreiche.

Sparsame Staaten und der Brüsseler Gipfel

Die europäischen Staats- und Regierungschefs treffen sich am 15. und 16. Oktober in Brüssel, um den Mehrjährigen Finanzrahmen, den Siebenjahreshaushalt, zu beraten. Die sogenannten sparsamen Länder wollen einen kleineren EU-Haushalt, andere einen größeren, und Frankreich gehört keinem der beiden Lager an. Le Monde beschreibt die Sparsamen als in der Offensive, um den Haushalt zu verkleinern, und schreibt, sie hätten sich selbst die "vernünftigen Sechs" genannt. Le Soir berichtet, die Fraktion Patrioten für Europa, die dritte Kraft im Europäischen Parlament, werde Le Pen am 14. Oktober in Brüssel empfangen. Seit der Niederlage von Viktor Orban ist die Fraktion auf dem Gipfel nur noch durch den tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis vertreten.

Wichtige Etappen in der Debatte um den EU-Haushalt und den französischen Rabatt, Oktober 2026
  1. Das Rassemblement national stellt seinen Gegenhaushalt vor
  2. Bruno Retailleau fordert auf dem Competitiveness Summit von POLITICO in Paris einen Rabatt
  3. Marine Le Pen gibt der Financial Times ein Interview und besucht Brüssel
  4. Die EU-Staats- und Regierungschefs beginnen zweitägige Beratungen über den Mehrjährigen Finanzrahmen

Ein RN-Gegenhaushalt unter der Lupe

Das Rassemblement national stellte am 6. Oktober seinen Gegenhaushalt vor, eine Woche bevor der Finanzentwurf in der Nationalversammlung beraten werden sollte. Der Plan sieht vor, das öffentliche Defizit 2027 auf 3,7 % des BIP und 2032 auf 2,2 % zu senken.

Defizitziel des RN-Gegenhaushalts (% des BIP) (% des BIP)
20273,720322,2

Le Pen schlug eine Anpassung von 140 Milliarden Euro an Nettoeinsparungen bis 2032 im Vergleich zu 2026 vor. Courrier international hielt den Plan für schwer glaubhaft und argumentierte, das Problem liege weniger in den Zielen als in den Mitteln, sie zu erreichen. Die Partei war zudem von Mediaparts Enthüllungen über antisemitische Schriften getroffen worden, die Jordan Bardella zugeschrieben werden und die die Berichterstattung der Redaktion mit einer schwierigen Phase für das RN verbindet.